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Gestalte(n) Ausgabe 144

44 GESTALTE(N) Vom Fundament bis zum Dach gab es viel zu tun Mit den Bauarbeiten wurde bereits 1997 begonnen. Geplant wurden zwei Wohneinheiten, wobei sich eine im, durch ein Dachgeschoß erweiterten, Hauptgebäude befindet und die zweite im nun umgebauten ehemaligen Stalltrakt untergebracht ist. Für viele Detaillösungen ging der Bauherr unter anderem auf Spurensuche im Museumsdorf Niedersulz, um sie anschließend in sein Projekt einfließen zu lassen. Zunächst musste die aufsteigende Feuchtigkeit dauerha aus Wänden und Böden verbannt werden. Dazu wurden die aus Steinmauern, Lehmziegeln und gebrannten Ziegeln bestehenden Grundmauern, sektionsweise ausgetauscht und nach heute üblichem Standard mit einer Horizontalsperre neu fundamentiert. Dementsprechend musste auch der Bodenauau zur Gänze erneuert werden. Auf eine Rollie- rung aus Schotter, folgte eine mit Bitumen abgedichtete Betonsohle. Darüber wurde ein Heizestrich und je nach Nutzungsschwerpunkt entweder Holz-, Ziegel- oder Fliesenböden eingebaut. Sämtliche Wände wurden sowohl außen wie innen wieder original- getreu mit Lehm vom eigenen Grund und Strohhäcksel als Bewehrung verputzt. Für den Lehmverputz wurde Hengl Sand aus Limberg ver- wendet. Für die Oberflächengestaltung kam ein Anstrich aus Sumpf- kalk ohne Zusätze zum Einsatz. Leider sieht man häufig sanierte Gebäude, mit sowohl materialmäßig als auch stilistisch völlig unpassenden Fenstern. Nicht so hier, denn die Bauherrn bestanden auf Holzkastenfenster mit Innen- und Außen- flügeln, die optisch ihren Vorbildern entsprechen aber nach heute gültigen technischen Kriterien (z.B. Energieerhaltung) gefertigt sind. Einige Decken des Hauses sind in der bis ca. 1900 in Österreich und im süddeutschen Raum weit verbreiteten Dippelbaumkonstruktion ausgeführt. Dabei handelt es sich um dreiseitig behauene Balken, die zur besseren Lastverteilung mit Hartholzdübeln (daher die Bezeichnung Dippel = Dübel) oder mit Metallbändern gesichert sind. Da das Dach ohnehin erneuert werden musste, ergab sich auch gleich die Gelegenheit in diesem Bereich entsprechende Verbesserungen und Dämmmaßnahmen vorzunehmen. Dabei wurde auf dem alten Dach- stuhl ein 20 cm starker Auau angebracht, dessen Hohlräume mit 18 cm Steinwolle ausgefüllt wurden. Die innere Auskleidung, des nun als Obergeschoß genutzten Dachraumes, besteht aus Gipswerkstoffplatten, an einigen Stellen sind raumseitig noch die alten Träme des Dach- stuhls zu sehen. Stilgerecht wurde die Dacheindeckung ausschließlich mit alten Biberschwanzziegeln bzw. Wiener Taschen ausgeführt. „Beim Eindecken der Dächer haben neben Familie und Freunden auch die Nachbarn aus dem Dorf kräig mit Hand angelegt.“, erzählt der Bauherr, sichtlich gerührt von dieser Hilfsbereitscha. Trotz alter Mauern zeitgemäßer Wohnkomfort Hinsichtlich Haustechnik, Sanitäreinrichtungen und Heizung unter- scheiden sich bewohnte historische Gebäude und Neubauten nicht grundsätzlich, gilt es doch bei beiden die heute üblichen Komfort- ansprüche zu erfüllen. In diesem Sinne wurde zur Grundversorgung des Heiz- und Warmwasserbedarfs eine Gaszentralheizung installiert, die über ein Niedertemperatursystem Wand- und Fußbodenflächen versorgt. An einigen Stellen sind zusätzlich konventionelle Radiatoren angebracht. Im Wohnzimmer des Hauptgebäudes, unter dem Stiegenaufgang zum Obergeschoß, wurde außerdem ein gemauerter Kachelofen mit Nach- brennkammern und automatischem Verriegelungssystem eingebaut. Auch in der Küche gibt es einen gesetzten Herd mit Backrohr und einem Kupferschiff, das die überschüssige Wärme in einen Puffer- speicher speist, der mit einer thermischen Solaranlage auf dem Dach (16 m² Kollektorfläche) gekoppelt ist. Abschließend gilt es noch die Neugestaltung des 200 m² umfassenden Innenhofs zu erwähnen, der begrünt und beidseitig mit Trettengängen aus gelegtem Ziegel ausgeführt wurde. Alles in allem ist die Sanierung des Streckhofes hervorragend gelungen, sie wurde gut geplant und in hoher Qualität ausgeführt. Bauherr Guido Wirth bereut seinen Entschluss bis heute nicht. Dennoch meint er: „Gott sei Dank weiß man vieles nicht, wenn man sich zu solch einer Sanierung entschließt. Jedenfalls sollte man eine gehörige Portion Mut und Ausdauer besitzen um sich durch unangenehme Überraschungen nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.“ Wer, wie Susi und Guido Wirth, ein 250 Jahre altes Bauernhaus wieder in Schuss bringen möchte, darf sich vor Mühen und so mancher unliebsamen Überraschung nicht scheuen. Als die Familie nach intensivem Suchen 1997 endlich das richtige Haus gefunden hatte, entpuppte es sich als stark baufällig. Nicht zuletzt weil es 50 Jahre lang leergestanden hatte. Auf der Plusseite gab es dafür eine original erhaltene Substanz, an der wechselnde und teils fragwürdige Sanierungstrends völlig spurlos vorübergegangen waren. Der Standort des südmährischen Streckhofes mit seinen eng hintereinander gebauten Wohn-, Stall-, Scheunen- und Schupfentrakten befindet sich in Oberdürnbach am Manhartsberg, das heute zur Gemeinde Maissau gehört. * Photos:GuidoWirth,WalterWinkler,GESTALTE(N)

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