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GESTALTE(N) Ausgabe 150

13GESTALTE(N) Absenz der Moderne Die Begeisterung der beiden für ihr Unter- nehmen, die Anlage zu revitalisieren, dass sie seit 2009 verfolgen, ist ungebrochen. Fasziniert von der funktionierenden Einheit und der logischen Nachvollziehbarkeit der mechani- schen Schritte bei der Getreideverarbeitung, nimmt das Ehepaar allerhand Entbehrungen auf sich. Ohne Anschluss an das öffentliche Netz müssen sie mit einem Generator oder einer Francisturbine aus dem Jahr 1941 den benötigten Strom selbst erzeugen, und letzteres ist nur dann möglich, wenn die Zwettl, die am Haus vorbeifließt, ausreichend Wasser führt. So verbringen sie ihre Abende mitunter beim Schein der Petroleumlampe und heizen ihr Wasser am Holzherd. Die behaglichen Ge- wölbe, ein Deckenbalken datiert mit 1656 und viele schöne Details wie die barocken Türbe- schläge entschädigen während der Aufenthalte im Waldviertel für die Absenz der Moderne. Ziel der beiden Bauingenieure, die ganz in der Pflege ihres besonderen Denkmals aufgehen, istes,denProduktionsstandortaufdenZustand des frühen 20. Jahrhundert zurückzuführen. Dabei kann Richard Fritze auf seine berufliche Erfahrung als Mitglied des Denkmalbeirats zurückgreifen. Und seine Frau Katharina brachte eine erbliche „Vorbelastung“ mit, denn ihr Urgroßvater stammte selbst von einer Mühle.SchrittfürSchrittwirdseiteinigenJahren das Wohnhaus renoviert und dabei Rücksicht auf die unterschiedlichen Phasen der Bau- genese genommen. Rückbauten in frühere Zeiten sind jedoch nicht vorgesehen. Parallel dazu wird das Werk selbst, das in den 1930er Jahren als letzte große Erneuerung aufgestockt wurde, als Industriedenkmal wiederbelebt. Bewusstsein für diese ersten Industrien, die Mühlen, wecken Mit Spezialführungen, die gegen Voran- meldung gebucht werden können, bringt man den interessierten Gästen näher, wie sich die Getreideverarbeitung technisch vollzieht, aber auch unter welchen Gegebenheiten vor Ort damals gearbeitet und gelebt wurde. Die Faszination für Mühlen hat im deutsch- sprachigen Raum zum beliebten Kinderlied aus der Zeit der Romantik „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ (Ernst Anschütz zugeschrieben), aber auch zu lyrisch-musika- lischenAndenkengeführtwie„Ineinemkühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad“ (Joseph von Eichendorff und Friedrich Glück) oder zu den Zeilen „Dort unten in der Mühle / saß ich in guter Ruh / und sah dem Räderspiele / und sah den Wassern zu“ (Justinus Kerner und Friedrich Glück). Die Österreichische Gesellscha der Mühl- freunde, die von den Weinviertler Mühlen- freunden unter maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Otto J. Schöffl und Elisabeth Schöffl- Pöll ins Leben gerufen wurde und deren Präsident DI Dr. Richard Fritze ist, widmet sichgemeinsammitderTechnischenUniversität Wien (Institut für Industriearchäolgie und Denkmalpflege) in Form einer EU-geförderten Datenbank der Bestandaufnahme der Bau- werke: einem Kulturgut mit großer Tradition, das es nun behutsam in die Jetztzeit zu über- führen gilt. Ein treuer Wächter und beständiger Hüter Die Geschichte der Hypolzmühle birgt viele Schicksale und der Besitz ist durch die Hände mehrerer Familien gegangen. Für einen ganz besonders treuen Wächter der alten Ge- mäuer hat der letzte Wechsel ein Happy-End genommen.AlsdasEhepaarFritzedasAnwesen übernahm, wollten sie dem Hund der Vorbe- sitzer sein Zuhause nicht nehmen. Seitdem logiert Blacky als beständiger Hüter über das Geschehen am Hof und begrüßt fröhlich all jene, die zur Besichtigung vorbeikommen. * Buchtipp: Mühlensagen aus dem Weinviertel und dem Waldviertel von Elisabeth Schöffl-Pöll und Otto J.Schöffl Sutton Verlag www.hypolzmuehle.at Österreichische Gesellschaft der Mühlenfreunde HERKUNFT ZUKUNFT www.muehlenfreunde.at

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