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Gestalte(n) Ausgabe 144

Ende des 19. Jahrhunderts, mit der zunehmenden Industrialisierung, drängten immer mehr Menschen in Ballungsräume der Industrie und in die Städte. Damit entstand ein enormer Bedarf an Wohnungen. Verdichtete Wohnformen und die Entstehung eines „Wohnungs- marktes“ oder der „Wohnung als Ware“ waren zur Notwendigkeit geworden. Das bürgerliche Konzept sah in der Kleinfamilie den Kern für eine positive gesellschaliche Entwicklung. Als soziale Zelle sollte sie die wesentlichen Aufgaben und Funktionen zur Stabilisierung der Gesellscha übernehmen. Die Familie soll imstande sein, dem einzelnen Schutz und Sicherheit zu gewähren. Die Wohnung wird zur Heimat des Individuums. Von eher konservativen Wohnungsrefor- mern wurden deshalb Wohnformen in kleineren Einfamilienhäusern propagiert. Um diese Vorstellungen mit den ökonomischen Zwängen in Einklang zu bringen, wurde nach Lösungen gesucht, die auch für Arbeiterfamilien ein eigenes Haus realisierbar machen. Ebenezer Howard war Büroangestellter und Stenograph in London. In jungen Jahren brachte ihn ein längerer Amerika-Aufenthalt in Berührung mit den Ideen einer gerechten klassenlosen Gesellscha und Konzepten gemeinschalichen Eigentums. Er warb für durch- grünte, von der Stadt abgetrennte Siedlungen mit gemeinschalichem Bodeneigentum und größtmöglicher autonomer Versorgung. Die einzelnen Siedlungen sollten in der Größenausdehnung beschränkt Das Ideal des familiären Wohnens im „Einfamilienhaus im Grünen“ prägte schon frühe Konzepte verdichteter Siedlungsformen. Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entwickelte der Vordenker und Sozialreformer Ebenezer Howard (1850-1928) die Idee der durch Grünflächen aufgelockerten Stadt, der Gartenstadt. Nur wenig bekannt ist, dass auch einigen Siedlungen in Niederösterreich in ihrer Anlage und Gestaltung die städtebaulichen Ideen der Gartenstadtbewegung zugrunde liegen. TEIL3: Wohnen mit der Natur WOHNEN UND (IN) GEMEINSCHAFT Edeltraud Haselsteiner F A C H A R T I K E L GESTALTE(N)54 sein, um eine echte Dezentralisation der Großstädte zu erreichen und den Bezug zur Natur auch für die„Städter“ zu ermöglichen. Die Wohngebiete dachte er sich rund um einen großen zentralen Park entlang konzentrisch angelegter Ringstraßen gereiht. Der äußerste Ring war für Betriebe und Fabriken vorgesehen. Daran schließen landwirtschalich genutzte Flächen an. Das Leben in der idealen Garten- stadt sollte es ermöglichen, Menschen zu kulturellen Aktivitäten anzuregen und eine neue Generation von vorwärtsstrebenden, Kunst- und Kultur- interessierten Menschen hervorzubringen. Die Idee fand rasch internationale Verbreitung. In England und Deutschland wurden einige Mustersiedlungen realisiert. Die Berndorfer Gartenstadt um 1910 Wie in der Allgemeinen Bauzeitung von 1912 zu lesen war, ist auch Niederösterreich bereits seit 1909 „im glücklichen Besitz einer Gartenstadt“: „Es wird nun von Interesse sein, in die baulichen Details der Berndorfer Arbeiterkolonie näher einzugehen und zunächst die neue Anlage Griesfeld zu betrachten: (...) Was die eigentliche bauliche Anlage von Griesfeld betri, wäre zu bemerken, daß die Regel das freistehende Ein- familienwohnhaus ist; doch wurden im Jahre 1909 auch zwei Gruppen- häuser, die eine bessere Ausnützung des Terrains gestatten, errichtet. Gegen die Straße zu ist jedes Haus mit einem Gartenzaun, gegen die

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