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Gestalte(n) Ausgabe 145

51GESTALTE(N) MäanderförmigeBaukörper,diedurchihreStrukturInnenhöfeetablieren, definierendasäußereErscheinungsbild.ImInnernmoderneLehrbetriebe und wunderschöne Wohneinheiten mit hellen, freundlichen Lebens- räumen und persönlichem Rückzugsraum. Flure enden nicht als Sack- gasse, sie führen in beiden Richtungen zum Licht. Zugangsbereiche wirken einladend, offenbaren dem Besucher aber nicht gleich die Innenwelt. Und dort gibt es dann Gemeinschasbereiche, die kaum eingrenzend wirken, sondern offen, frei und inspirierend. Soweit läßt sich das alles planen. Was dann herauskommt, zeigt sich jedoch erst, wenn so ein Bauprojekt nicht mehr Styropormodell ist, sondern vom Leben durchdrungen wird. Dann regt es zu Gedanken an, von denen hier einige angerissen werden. Das Spiel mit „drinnen“ und „draußen“ Überall thematisieren große Glasfronten, daß es innere und äußere Bereiche gibt, zwischen denen die Offenheit dieser Übergangsflächen vermitteln kann. Befindet man sich beispielsweise in der Küche, laufen draußen Leute vorbei, man sieht und grüßt sich. Der ganze Komplex spielt dieses ema schon durch seine Form, bei der man nie genau weiß, auf welcher Seite man gerade steht. Innenhöfe teilen die Bereiche, schaffen Treffpunkte und sind auch für sich ein Inneres. Innen und Außen sind aber auch im sozialen Miteinander ganz wesentliche, immer wiederkehrende Vorgänge: Wer ist dabei? Wer bleibt draußen? Wen nehmen wir mit und wen grenzen wir aus? Da kann es auch ein wirkliches Aha-Erlebnis sein, daß diese sozial- pädagogische Einrichtung eine offene ist, in die man einkehren kann, um zu essen oder Gartenprodukte einzukaufen. Die Farbmuster als digitale Codes Jemand hat die wiederholungslos angeordneten Farbstriche auf der Außenfassade als Symbol für den persönlichen Tagesablauf gedeutet: Hier ist man sehr beschäigt, da hat man „leere“ Bereiche, dort ist es mehr gemischt. Doch wer schon seinem Computer bei der Defragmen- tierung zugeschaut hat, erkennt hier Parallelen: Zerrissene, verstreute Dateien werden ganz ähnlich dargestellt, erst durch die ordnende Wirkung werden sie zu dichten Farbblöcken zusammengefaßt. In der RealitätsozialerArbeitverhältessichganzähnlich:AusDatengewirrund zerstreuter Haltlosigkeit bilden und festigen sich Strukturen, die sich später als wesentlicher Faktor erweisen werden. Ich glaube nicht, daß die Sozialpädagogen ihre wichtige Arbeit schon einmal als Defrag- mentierung aufgefasst haben, aber hier ist dieser Vorgang schon an der Außenhülle sichtbar. Der Neubau des Hollabrunner Landesjugendheims wächst in die Landschaft – und in die Herzen. Vor fast einem Jahr wurde der in frischen Tönen gestreifte Neubau vollendet, inzwischen ist er ein Teil des Alltags. Und die Symbolik dieser wundervollen Quader macht die Lebenswelt im Landesjugendheim vielleicht noch ein bißchen anschaulicher, als es beabsichtigt war. Photos:KurtKuball,GESTALTE(N)

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