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GESTALTE(N) Ausgabe 146

Am 15. Februar 1896 übergab Architekt Max Kropf bei der feierlichen Eröffnung des 1895 fertig gestellten Rathauses dem Bürgermeister von Korneuburg den goldenen Schlüssel. Darauin bedankte sich Bauherr Franz Schaumann bei „dem Künstler, der in nimmermüdem Eifer sein ganzes Können jederzeit eingesetzt hat, um ein unseren Wünschen entsprechendes Gebäude zu schaffen, das ihm und uns zur Ehre gereicht. Heiß war das Mühen, doch das Werk mit den Meister loben und mit Genugthuung können Sie auf das Werk blicken“ und versprach, „daß ich und meine Amtsnachfolger trachten werden, dieses gemeinschaftlich geschaffene kunstvolle Bauwerk, wie es geplant war, zu bewahren und zu erhalten.“ Mit der sorgfältigen Restaurierung durch Stadtbaudirektor DI Christian Eichinger in den 1990er Jahren wurde dieser Anspruch ins Heute transferiert. Die genaue Geschichte zum Bau des Korneuburger Rathauses kann man in der Publikation von Ludwig Ried anlässlich des hundert- jährigen Bestehens des Amtsgebäudes, das er für die Stadtgemeinde verfasste, nachlesen. In einer Kurzfassung lässt sich resümieren: Im Zuge der Neustrukturierung der Stadt wurde das Barocke Rathaus abgetragen. Der Beschluss zum Neubau erfolgte im Juli 1893. Ein 10 GESTALTE(N) * Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, bei dem die Projekte Titel wie „Deutsche Bürgerburg“, „Bürgerstolz“ oder „Viribus unitis“ trugen und von der Jury keine der Einreichungen den ersten Preis erhielt. Die Stadtgemeinde wählte schließlich den Entwurf „Wahr- zeichen“ von Max Kropf, der gekonnt die im Wettbewerb geforderte Einbeziehung des alten Stadtturms von 1447 vorsah. Als Baukosten wurden 120.000 Gulden festgelegt. Die Spende der Sparkasse Korneuburg in der Höhe von 75.000 Gulden war geknüp an die unentgeltliche Nutzung von Amtslokalitäten im Rathaus. Bis heute ist das imposante Gebäude, das den Stadtplatz von Korneu- burg dominiert, nicht nur Verwaltungssitz, sondern beherbergt auch Lokale und Geschäe. Das historistische Bauwerk unterscheidet sich – so das Architektenlexikon des Az W – von vielen anderen nieder österreichischen Amtsgebäuden des späten 19. Jahrhunderts , die als Stil die Renaissance und das Barock zitierten, durch seine gotisierende Ausrichtung: „Auf diese Weise unterstrich Kropf getreu die moralisch- philologischen Assoziationen vom Bürgerstolz des Mittelalters“. Der reiche Schmuck mit Erker, Zinnen, Giebeln, Balkonen und Türmchen folgt der gotischen Formensprache, woran man im Architekten auch einen Schüler des Friedrich von Schmidt erkennen kann. Max Kropf (1858–1940) wurde in Podmókly geboren, und erhielt seine Ausbildung zunächst am Polytechnikum Prag und studierte in Folge an der Akademie der bildenden Künste Wien. In seiner selbständigen Bautätigkeit hat er vor allem Werke für Korneuburg, Stockerau und Wien geschaffen, vorrangig Villen sowie öffentliche Gebäude. Schon in seinem Außenauritt setzt das Rathaus durch die glasierten Dachziegel auf Farbakzente, die sich im repräsentativen Stiegenhaus fortsetzen: mit fünf Spitzbogenfenstern, farbintensiver Ornamentik an den Wänden und vor allem der prächtigen Wappendecke, die dem Korneuburger Bürgerstand mit Wappen des 15. und 16. Jahrhunderts ein ehrwürdiges Andenken setzt, darunter auch jenes von Andreas Ramler (1406), erster gewählter Bürgermeister der Stadt. Von den eleganten Beleuchtungskörpern, die zu Beginn noch mit Stadtgas versorgt wurden über die Kreuz- und Netzgewölben des Hauses bis hin zu den geschmiedeten Ofenmänteln im Großen Sitzungssaals, bringt das Rathaus durch seine opulente Gestaltung die Bedeutung des Ortes zum Ausdruck, die sich jedoch nie im Detail verliert, sondern immer im größeren Ganzen der Schaffung eines Wahrzeichens für die Stadt Korneuburg und ihrer Bürgerinnen und Bürger aufgeht. Theresia Hauenfels Originalplan aus dem Stadtarchiv Korneuburg

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