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GESTALTE(N) Ausgabe 147

17GESTALTE(N) und schützende Wirkung dieser Gemäuer kann man verstehen, wenn man die Burg selbst einmal besichtigt hat. Architektur als Therapie- element wird heute bei sehr vielen modernen Wellnesszentren gekonnt eingesetzt. Meist ist es moderne Architektur, die mit Transparenz und reduzierter Formensprache sowie einem minimalistischen Farb- und Materialmix aus- gepowerte Manager wieder in die Spur bringt. Einen ähnlichen Ansatz findet man auch beim Projekt „Kinderburg Rappottenstein“, nur das es hier um Familien geht, die den Willkürlich- keiten des Lebens wie Krankheit und Tod massiv ausgesetzt sind und aus diesem Grund in einer räumlichen Situation die massiven Schutz bietet, seelischen Ausgleich finden und Kraft tanken können. Architektur funktioniert hier als Filter zwischen den aktuellen Erfah- rungen und Geschehnissen und der Zukunft, sie wirkt als schützender Ruhepol, noch dazu als weitläufiger, ruhiger und raumintensiver. Schutz als Urfunktion Die Burg dominiert die Weite der Landschaft und hat zugleich per se auch eine starke ikono- grafische Präsenz. Als Burg ist ihre ganz ur- sprüngliche Funktion ja immer schon der Schutz seiner Bewohner gewesen und das scheint auch heute zu funktionieren. Das Flair der Burg ist bestechend. Sie liegt im Tal des Kleinen Kamp auf einem riesigen Fels- kegel und ist eines der ältesten Wahrzeichen der Gegend. Es ist eine beeindruckende Festung bei der drei Bauepochen aufeinander treffen: Romanik, Gotik und Renaissance. Der südliche Teil der Hochburg stammt aus der Zeit der Kuenringer, die bereits im 11.Jahrhundert Familien mit schwer- oder chronisch kranken Kindern oder Eltern, oder Familien die den TodeinesnahenFamilienmitgliedesverarbeiten müssen, können auf der Burg für ein bis maximal drei Wochen Quartier beziehen. Ganzjährig gibt es die Möglichkeit, sich im einzigartigen Ambiente der Burg zu erholen, Kraft und Energie zu tanken und sich auf eine neue Lebenssituation einzustellen oder besser mit gegebenen Situation umgehen zu lernen. Angeboten wird hierfür ein niederschwelliges Therapieangebot wie pädagogisch-therapeu- tische Aktivitäten, kreative Workshops oder Trauerwanderungen in der Natur. Zudem gibt es auch tiergestützte Aktivitäten mit Alpakas, den Ziegen Mecki und Sissi, sowie Kaninchen und Pferden. Die Initiative wurde vergangenes Jahr in der Kategorie „Organisationen/Vereine/ Unternehmen mit dem Kinderrechtspreis der NÖ Kinder & Jugend Anwaltschaft bedacht. Architektur als therapeutisches Element Ein wichtiger Aspekt bei dem ganzen Projekt ist allerdings die Burg selbst. Ihre wuchtigen und dicken Mauern und die Lage hoch oben auf einem Felsenmassiv sind ideal. Die heilende Die mittelalterliche Burg Rappottenstein bietet schwer belasteten Familien die besondere Möglichkeit, ein Stück weit dem Alltag zu entrücken und Ruhe und seelischen Ausgleich zu finden. Diese gemeinsame Initiative des Roten KreuzesLandesverbandNiederösterreich und der Familie Abensperg und Traun, in deren Besitz sich die Burg seit 1664 befindet, startete bereits 2011 und erhielt 2014anlässlichvon25JahrenUN-Kinder- rechtskonvention den Kinderrechtspreis der NÖ Kinder & Jugend Anwaltschaft.

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