Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

GESTALTE(N) Ausgabe 147

GESTALTE(N)52 Siedlung Sulz im Wienerwald, 1984 Die Siedlung Sulz im Wienerwald entstand als Gemeinschaftsprojekt einer Eigentümergemeinschaft, die von der Grundstückssuche bis zur Fertigstellung maßgeblich selbst tätig war. Zwölf junge Familien – eine Gruppe aus zumeist Arbeitskollegen und -kolleginnen, deren Bekannte undspäterauchaufgrundvonKleinanzeigengefundenenInteressenten– fanden sich zusammen, um nicht nur die eigenen vier Wände als Wohnraum zu verstehen sondern auch das soziale Umfeld und enge nachbarschaftliche Beziehungen zu leben. Ähnlich wie bei gewachsenen Dorfstrukturen sollte nach der Bildung der Gruppe ein gemeinsames Wohndorf entstehen. Im Sommer 1981 begann die Grundstückssuche. Zeitungsannoncen wurden aufgegeben und Gemeinden telefonisch angefragt, bis schließlich das 5000 m2 große Grundstück (3500 m2 Bauland, 1500m2 Grünland) in Sulz im Wienerwald gefunden wurde. Entscheidend für die Auswahl war die Nähe zu Wien, 45 Autominuten entfernt und auch öffentlich erreichbar, sowie die landschaftlich reizvolle Lage. Das Grundstück wurde gemeinsam erworben und alle Miteigentümer beim Kauf anteilig im Grundbuch eingetragen. Niederösterreich wird dominiert von ländlicher, kleinstädtischer Siedlungsstruktur, in die sich eine verdichtete Bauweise maßstäblich und angepasst integrieren lässt. Diese verdichtete Bauweise bezieht ihre bereits lange Tradition aus verschiedensten bäuerlichen Bauformen unterschiedlicher Regionen. Zu Zeiten der großteils agrarischen Nutzung von Grund und Boden war ein sparsamer Umgang mit Bauland und eine möglichst dichte Bauweise mit geringem Landverbrauch ebenso selbstverständlich wie enge nachbarschaftliche Strukturen. Um diese Qualitäten eines Dorfes wiederzuentdecken, kamen mit Beginn der 1980er-Jahre zunehmend Gruppen zur Idee, in Gemeinschaft mit Freunden und Gleichgesinnten zu bauen. TEIL6: KOSTENGÜNSTIG SELBST BAUEN WOHNEN UND (IN) GEMEINSCHAFT von Edeltraud Haselsteiner F A C H A R T I K E L Die Besichtigung eines bereits realisierten Wohngruppenprojekts im vorarlbergischen Höchst überzeugte die vorerst skeptische Gruppe von der modularen Holzbauweise. In diesem 1978/79 errichteten Wohnbau setzte die Architekten „Cooperative“, bestehend aus Dietmar Eberle, Wolfgang Juen, Markus Koch, Norbert Mittersteiner und Peter Raab, erstmals ein kostengünstiges Wohnbauprojekt um, bei dem das „Mitbauen und Mitentscheiden“ der Bewohnerinnen und Bewohner einen wichtigen Teil im Baukonzept darstellte. Entstanden sind zwei im Hang gegenüberliegende Häusergruppen, die sich jeweils um einen überdachten Innenhof gruppieren und mitein- ander durch eine überdachte Fußgängerbrücke verbunden sind. Wert gelegt wurde auf ein ausgedehntes Angebot an Gemeinschaftsräumen sowie auf großzügige Glasveranden, welche die Nutzung passiver Sonnenenergie ermöglichen. Abseits dessen konnte jede Familie gemeinsam mit den Architekten ihre Wohnung nach individuellen Bedürfnissen planen, solange das Gesamtkonzept nicht durchbrochen wurde. Dadurch entstanden sehr individuelle Grundriss- und Fassadenlösungen. Die Auswahl der Wohnungen wurde in einem „Planspiel“ ermittelt.

Seitenübersicht