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Niederösterreich GESTALTE(N)

GESTALTE(N) 22 dies auf eine authentische Weise durchzu- führen, da hier die sensible Ästhetik keinen Stilbruch verträgt. hier hat einer, noch dazu der Bauherr selbst, den alten Geist des Objekts inhaliert, verstanden und neu interpretiert. Es geht um die Seele Wenn so ein altes Gebäude einer ganz anderen neuen Bestimmung bekommt, droht die Ge- fahr, ihm seine Seele zu nehmen. Dagegen hil nur, alles zu erhalten, was erhalten werden kann. und was ergänzt wird, muss sich in die Substanz integrieren. Dabei waren zahllose Details zu berücksichtigen, vom Bodenbelag über das heizsystem und die Beleuchtung bis zum Mobiliar. und am Ergebnis zeigt sich auch, dass dieses häuschen für seinen neuen Zweck extrem gut geeignet ist, auch was etwa die Größe und Anordnung der Fenster betri. Baulich ging es zunächst um die Trocken- legung des in den hang gebauten Gebäudes. Der Boden wurde ringsum aufgegraben, mit Rollschotter versehen und teilweise als Böschung offen gelassen. hier waren teilweise Betonstützungen nötig, die nun nicht mehr sichtbar sind. Im haus wurden Dachstuhl und Decke verstärkt, ohne der Innenansicht ihren Charakter zu nehmen. Eine unsichtbare Aufsparrendämmung verbessert die Energie bilanz. Das ursprünglich unbeheizte Gebäude verfügt nun über einen Kachelofen und eine thermische Solaranlage. In unauffälligen Randbereichen wurden Sanitärräume ge- schaffen, und eine neu eingebaute holztreppe erschließt die beiden Geschosse. Holzbalken aus der Kegelbahn Für die Beschaffung der hier verwendeten, originalen Zutaten fuhr heinrich Diringer so manchen Kilometer, beschae alte Ziegel und Balken oder verwendete, was ungenutzt auf seiner Liegenscha vorhanden war. Beispielsweise gab es hier früher eine, inzwischen verfallene, Freilu-Kegelbahn aus holz, deren Reste sich nun in der Terrassen- gestaltung wiederfinden. Alte Möbel, Spiegel und sogar ein großes Altarbild konnte er aus dem Altbestand seines Gasthauses über- nehmen – o mussten die Sachen erst noch zum Restaurator. Im Treppenaufgang baumelt eineinfachgeschnitzterholzlustermitFiguren, etwa aus den dreißiger Jahren, der einst in der Gaststube hing. Alte Pendelzugleuchten und die urigen Dachbalken geben den Innenräu- men den Charme der alten Zeit zurück. Die Möbel stammen aus dem alten Familienbe- sitz, zwischenzeitlich hatte man sie schon ausrangiert, als „das alte Zeug“ nicht mehr gefragt war. heute sind es gesuchte Stücke aus dem Biedermeier, beispielsweise eine Tabernakelkommode mit sehr aufwendigen Marketerien und gebogenen Fronten oder eine schlichte Vitrine. Ein hübsches Sofa, grob dem Louis-Philippe-Stil zuzuschlagen und mit Backhausen-Stoff tapeziert, ver- mittelt Gelassenheit. Kaum ein Stück ist hier jünger als 100 Jahre, aber diese Einrichtung funktioniert hervorragend zwischen dem vielen holz, sie wirkt dabei sogar frisch und vital. Ästhetik ohne Zeitgeschmack Es muss gar nicht immer der Kontrast mit dem Neuen sein: heinrich Diringer zeigt sehr überzeugend, wie man allein mit alter Sub- stanz, aber moderner Bautechnik ein kleines Baujuwel erschaffen kann, das tatsächlich seinen alten Geist atmet. Der Aufwand, den er dafür trieb, steht chromblitzenden „Neu- adaptionen“ in nichts nach. Sein Schüttkasten ist vollkommen plausibel, ohne dabei museal zu wirken, und er ist auf eine Art altmodisch, die auf den zweiten Blick ausgesprochen zukunssicher ist: Weil seine Ästhetik nicht vom Zeitgeschmack abhängt, sondern aus sich selbst heraus wirkt. BAUHERR Heinrich Diringer PLANUNG Heinrich Diringer * Photos: Heinz Schmölzer 1 2 12

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