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GESTALTE(N) Ausgabe 149

33GESTALTE(N) Beim „Wein-Pressen” wird durch Druck aus gemaischten Trauben der „Most” (Sa) ge- wonnen. Das älteste hierfür sehr bewährte Gerät ist die Baumpresse, die bei uns schon die Römer verwendet haben düren. Physi- kalisch ist sie ein einarmiger Hebel. Ihr Dreh- punkt („Dorn”) liegt am stärkeren Ende des Pressbaumes, der Kraarm erstreckt sich bis zu seinem anderen Ende, wo die Spindel mit dem Pressstein hängt. Nach dem Hebel- gesetz verhält sich die Kra (Pressbaum plus Stein) zur Last (Maische im Presskorb) wie Weinbau im Laufe der Geschichte – von der Römerzeit bis zum Mittelalter Nördlich der Alpen haben die Römer den Weinbau zur ersten Blüte gebracht. Auch wäh- rend der Wirren der Völkerwanderungszeit hat sich die Rebfläche verringert, wurde aber weitgehend nicht aufgelassen. Man nimmt an, dass Bajuwaren, die im 6. Jh. eingewandert sind, ihren Weinbau auf den Resten der römi- schen Weinkultur aufgebaut haben. Im Zuge der Ansiedlung von Klöstern weitete sich die Rebfläche schnell aus, die Mönche legten mustergültige Weingärten an. In Ihren Lese- höfen standen o große Baumpressen. Einer der größten Reformer seiner Zeit war Kaiser Karl der Große. Er ließ Musterwein- gärten anlegen. Zur Hebung der Weinqualität verbot er beispielsweise das Stampfen der Trauben mit bloßen Füßen und führte das Maischen mit einem hölzernen „Mostler“ ein. Nach dem Sieg von Otto I. über die Ungarn 955setztenauchinÖsterreichverstärktKloster- gründungen ein. Die Mönche legten in ge- eigneten Lagen Weingärten an. Da diese vom Kloster o weiter entfernt waren, wurden die Trauben in örtlichen Lesehöfen übernommen. Allein in Krems und Stein gab es im Mittel- alter über 40 Lesehöfe. > der Lastarm zum Kraarm. Der Lastarm reicht exakt vom Dorn bis zur Presskorbmitte, wo der Pressbaum auf das Pressgut drückt. Der Pressdruck wird bei einem längeren Baum und schwereren Stein erhöht. Andererseits verringert die Größe des Press- korbes den Pressdruck. Dieses Arbeitsprinzip wurde bei uns mehr als zweitausend Jahre hindurch beim Pressen von Weintrauben angewendet. In den Details gab es immer wieder Verbesserungen, die letzte war der Einbau der „Südbahnwinde”. Aber das Ende der Ära „Baumpresse” war nicht mehr aufzuhalten. In den 1960er/ 80er Jahren wurden fast alle Baumpressen still gelegt. Die meisten wurden vernichtet und viele durch hydraulische und pneumatische Systeme ersetzt Wenige – darunter die schön- sten – befinden sich in heimischen Museen sowie in Weingütern. Manche schmücken gastronomische Lokale, etliche wurden an markanten Stellen in Weinbauorten aufge- stellt. Da sie den Witterungseinflüssen ausge- setzt sind ist ihre Lebenszeit begrenzt. Manche befinden sich noch in Presshäusern der Kellergassen Niederösterreichs. Diese zu erhalten, wenn möglich „zum Leben zu erwecken”, sollte ein Anliegen aller werden. DIE BAUMPRESSE KULTURGUT WEINPRESSEN Wilhelm Schmid und HansTraxler Photo:©ÖWM/AnnaStöcher;WeingutRM.RolandMinkowitsch

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