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Niederösterreich GESTALTE(N)

GESTALTE(N) 54 Das Bedürfnis der Menschen, Spuren zu hinterlassen und Zeichen zu setzen, ist so alt wie die Menschheit selber. So wundert es nicht, wenn wir an Straßenrändern, auf Berggipfeln, in Höhlen oder in stiller Waldesruh’ Spuren von Menschen finden. heute nennen wir diese Spuren Klein- und Flurdenkmäler oder im Volksmund – verkleinernd und auf den omals katholischen ursprung hinweisend – Marterl. Damals wie heute haben diese Kleindenkmäler für uns Menschen große, persönliche Bedeutung, erzählen sie doch von den Schicksalen Einzelner, von Familien, Gemeinden oder einer ganzen Region. Sie sind kleine Bauwerke, die als Zeichen des Andenkens, der Dankbarkeit oder der Freude errichtet wurden. Sie erinnern an ver- gessene Wege, Gefahren durch unwetter und Arbeit, an gemeine Meuchelmorde, an Glaubenskämpfe und an die Erlösung von Pest und anderen Plagen. (Bild 1) In Niederösterreich zählt man an die 40.000 Klein-und Flurdenkmäler, angefangen bei Felszeichnungen über Naturdenkmäler, Verkehrs-, Rechts- und heiligendenkmäler bis hin zu Kapellen und hiatahütten. Jedes dieser Denkmäler erzählt seine eigene Geschichte, viele von ihnen haben historische Bezüge und Bedeutung und sind von hohem kunst- und kulturhistorischem Wert – und alle sind in ihrer Art erhaltenswert. Marterl:ÜberdieherkundesWortessindsichdieFachleutenochuneins. Eine herkunsmöglichkeit könnte der hinweis auf die Arma-Christi, die „Marter“-Werkzeuge von Jesus Christus, sein. Eine andere eorie sagt, dass der am Marterl Vorüberkommende ein Gebet sprechensoll,fürdenMenschen,demandieserStellegedachtwird,weiler hier eines plötzlichen, häufig gewaltsamen Todes ohne die Sterbesakra- mentestarbunddarauinimFegefeuersein„Martyrium“zuerleidenhat, für dessen Ende ein Gebet errichtet werden soll. Wissen weitergeben Aber nicht nur der Erhalt unserer Klein- und Flurdenkmäler in der Landscha, auch der Erhalt des Wissens über sie ist von enormer Wichtigkeit. Wenn wir auören die Geschichten zu erzählen, wenn wir auören beim Erzählen zuzuhören, dann werden unsere Kinder eines Tages nicht mehr wissen, was es mit dem Denkmal, mit der Inschri, mit der Bedeutung auf sich hat. und damit ginge ein Teil unserer regionalen Geschichte und Identität verloren. (Bild 2) Chronogramm: unter Chronogramm versteht man eine Inschri, in der gewisse Buchstaben, die auch römischen Zahlzeichen entsprechen, her- vorgehoben sind und zusammengezählt eine Jahreszahl ergeben. Diese JahreszahlstehtmeistinZusammenhangmitdemObjekt,aufdemsiean- gebracht wurde. hierinderInschriderPestsäulevonDrosendorf:GOTTVATERSOhN, hEILIGEN GEIST DROSENDORFF hOChLOBET VND PREIST DDDCLLVVIII = 500+500+500+100+50+50+5+5+1+1+1 = 1713 Diese Jahreszahl entspricht auch dem letzten großen Aureten der Pest in Wien und Niederösterreich (1713/1714). Dassdiesnichtpassiert,hatdasBildungs-undheimatwerkNÖimAurag der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich die interaktive Klein- denkmalplattform„KulturinderFlur“www.marterl.at insLebengerufen. hier werden die Kleindenkmäler online im Internet präsentiert und mit allen bisher erhobenen Informationen, von interessierten Amateuren und Fachleuten, detailliert und bildreich dargestellt. Die Onlineplattform bietet die Möglichkeit das Marterl auf der Google-Landkarte zu verorten, Kommentare zu schreiben oder es in seinem sozialen Netzwerk zu liken. Ferner bekommt man Vorschläge, sich ähnliche Kleindenkmäler anzu- sehen oder solche, die in der Nähe des gerade betrachteten Objektes stehen. Gegen eine geringe Aufwandsentschädigung kann man fach- liche Eingaben vom BhW-Fachbereich prüfen und mittels Fachbereichs- gütesiegel testieren lassen. CHRONOGRAMM: Unter Chronogramm versteht man eine Inschrift, in der gewisse Buchstaben, die auch römischen Zahlzeichen entsprechen, hervorgehoben sind und zusammengezählt eine Jahreszahl ergeben. Diese Jahreszahl steht meist in Zusammenhang mit dem Objekt, auf dem sie angebracht wurde. Hier in der Inschrift der Pestsäule von Drosendorf: GOTTVATER SOHN, HEILIGEN GEIST DROSENDORFF HOCHLOBET VND PREIST DDDCLLVVIII = 500+500+500+100+50+50+5+5+1+1+1 = 1713 Diese Jahreszahl entspricht auch dem letzten großen Auftreten der Pest in Wien und Niederösterreich (1713/1714) MARTERL: Über die Herkunft des Wortes sind sich die Fachleute noch uneins. Eine Herkunftsmöglichkeit könnte der Hinweis auf die Arma-Christi, die „Marter“- Werkzeuge von Jesus Christus, sein. Eine andere Theorie sagt, dass der am Marterl Vorüberkommende ein Gebet sprechen soll, für den Menschen, dem an dieser Stelle gedacht wird, weil er hier eines plötzlichen, häufig gewaltsamen Todes ohne die Sterbesakramente starb und daraufhin im Fegefeuer sein „Martyrium“ zu erleiden hat, für dessen Ende ein Gebet errichtet werden soll. 1) 2) Photos: BHW Niederösterreich www.marterl.at

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