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Niederösterreich GESTALTE(N)

ie Renaissance war ein Zeitalter, das als besonders kunstsinnig in die Geschichte eingegangen ist. In Mödling gilt es gleich mehrerer solcher wertvollen Schätze baukulturellen Erbes jener Epoche zu entdecken. Im „hafnerhaus“, das an der hauptstraße Ecke Badstraße (vormals Wassergraben) liegt, finden unterschiedliche Stränge künstlerischen Schaffens an einem Ort zusammen. Die aktuellste ist die Galerie „kunstraumarcade“, die ebenerdig im Arkadenhof eingebettet ist, 2014 ihr vierzigjähriges Bestehen feierte. Wohnhaus eines großen Sohnes Seinen zweiten Namen verdankt das Bauwerk, dessen bauliche Ausprägung auf die zweiten häle des 16. Jahrhunderts zurückgeht, einem bedeutenden Musiker, der Mödling sehr geschätzt hat: niemand geringerem als Ludwig van Beethoven (1770–1827). Eine Gedenkstätte wurde anlässlich des 200. Geburtstages im ersten Stockwerk in den Räumen errichtet, die dem Komponisten in den Sommermonaten 1819 belegtermaßen im haus des hafnermeisters Jakob Tuschek als Quartier dienten. „hier arbeitete er an seiner Missa solemnis, die er selbst später einmal als sein größtes Werk bezeichnete. Während dieser Monate entstanden auch die elf Mödlinger Tänze […] Ein weiteres Mödlinger Werk Beethovens sind die ebenfalls im hafnerhaus begonnenen Diabelli-Variationen“, erfährt man, wenn man vor dem „Beethovenhaus“ steht und den auf einer eigenen Tafel abgebildeten QR-Code via www.sight-system.at abru. Wer mehr über die Aufenthalte des Komponisten in Mödling wissen möchte, ist bei der kundigen Stadtführerin Frieda Fida bestens aufgehoben. Baukünstlerische Besonderheit Das Beethovenhaus hat seine baulichen Wurzeln im Spätmittelalter und setzt sich aus drei Flügeln zusammen. Das Ambiente, das dem schöpferischen Prozess offenbar förderlich war, ist durch den recht- eckigen Innenhof mit seinen markanten Arkaden gekennzeichnet. Im Obergeschoß kann man entlang der Bögen rundum wandeln. Der Begriff Arkade geht auf das lateinische arcus (dt. Bogen) zu- rück und kennzeichnet speziell die römische Architektur, die u.a. mit Portalen und Aquädukten der bogenförmigen Konstruktion bleibende Denkmale gesetzt hat. In der Renaissance, die sich als Strömung vorrangig vom 15. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts manifestierte, wurden antike Vorbilder wiederbelebt. Vor allem italienische Baukünstler bzw. Vorbilder prägten in der zweiten häle des 16. Jahrhunderts das Architekturgeschehen. Als herausragendes Beispiel ist für Niederösterreich Schloss Schallaburg zu nennen. Arkadenhöfe wurden, so nachzulesen im Kröner Bild- wörterbuch der Architektur, „besonders häufig in Schlössern und repräsentativen Bürgerhäusern der Renaissance“ errichtet. Sind die Arkaden über mehr als eine Etage angelegt, werden „die Stütz- abstände in den oberen niedrigeren Etagen geringer“, wie dies auch beim Mödlinger „hafnerhaus“ der Fall ist. Im Othmarhof, einem weiteren Renaissancebau der Stadt wurden hingegen die hofarkaden vermauert. Nahe am Wasser gebaut Der hafner oder auch Töpfer war seit dem Mittelalter Teil des städtischen Berufslebens. Auf der Website der Wirtschaskammer erfährt man über den hafnersteig in Wien: „Der Standort an einer Böschung war kein Zufall, denn die Lage zeichnete sich durch die Nähe zu einem vorbei fließenden Donauarm sowie das Vorhanden- sein von Lehm und Wasser aus, was einen wichtigen Schutz gegen die Feuergefahr, die von den Brennöfen ausging, bot.“ und so könnte auch die Positionierung des hafnerhauses von Mödling entlang des ehemaligen Wassergrabens begründet sein. Mit der Produktion von Waren aus Ton und besonders von Kacheln für Öfen betrieb der hafner ein wichtiges handwerk, das zugleich einen künstlerischen Anspruch – und so schließt sich auch der Kreis für das „Beethovenhaus“ – in sich trägt. Theresia Hauenfels D GESTALTE(N) 16 *

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