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Gestalte(n) Ausgabe 145

41GESTALTE(N) Der kleine Ort Willendorf in der Wachau erlangte Berühmtheit durch die Venus, eine 25.000 Jahre vor Christus entstandene Figur, die 1908 auf dem Areal eines Obstgartens gefunden wurde; daher auch der Name „Venusgarten“. Dieses Idol, das auf den Bildern meist viel größer wirkt, als es tatsächlich ist, verkörperte das Schönheitsideal des steinzeitlichen Mannes, wird behauptet. Nun, darf dem Einzelnen in diesen Belangen allemal gefallen was will, in der Baukunst ist der Schönheitsbegriff aber von alters her mit Attributen wie: formvollendet, harmonisch, kunstvoll, wohlgestaltet und ebenmäßig aber auch gekonnt und meisterha im streng handwerklichen Sinne verbunden. Das hier beschriebene Projekt erfüllt sowohl sämtliche der Funktio- nalität geschuldeten Erwartungen als auch die hohen ästhetischen Ansprüche des Bauherrn. Sanierung und Adaptierung statt Neubau Am Beginn stand die Idee des Bauherrn, für sich einen zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen. Als Platz dafür war zunächst ein bereits als Bauland gewidmeter Marillengarten vorgesehen. Stattdessen entschied er sich aber dann das Haus seiner Mutter im Ortskern zu renovieren und um eine loartige Wohneinheit zu erweitern. Teile des bestehenden Objekts sollten in eine eigenständige, barrierefreie Einliegerwohnung umgewandelt werden, die der betagten Mutter ein würdiges und altersgerechtes Wohnen ermöglicht. Diese Nachverdichtung im zentralen Siedlungbereich war für die Planer und ausführenden Unternehmen eine besondere Herausforderung. Dabei waren nicht nur die Orientierung des Gebäudes zum Tageslicht und ein starker Bezug zum Naturraum maßgebliche Kriterien, es galt auch das Bedürfnis nach Privatsphäre in einem verhältnismäßig engen Umfeld zu berücksichtigen. Ein weiteres wichtiges Anliegen war, die Bauzeit möglichst gering zu halten um der Mutter des Bauherrn keine zusätzlichen Unannehmlichkeiten zu bereiten. Daher, aber auch aus ökologischen Überlegungen, entschieden sich Bauherr und Architekten den zweiseitig auskragenden Dachgeschoßauau in einer vorge- fertigten Holzmodulbauweise herzustellen. Der nördliche Zubau im Kellergeschoß dient als Betriebsgebäude für die Landwirtscha. Dessen Ausführung in Sichtbeton zieht eine klare Trennlinie zwischen Wohn- und Arbeitsräumen. Im Osten wurde der schieferartige Dachbelag aus kleinteiligen Faserzementplatten über die Wand weitergeführt und erhielt ein gepixeltes Grafikmotiv der Venus von Willendorf, das erst von weitem erkennbar ist. Geschmacksunterschiede hin oder her, es gibt zweifellos Merkmale, anhand derer man die ästhetische Umsetzung von Funktionalität messen kann. Das Haus am Venusgarten verbindet sämtliche Kriterien auf vorbildliche Weise. Photos:StefanSchauer,Velux,GESTALTE(N)

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