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GESTALTE(N) Ausgabe 147

wollte nach zwei Weltkriegen einen Platz an der Sonne für sich und die ihren und kaufte 1949 das kleine Haus im Wienerwald. Alte Aufnahmen zeigen die Familie im Nachkriegsösterreich. Gemütlichkeit in der obligaten Zirbenstube, daneben der Kachelofen, darüber schwere Deckenbalken. Manches davon ist heute nur mehr Ballast und musste gehen. Das Neue im Alten erkennen Anstatt etwas zu einem Gebäude hinzuzufügen, hilft es oft, den Kern der ursprünglichen Struktur zuerst herauszuarbeiten, dann nachzudenken und zu sehen, ob überhaupt mehr erforderlich ist. In diesem Sinne widerstand der Architekt auch der Idee einen Wintergarten anzubauen und setzte stattdessen zwei radikale Schritte: Eine Außenwand fiel und wurde durch eine großzügige, aber kostengünstige Glasscheibe ersetzt. Weiters machte die Entkernung des Inneren aus drei kleinen dunklen Zimmerchen einen großen, hellen, loftartigen Raum, der nun den Blick freigibt auf Obstbäume und Magnolie. Oder auf das Bassin, in das der Großvater so gerne mit einem gewagten Salto eintauchte, und den schwarz geölten Schuppen. Schuppen und Haus wurden mit einer schwebenden Lerchenholzter- rasse verbunden, die den unteren Garten überblickt und dort kreisrund ausgeschnitten wurde, wo die alten Obstbäume stehen. Gutgemeinte Angebote der Handwerker wie etwa die Kastenfenster rauszureißen oder alte Türgriffe zu erneuern, wurden hingegen dankend abgelehnt. Der mit dem Umbau beauftragte Architekt bezeichnet seinen Einsatz beim „Haus Leopold“ im Wienerwald als „eine der schönsten kleinen Geschichten, die wir in den letzten Jahren betreuen durften.“ Für uns ist es auch eine schöne Geschichte, weil sie so exemplarisch die Aufgaben und Stärken des Architekten im Entstehungsprozeß eines Projekts zeigt. Dabei geht es entgegen verbreiteten Vorurteilen eben nicht um Selbst- verwirklichung und Selbstdarstellung, sondern um die Qualität des Diskurses mit dem jeweiligen Auftraggeber und eine sorgfältige, inhaltliche Auseinandersetzung. Am Anfang ist das Wichtigste eine starke Idee, denn je stärker die Idee, desto besser wird das Projekt. Eine solche Idee kann sich z.B., wie im vorliegenden Fall, aus der Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner ergeben. Zuhören, betrachten, überlegen, planen Die Renovierung des Hauses Leopold begann sehr unkonventionell. Mit einem Spaziergang mit dem stolzen Enkel des ursprünglichen Inhabers durchalleRäume,beidemsichderArchitektdieGeschichtedesGebäudes erzählenließ,anschließendvergilbteFotografienbetrachteteundaltePläne ausrollte. Gemeinsam haben sie den Garten durchschritten, der das Haus umgibt und die letzten Jahrzehnte Revue passieren lassen. Die Geschichte handelt vom Sommersitz der Urgroßmutter des Bauherrn, einerWienerGreißlerin,dieihrenGartenmitObstbäumenbepflanzte.Sie 49GESTALTE(N) Photos:VeronikaHofinger,GESTALTE(N)

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