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GESTALTE(N) Ausgabe 147

19GESTALTE(N) nach Niederösterreich kamen und sich im Wald- und Weinviertel sowie in der Wachau niederließen. Bis ins 17. Jahrhundert gab es einige Besitzerwechsel. 1664 schließlich erwarb Ernst Reichsgraf von Abensperg und Traun die Burg und das dazugehörige Gut. Bis heute hält die Familie Rappottenstein im Familienbesitz. Musterbeispiel an Wehrhaftigkeit DieBurgisteinarchitektonischesMusterbeispiel an Wehrhaftigkeit und der „Tapetenwechsel- Effekt“ ist für die Familien die hierher kommen zweifellos ein gewaltiger. Im Laufe der Jahr- hunderte wurde die Burg stetig erweitert – zum einen um sie geräumiger und architektonisch besser, zum anderen um die Verteidigung aus- geklügelter zu gestalten. So entstand eine Vor- burg mit acht Toren und fünf Höfen, die als Schutz für die Hochburg dienten. Außerdem sind die Höfe so gewendelt angelegt, dass Eindringlinge mit ihrem rechten Schwertarm immer dem Beschuss seitens der Burg aus- geliefert waren. Bauliche Komplexität Für Kinder ist das Burgareal ein Eldorado, aber auch die Eltern können ganz neue räumliche Erfahrungen machen. Über eine Zugbrücke und durch ein Tor mit spätgotischer Stein- fassung kommt man in den ersten Hof, in dem sich auch das ehemalige Brauhaus aus der Renaissance befindet und rechts das wuchtige Felsmassiv aufsteigt, auf dem sich die Hoch- burg befindet. Durch ein zweites Tor gelangt man in einen schmalen Hof, von dem aus es in den Stall- und Wirtschaftshof weitergeht. Hier bestechen die riesigen, mit Holzschindeln gedeckten Dachflächen der Gebäude und beeindrucken mit wuchtigen Tonnengewölben und statischer Ruhe. Über diesen Gewölben liegt der Rittergarten mit einem Uhrturm aus dem 16. Jahrhundert, dessen Uhr täglich per Hand aufgezogen werden muss. Dieser Bereich ist die Idylle pur, mit Blick übers weite Land. Bauhistorisches Juwel Extrem steil geht es dann zum vierten und fünften Vorhof bis zum Doppeltor des Haupt- gebäudes. Von dort kommt man erst in den eigentlichen Burghof, dessen Architektur Romanik, Gotik und Renaissance und mit- einander verknüpft. Der Sgraffitohof der Hochburg, mit mächtigen dreigeschossigen Arkadengängen, die in die ersteHälftedes17.Jahrhundertsdatiertwerden, beherbergt im Erdgeschoß Burgküche und Knappenhalle mit gezogenem gotischen Kreuzrippengewölbe. Ebenfalls gotisch ist die Trinkstube im ersten Stock mit einem Stern- rippengewölbe, das, wie die Wände und auch jene des daneben liegenden Rittersaales, mit ornamentalen und figurativen Fresken bedeckt ist. Diese Fresken zählen zu den wertvollsten Profanmalereien des 16. Jahrhunderts in Niederösterreich. Ein Ort um zur Ruhe zu kommen Der Bereich, in dem die Gastfamilien leben, ist einfacher gestaltet. Es gibt Gemeinschafts- räume, eine moderne Küche und gemütlich eingerichteteZimmermitkomfortablenBädern. Alles ist zentral beheizt, die vorhandenen Kachelöfen oder ein offener Kamin in einem großen Saal dienen eher dem Gemüt. Dicke Mauern,hoheRäumeundFensterdiedenBlick ins weite Land lenken vermitteln ein unwahr- scheinlich intensives Sicherheitsgefühl. Man fühltsichabsolutbeschützt,sicherundgeborgen in dieser so anderen Welt mit ihrer massiven Architektur, die es ermöglich, dass man sich in ihr abschottet und auf sich besinnt. Die räumliche Größe und die vielschichtigen dicken Mauern, die verschobenen Ebenen und verwinkelten Gänge lassen die Menschen durchatmen und bieten für jeden einzelnen Menschen genügend Rückzugssphären – und dasentspannt.Einsehrwichtigerundheilender Aspekt für Familien die in Extremsituationen bewältigen müssen. Ursula Philadelphy * Photos:HeinzSchmölzer,KinderburgRappottenstein

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