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GESTALTE(N) Ausgabe 146

18 GESTALTE(N)GESTALTE(N) sichtbar zu machen, sondern dass es auch und vor allem auf die sorg- fältige Setzung des Lichtes, die richtige Lichtfarbe, die Vermeidung von Streulicht und Blendfreiheit ankommt. Besonders eindrucksvoll ist der Effekt des Langsamen Lichts an den Kirchenbeleuchtungen nachvollziehbar. Bei minimierter Lichtstärke werden LED-Lichtpunkte gezielt auf die Kirchen gerichtet – in den Himmel gestrahlt wird nicht. Die Kirchen von Emmersdorf, Schwallen- bach sowie drei Kirchen in der Gemeinde Rossatz-Arnsdorf – St. Rupert in Hofarnsdorf , St. Johann im Mauerthale und St. Lorenz – erstrahlen bereits im Langsamen Licht, wobei der Begriff „erstrahlen“ den neuen Nachtansichten nicht ganz gerecht wird. Denn im Gegensatz zu früher, als die Kirchen als gelbe Flecken im Finstern aufleuchteten, gelingt es mit einer bewussten Setzung der Schatten, die architekto- nische Struktur der Gebäude zu akzentuieren, sodass die Baudenk- mäler nicht partiell verschwinden, sondern besser sichtbar werden. In Emmersdorf wünschte sich die Gemeinde die Beleuchtung eines weiteren Wahrzeichens. Der 1908 erbaute Viadukt der Wachaubahn mit sieben spektakulären Bögen ist ein wichtiger Identifikationspunkt im Ort. So wurde Beleuchtung entwickelt, die nicht zum Spektakel wird, aber geeignet ist, das Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde zu erfüllen und gleichermaßen dem Kulturdenkmal gerecht zu werden. Höhe und Länge des Viadukts kommen ebenso zur Geltung, wie die Struktur des historischen Mauerwerks. Wie schon Caravaggio, Rembrandt oder andere für ihre Hell-Dunkel- Effekte bekannten Maler des Barock wussten, kann gezielter und reduzierter Lichteinsatz dramatische plastische Effekte hervorrufen. Siegrun Appelt nutzt dieses Wissen, um die architektonischen Besonderheiten der Bauten herauszuarbeiten. Im Vergleich von heute üblichen Fassaden- und Außenraumbeleuchtungen erkennt man, dass zu viel Licht die Bauten flächig macht, gezielter Licht- einsatz hingegen die Plastizität und die typischen Merkmale von Gebäuden auch in der Nacht zum Vorschein bringt. Und nicht nur die Eigenschaften von Gebäuden werden sichtbar, sondern – wir sind es kaum noch gewohnt – auch ein typisches Merkmal der Nacht: Je reduzierter das elektrische Licht auf der Erde, umso sichtbarer werden die Sterne am Himmel! Franziska Leeb Siegrun Appelt erhielt für ihr Lichtprojekt „Langsames Licht” bei den Kulturpreisen des Landes Niederösterreich 2014 einen Anerkennungspreis in der Sparte Architektur Viadukt Emmersdorf, 2014 *

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