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GESTALTE(N) Ausgabe 147

31GESTALTE(N) Manbrauchtnichtbesondersreligiöszusein,umvonderstarken Ausdruckskraft religiöser Kunst angesprochen zu werden. Das kannmaninNiedersulzbeiMistelbachbesondersgutfeststellen– dort hat der leidenschaftliche Sammler Prof. Josef Geissler ein Privatmuseum aufgebaut. Der Sammler Menschen von seinem Schlage gibt es kaum noch. Im Maleranzug mit weißem Stoffhut, als wäre er ein Arbeiter, führt er die Besucher durch seine Sammlung und spricht dabei über die Exponate. Sachkundig und engagiertweisteraufwichtigeDetailshin,spanntdieganzgroßenkultur- geschichtlichen Bögen und wirft eine regionale Zuordnung mal eben so in den Raum. Die Besucher kommen aus dem Staunen nicht heraus. Besonders erstaunlich ist dabei, daß alles mehr oder weniger auf die verbissene Sammelleidenschaft dieses einen Mannes zurückgeht, dem es schon in Jugendjahren die Kirchen angetan hatten. Während seine Freunde im Freibad Ribiselwein tranken, radelte er die Gotteshäuser ab – aus Kunstinteresse. Später etablierte er sich in der Baudenkmal- pflege. Sein Steckenpferd, das weithin bekannte Museumsdorf Nieder- sulz, wurde eines Tages vom Land übernommen, die sakrale Sammlung blieb sein Eigentum. Als er dafür eine passende Heimstatt suchte, erwies sich der alte Pfarrhof als perfekter Ort. Das Gebäude Der Pfarrhof blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, so waren unter anderem die Kardinäle Innitzer und König sowie mehrere Äbte des Stiftes Heiligenkreuz zu Gast. Zu Pfingsten 1983 besuchte Ihre kaiser- liche Majestät Zita Maria delle Grazie von Bourbon-Parma den Südmährerhof in Niedersulz, pflanzte eine Linde und speiste im Prälatenzimmer. Bis 1986 war der Pfarrhof bewohnt. Im Jahre 1990 erneuerte man sein Dach, danach stand das Gebäude leer, sein Zustand verschlechterte sich. Als Prof. Josef Geissler für seine Sammlung einen geeigneten Aufstellungsort suchte, lag eine Nutzung des Anwesens nahe. Dafür wurde eine finanzielle Unterstützung der Erzdiözese Wien, der Pfarre und Gemeinde Sulz sowie des Landes Niederösterreich und des Bundesdenkmalamts bereitgestellt. Prof. Josef Geissler und viele Helfer stellten kostenlos unzählige Arbeitsstunden zur Verfügung, auch einige Firmen halfen sogar mit. Die Renovierung dauerte von 2011 bis 2013. Die Renovierung Der Pfarrhof ist symbolisch gemietet, er ist aus Kirchenhand. Prof. Josef Geissler, der das Niedersulzer Museumsdorf im Grunde mit den eigenen Händen errichtet hat, krempelte auch hier die Ärmel hoch. In Eigenleistung wurde aus dem ermüdeten Anwesen ein Ortsjuwel. Die Pfarrgemeinde stellte es für zwanzig Jahre praktisch unentgeltlich zur Photos:HeinzSchmölzer,EduardNigischer

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