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GESTALTE(N) Ausgabe 148

röhlich leuchten Badeanstalten in Gars-Thunau, Schönberg, Plank, Stiefern oder an anderen schönen Stätten des Kamptals zwischen altem Baumbestand hervor. Streifen gliedern die Baukörper aus Holz: rot-weiß, grün-weiß, blau-weiß, je nach Ort. Ein wenig erinnert das Muster an jene Ringelbadeanzüge, die im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts an den Stränden in Mode waren und für ein neues Körperbewusstsein standen. Aber auch auf dem Werbeplakat, das der österreichische Künstler Josef Maria Auchen- taller für das k.u.k. Seebad Grado 1906 im Stil des Jugendstils schuf, tauchen lineare Gestaltungsstrukturen in der abgebildeten Strand- architektur auf. Doch anders als an der adriatischen Küste, badet man im Waldviertel im Fluss. „Der an mehreren Stellen aufgestaute lehmig- samtige Kamp erwärmte sich schnell auf bis zu 25 °C, zahlreiche kleine Holz-Flussbäder mit charakteristischen aufgeständerten Kabinen- trakten und zum Fluss hin offenen Laubengängen wurden angelegt.“ In ihrem in Buchform erschienen Ausflug zu den außergewöhnlichsten Badeorten in Mitteleuropa widmet sich die Architekturhistorikerin Iris Meder auch den Flussbädern am Kamp. Sommerlicher Badespaß Die Wassertemperatur ist durch die Stauseen der Krawerke, die zur Stromgewinnung nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden, gesunken. Doch das Kamptal wird bis heute – speziell im Sommer – als Erholungsgebiet gerne frequentiert. Die Bedeutung der Sommerfrische, nachzulesen etwa in Susanne Hawliks Buch über den Zauber der Flusslandscha, geht auf die Erschließung der Region durch die Bahn zurück: 1889 musste man nicht mehr in die Postkutsche umsteigen, wenn man nach Gars am Kamp reisen wollte, sondern konnte den Zug von Wien aus mit einer Fahrzeit von rund zwei Stunden nehmen. In Schönberg am Kamp erhält man im Sommerfrischemuseum in der Alten Schmiede Einblicke, wie die Gäste früher in den privaten Unter künen untergebracht waren. Die Literatin Trude Marzik berichtet in ihrem autobiographischen Roman „Geliebte Sommerfrische“ (1994) von ihren Erlebnissen als Kind im Kamptal. Viele Künstlerinnen und Künstler wurden von der schönen Landscha und dem besonderen Flair angezogen, wie Andreas Weigel detailliert für Gars am Kamp recherchiert und publiziert hat. Die Architektur der Sommerfrische manifestiert sich, wie man auch in den historischen Strandbädern entlang des Kamps beobachten kann, im verstärkten Einsatz von Spalier- und Laubsägearbeiten, die die Holzbauten schmücken. Die Badetrakte umfassen Kabinen, omals ein Buffet sowie immer Zugänge zum Wasser, mitunter mit Bootsanlegestellen. Um dem steigenden Flusspegel die Stirn bieten zu können, wurden die Bauten teilweise auf Stelzen gesetzt. Nach dem verheerenden Hochwasser von 2002 musste das Bad von Stiefern wieder hergestellt werden, was durch den ortsansässigen Architekten Peter Pelikan originalgetreu erfolgte. Gehobene Alltagskultur Die ersten Bäder entstanden im Waldviertel bereits im 19. Jahrhundert und wurden bis in die Zwischenkriegszeit im typischen regionalen Stil weiterentwickelt. Die Anlagen stehen zum Teil unter Denkmalschutz und sind – wiewohl nicht speziell Architektenpersönlichkeiten zu- zuordnen – Ausdruck einer gehobenen Alltagskultur. Mit Holz wurde ein Werkstoff gewählt, der bis heute in Freibädern Anwendung findet. Die Oberfläche wird selbst nach intensiver Sonneneinstrahlung als nicht zu heiß und in der Haptik angenehm empfunden. Der nostalgische Touch der Kamptalbäder versetzt die Badenden in die Zeit, bevor mit Beton moderne Sachlichkeit Einzug in die Gestaltung der Strandanlagen gefunden hat. Der Kamp fließt unter- dessen unaufhaltsam weiter. Theresia Hauenfels 14 GESTALTE(N) F

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