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Gestalte(n) Ausgabe 145

freundlichkeit und dem Wunsch der Isolation im Einfamilienhaus zu entkommen, in der Kostengünstigkeit der Bauweise ein weiterer wichtiger Baustein. Aus diesem Grund wurden die ersten Wohnhöfe in Fertigteilbauweise aus Raumzellen errichtet. Später verstärkte sich der Wunsch der Wohnungswerber nach individuellerer Ausformungen der Häuser, so dass die Projekte in der Folge in Ziegel- und Holzbauweise errichtet wurden. Die Wohneinheiten mit 115m² bis 130m² Wohnfläche sind zweigeschossig mit privatem Gartenbereich und einer Dachterrasse. Trotz nicht nur reibungsloser sozialer Prozesse des gemeinschalichen Wohnens, der Selbstverwaltung, Meinungs- und Willensbildung, die allen Beteiligten ein hohes Maß sozialer Kompetenz abverlangen, liegt die Fluktuation im Vergleich mit herkömmlichen Reihenhausanlagen und Kleinsiedlungen eher unter dem Durchschnitt. In einer Befragung anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Wohnhöfe führte nur eine kleine Anzahl „Unzufriedenheit mit der Wohnform oder den Mitbewohnern“ alsAuszugsmotivan.DerGroßteilderBefragtenwürdesichsofortwieder für diese Wohnform entscheiden, das heißt die Wohnzufriedenheit in den Atrium-Wohnhöfen ist letztlich doch sehr hoch. Nach dem ersten Pilotprojekt Les Palétuviers 1, 1975 in Linz-Leonding, wurden bisher insgesamt 21 Projekte in Österreich und Deutschland nach diesem Konzept realisiert. In Niederösterreich sind zwei Projekte entstanden. 1980 wurden zwei Wohnhöfe mit insgesamt 16 Wohn- einheiten am Tulbingerkogel gebaut, 1983 eine ähnlich große Wohn- hausanlage in Klosterneuburg. Das erste Projekt Les Palétuviers 1, in Linz-Leonding, wird vom Architekten noch immer selbst bewohnt und dient ihm bis heute als Arbeitsort. * DIDr.EdeltraudHaselsteiner, geboren 1962 in Waidhofen an der Ybbs, nach mehrjähriger Tätigkeit als Sozialarbeiterin, Studium der Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2000 freiberuflich tätig mit Schwerpunkt Architektur- und Stadtforschung, Nachhaltigkeit, Soziologie und Kunst. Derzeit Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für soziale Ökologie (Alpen-Adria Universität Klagenfurt-Wien-Graz) und an der FH Technikum Wien (Master Erneuerbare Urbane Energiesysteme). 4 Häußermann, 1996 5 Gutmann/Havel, 1997 A B B I L D U N G E N : Tulbingerkogel Atrium Wohnhof Tulbingerkogel, Dachterrasse, erbaut 1979. Photo: Gregor Graf Klosterneuburg Atrium Wohnhof Klosterneuburg, Atrium. Photo: Gregor Graf 55GESTALTE(N) einige Raumnutzungen entstanden erst durch Selbstorganisation der Be- wohnerinnen und Bewohner. Diese Gemeinschaseinrichtungen haben eine wichtige Funktion: Sie ermöglichen die zwanglose oder bewußt gewollte Begegnung der Bewohnerinnen und Bewohner. Matzinger bezeichnet die Idee der „selbstgewählten Nachbarscha” als Wahlver- wandtscha, hält aber desgleichen die Wahrung von Rückzugsbereichen und der „Intimsphäre der Familie“ für unumstritten. Selbstbestimmte Wohnbedingungen, Kooperation und kommunikative Nähe, aber auch Möglichkeiten der Partizipation und Mitbestimmung werden in den neuen Wohnkonzepten gesucht. Die immer rascheren Wechsel der Lebenssituationen erfordern die Schaffung neuer Ver- fügungs- und Eigentumsformen, etwa zwischen den „Abhängigkeiten“ in einem Mietverhältnis und den „langfristigen Verbindlichkeiten“ beim Eigentum. Die Atrium-Wohnhöfe Les Palétuviers zeichnen sich durch ein hohes Maß an Selbstbestimmung aus. In allen Projekten werden die laufend anfallenden Arbeiten weitestgehend von den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst organisiert und durchgeführt. Die Verwaltung und Abrechung der Betriebskosten wird entweder von externen Haus- verwaltungen oder ebenfalls selbst übernommen. Nachdem sich besonders Jungfamilien durch dieses Wohnmodell ange- sprochen fühlten, bestand neben zentralen Forderungen wie Kinder-

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