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Gestalte(n) Ausgabe 145

Ein Aufenthalt an der Elfenbeinküste brachte den in Linz ansässigen ArchitektenFritzMatzingerEnde1973aufdieIdeeseinesWohnkonzepts der Atrium-Wohnhöfe. Leitgedanke war und ist „eine Hausgruppe, in überschaubarer Größe, um einen gemeinsamen ‘Dorfplatz’, einem winterfestenAtriumüberdachtmiteinemmobilenGlasdach,imSommer als offener Hof, im Winter als attraktiver Raum für Spiel, Sport und Feste ganzjährig nutzbar“.1 Matzinger nannte sein Wohnkonzept „Les Palétuviers“, die französische Bezeichnung für Mangrovenbäume (Wurzelbäume) in Afrika. Diese Bäume versinnbildlichen für ihn den Gedanken des Zusammenwachsens. Die Mitglieder der Wohngruppe in ihrer Individualität und Eigenständigkeit bilden die Wurzeln, die über die Wohnform zu einem festen „Stamm“ zusammenwachsen.2 Die Projekte Les Palétuviers sind vorrangig an den sozialen Aspekten des Wohnens interessiert. Konzept ist die Gruppierung einer überschau- baren Anzahl von zumeist acht Einfamilienhäusern um ein gemein- schaliches Atrium, welches für vielerlei gemeinschaliche Aktivitäten Raum bietet. Ein transparentes Schiebedach ermöglicht eine von der Witterung unabhängige Nutzung. Wie die Erfahrung zeigt, verändert sich der Schwerpunkt der Nutzung mit den veränderten Lebensverhält- nissen der Bewohnerinnen und Bewohner. Am intensivsten genutzt wurde der Atriumhof, als die meisten Familien noch Kleinkinder hatten. Nach Jahrzehnten ökonomischer Knappheit und Wohnbauvorhaben der Nachkriegsära, die möglichst kostengünstig den nötigen Bedarf an Wohnraum decken sollten, machte man sich ab den 1970er Jahren im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs zunehmend Gedanken über neue Wohnkonzepte. Dabei wurden häufig soziale Aspekte des Zusammenlebens wieder in den Vordergrund gerückt. Erste Wohnprojekte gemeinschaftlichen Bauens entstehen. Sie versuchen neue Nachbarschaften und soziale Netze aufzubauen, um die steigende Isolation und Anonymität zu durchbrechen. TEIL4: SozialesWohnen: Atrium-Wohnhöfe Les Palétuviers WOHNEN UND (IN) GEMEINSCHAFT von Edeltraud Haselsteiner F A C H A R T I K E L GESTALTE(N)54 Mit zunehmendem Alter der Kinder wurden die Erwachsenen mobiler, wodurch die Notwendigkeit einer Kommunikationszone weniger ge- geben war. In der Folge fungierte der Raum mehr als Veranstaltungsort für Jugendliche und Erwachsene. Das Wohnmodell spiegelt zentrale Anliegen gemeinschalichen Bauens wieder: Neue Nachbarschaen suchen und soziale Netze auauen, um die zunehmende Isolation und Anonymität zu durchbrechen. Dabei wird dieAuswahlder„Nachbarscha“zunehmendselektiver.Siemussgleiche Vorstellungen und Lebensauffassungen haben. Dafür weiten sich die Grenzen des Privaten aus bis zum Rand der „Hausgemeinscha“ und beziehen Gemeinschaseinrichtungen wie Sauna und Veranstaltungs- raum in den Privatraum mit ein.3 In den Atrium-Wohnhöfen Les Palétuviers sind zusätzlich eine Schwimmhalle mit Sauna, Werkstätten, Bastelräume, Waschküche, Trockenraum und ein Fotolabor vorhanden. Einige der Einrichtungen waren bereits von Beginn an eingerichtet, 1 LES PALETUVIERS, http://www.matzinger.at Gutmann Raimund, Margarete Havel: 20 Jahre Atrium –Wohnhöfe „Les Palétuviers“ Ein alternatives Wohnmodell im Bewohnerurteil. Österreichischer Wohnbund 1997 2 Häußermann Hartmut, Siebel Walter: Soziologie des Wohnens Eine Einführung in Wandel und Ausdifferenzierung des Wohnens, Weinheim 1996 3 Häußermann, 1996

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