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Gestalte(n) Ausgabe 144

53GESTALTE(N) * „In Altstadtbereichen gibt es immer Abstimmungsbedarf“ lung gibt es immer Abstimmungsbedarf“. Und der ergibt sich fast zwangsläufig, denn die Ziele der Beteiligten sind ganz verschieden. Infrastruktur muß modernisiert werden, wichtige Einrichtungen brauchen mehr Raum, Investoren wollen ihre Geschäsideen ver- wirklichen, Bürger wollen schöner einkaufen oder besser parken, Familien suchen Er- holungsmöglichkeiten. Wenn man nur eine Gruppe entscheiden lassen würde, wären die Folgen für alle anderen fatal. Das rein investorengetriebene Planen möchte derneueBaudirektordurchRaumfürVisionen ersetzen und dabei viel werben und über- zeugen. Daß dabei auch eine andere Lösung als seine herauskommen kann, macht ihm keine Schwierigkeiten. Er ist ein Mann des Ausgleichs, nicht der Direktive, und er arbeitet auch deshalb gerne mit dem Kremser Gestal- tungsbeirat zusammen. Stadtplanung und Regionalentwicklung brauchen einen sorg- samen Umgang mit dem Bestand. Viele Jahr- zehnte lang wurde in vielen Städten fast im Blindflug geplant, in manchen noch heute, und dann braucht es erst langwierige Initiati- venarbeit, um zur Ortsbildpflege oder zu Wiederherstellungen zu gelangen. Starke Bürgerbeteiligung erwünscht Wichtig ist Reinhard Weitzer die enge Bürger- beteiligung. Während anderswo die Einwohner kaum gewohnt sind, über Neugestaltungen in ihrer Stadt überhaupt informiert zu werden, geht es hier über die reine Transparenz hinaus auch um echte Möglichkeiten, sich als Bürger einzubringen. Weitzer mutmaßt, daß man sich das woanders nicht so recht traut, weil man Angst vor Machtverlust hat. In dieser Stadt zeigt sich, daß solche Sorgen unbegrün- det sind. Krems, die Musterstadt der Denk- malpflege, eingebunden ins Weltkulturerbe Wachau, ist dabei ein Modell für das konstruktive Mitreden geworden. Regelmäßig werden Bürger zur Zukunskonferenz gebeten. Sie wollen sich aktiv einbringen und zeigen damit auch ihren Wunsch nach Richtung. Als Baudirektor will Weitzer dazu beitragen, daß in Krems mehr gesteuert und weniger gedriet wird und daß diese Stadt einen Weg geht. Für Reinhard Weitzer schließt sich damit auch beruflich ein Kreis: Nachdem er jahrelang in Wien gearbeitet hat, kann er seine Ideen und seine Kompetenz nun in seiner Heimatstadt einbringen. Als Familienmensch und Vater zweier Söhne (8 und 3) lebt er in Senenberg. Musikalisch neigt er dem Jazz zu, außerdembeherrschterdieBaßklarinette,findet dafür aber im Augenblick nicht die Zeit. Vielleicht kommt es Reinhard Weitzer und seiner Heimatstadt auch zugute, daß sich in ihm der Einwohner mit hoher fachlicher Kompetenz gestaltend einbringt. Zuvor war er im Regionalmanagement Niederösterreich als Regionalmanager und Geschäsführer des Regionalverbands Mitte tätig. Gleichzeitig mit seinem Wunsch nach beruflicher Verände- rung fügten sich die Dinge gut ineinander, auch den Entscheidungsträgern in der Stadt sagte die Bewerbung zu. Dabei trat Reinhard Weitzer absichtlich nicht mit großen Visionen auf – ihm ist es wichtiger, Räume zu öffnen, damit sich in ihnen überhaupt Visionen entwickeln können. Das können, müssen aber nicht immer Jahrhundertprojekte sein. Wichtig ist jetzt, daß die Stadtentwicklung auf guten Kurs kommt.

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