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GESTALTE(N) Ausgabe 147

53GESTALTE(N) Durch die einfache Konstruktion und einen hohen Anteil an Eigen- leistung konnten die Kosten verhältnismäßig gering gehalten werden. Je Wohneinheit wurden zwischen 1000 bis 1500 Stunden, vereinzelt auch mehr, in Selbstbauleistung erbracht. Die Baugemeinschaft übernahmen Arbeiten an den weniger komplizierten Baudetails wie Verschalungen, Fußböden, Isolationen, der Einbringung der Wärme- dämmung, Einsetzen der Fenster, Verfliesungen oder Maler- und Anstreicherarbeiten. Jede Familie baute nur an ihrem eigenen „Haus“. Material- und Lohnkostenrechungen der Professionisten wurden für jedes Haus separat erstellt. Die Bauabwicklung organisierte die Gruppe gemeinschaftlich. Für bestimmte Organisationsbereiche hat man Verantwortliche aus der Gruppe gewählt. Ein besonders Novum war die Finanzierung von 85% der Baukosten durch die „große“ Wohnbauförderung. Erstmals hatte es eine private Eigentümergemeinschaft geschafft, diese Wohnbauförderung direkt zu erhalten statt über eine Genossenschaft. Durch die Beiziehung einer Genossenschaft hätte sich das Projekt erheblich verteuert, denn das Grundstück hätte an diese verkauft werden müssen. Auch wenn einige Gründungsmitglieder inzwischen ihren Wohnort verlagert und neuen Jungfamilien ihren Platz überlassen haben, oder sich die große Gruppe in kleinere Interessensgruppen aufgeteilt hat, ist die Siedlung Sulz nach nunmehr 30 Jahren ihres Bestehens immer noch ein gemeinschaftlich funktionierender Ort. Die Siedlungs- verwaltung wird bis heute selbst organisiert, die Administration und regelmäßige Betreuung ist unter den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgeteilt. Nach wie vor trifft man sich einmal monatlich zum regelmäßigen Plenum. * DIDr.EdeltraudHaselsteiner, geboren 1962 in Waidhofen an der Ybbs, nach mehrjähriger Tätigkeit als Sozialarbeiterin, Studium der Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2000 freiberuflich tätig mit Schwerpunkt Architektur- und Stadtforschung, Nachhaltigkeit, Soziologie und Kunst. Derzeit Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für soziale Ökologie (Alpen-Adria Universität Klagenfurt-Wien-Graz) und an der FH Technikum Wien (Master Erneuerbare Urbane Energiesysteme). L I T E R AT U R : Raab Peter u.a.: Gemeinschaftswohnanlagen in Niederösterreich. Neue Formen des verdichteten Flachbaues in Niederösterreich – heute und morgen. Wien 1992 Raab Peter, Spudich Helmut: Sozio-ökonomischer Nutzen von Gemeinschafts- einrichtungen: Endbericht des Forschungsprojektes F 1267 der Wohnbauforschung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten. Wien 1992 Photos: Peter Raab Jede Familie konnte in mehreren Runden mittels Fähnchen die Wohnung der 1., 2. oder 3. Wahl kennzeichnen. Eine Entscheidung war erst gefunden, nachdem Einstimmigkeit hergestellt war und jede Wohnung nur mehr ein Fähnchen aufwies. Trotz knapper Baubudgets war die Errichtung großzügiger Gemein- schaftseinrichtungen einer der wichtigsten Prämissen. Zwei eigene Baukörper – das „Kinderhaus“ und das „Erwachsenenhaus“ – sind die Dreh- und Angelpunkte beidseits des verbindenden Holzstegs zu den umliegenden Wohnungen. Diese beiden Häuser wurden durch beauftragte Firmen in Massivbauweise errichtet und durch die Baugemeinschaft in Eigenregie nach und nach innen ausgebaut. Im Kinderhaus gab es Platz für eine Kindergruppe und Bastelräume, im Erwachsenenhaus Mehrzweckräume und eine Sauna. Darüber hinaus waren nach der ursprünglichen Planung Räume als Werkstätten für Autoreparatur, Tischlerei, Töpferei und Waschküche in die unteren Geschossen der Wohnhäuser integriert. Hinzu kommen die großen überdachten und gemeinschaftlich genutzten Innenhöfe sowie Grünräume rund um die Wohnhausanlage. Beides sind wichtige Begegnungszonen und Freiräume für das Gemeinschaftsleben. GRUNDRISS

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