Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Gestalte(n) Ausgabe 144

Berndorf in eine Gartenstadt für Arbeiterinnen und Arbeitern umzu- wandeln. Unter seiner Leitung und dem Architekten Ludwig Baumann entstanden ab 1890 mehrere Siedlungen mit Einzel-, Doppel-, oder Vierfamilienhäusern, die an die malerischen Erscheinungsformen einer Gartenstadt angelehnt sind. Für jeden Distrikt wurden unter- schiedliche Fassadengestaltungen gewählt, um jeder Siedlung ihren eigenen Charakter zu verleihen. Als besondere Errungenscha dieser Zeit war es für die Beschäigten möglich, die Häuser in Eigentum zu erwerben. Die Errichtung der Häuser wurde über das Baubüro vor- finanziert und auf Darlehensbasis in Raten von den Beschäigten zurückerstattet. Je nach Kapital konnte man aus verschieden großen Wohnhaustypen auswählen. Eine durchschnittliche Wohnfläche betrug beidenälterenWohnhäusernca.40-50m².DieArbeiterinnenundArbeiter konnten vom Baubüro Plan samt Grundstück zur Errichtung eines eigenen Hauses käuflich erwerben und mussten dafür eine Anzahlung hinterlegen. In wöchentlichen Raten wurde der restliche Kaufpreis bezahlt, bis nach 18 Jahren das Haus abbezahlt war und in das Eigentum überging. Neben großzügigen Gärten sind in die Siedlung eine Anzahl von gemeinschalichen Einrichtungen eingebettet, welche in der Fabrik Beschäigte unentgeltlich benutzen konnten. Es gab öffentliche Badeanstalten, eine Schule, eine Kirche mit Friedhof, ein Schwimm- bad, eine Konsumanstalt, ein Gasthaus sowie einen Speisesaal mit Küche für 1000 Personen und das Kaiser Franz Josef-Jubiläumstheater. In den späteren Jahren wurde die Idee der Gartenstadt vor allem vom Architekten Roland Rainer aufgegriffen. Roland Rainer gilt als Pionier naturnahen Wohnens im verdichteten Flachbau. Sein bekanntestes Projekt ist die Gartenstadt Puchenau in Linz. In Niederösterreich realisierte er unter anderem 1953 die Gartensiedlung in Mannersdorf am Leithagebirge oder, 2005 fertiggestellt, die Gartensiedlung am östlichen Traisenufer in St. Pölten. * DIDr.EdeltraudHaselsteiner, geboren 1962 in Waidhofen an der Ybbs, nach mehrjähriger Tätigkeit als Sozialarbeiterin, Studium der Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2000 freiberuflich tätig mit Schwerpunkt Architektur- und Stadtforschung, Nachhaltigkeit, Soziologie und Kunst. Derzeit Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für soziale Ökologie (Alpen-Adria Universität Klagenfurt-Wien-Graz) und an der FH Technikum Wien (Master Erneuerbare Urbane Energiesysteme). ABBILDUNGEN: 1) Die ideale Gartenstadt, Detailplan. Quelle: Gieselmann, Reinhard, Institut für Wohnbau, TU Wien o.J. 2) Gartensiedlung Griesfeld, Berndorf. Foto: Tusch 55GESTALTE(N) Nachbarn mit Holzplanken abgeschlossen. Die Bauflucht ist stets 3m vom Gartenzaun entfernt, so daß noch Raum für einen kleinen Vorgarten, der in der Regel als Ziergarten ausgebildet wird, übrig bleibt. (...) Hinsichtlich der Ausbildung des Grundrisses, welcher (wie im Plan ersichtlich) kräig gegliedert ist, sei erwähnt, daß der Platz vorzüglich ausgenützt ist. Alle Häuser besitzen einen geräumigen Keller und eine Waschküche im Souterrain, zwei Wohnräume und eine Küche im zirka 60cm über dem Terrain liegenden Parterre, zwei gut lübahre Schlaf- räume befinden sich im Obergeschoß, in welchem auch der Dach- bodenraum angeordnet ist. (...). Die Bautätigkeit wird noch eifrig fort- gesetzt, so daß in den letzten Jahren nicht weniger als 40 Wohnhäuser von den Arbeitern erbaut worden sind und eine noch größere Zahl bereits in Aussicht steht. So ist auch Niederösterreich im glücklichen Besitz einer Gartenstadt, eine Tatsache, die der Allgemeinheit leider noch nicht bekannt ist, wie sie es verdient. Wien, im Dezember 1910, A.S.L“ Die Berndorfer Metallwerke wurden im Jahr 1843 von Alexander Schoeller und Alfred Krupp gegründet. In den folgenden 100 Jahren entwickelten die weiteren Nachfahren das Werk zu einem international anerkannten Unternehmen. Darüber hinaus wurde die Familie Krupp bestimmend für die gesamte Stadtentwicklung und Stadtgestaltung. Arthur Krupp, der 1879 das Werk übernommen hatte, war Ideengeber,

Seitenübersicht