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GESTALTE(N) 16 * er an sommerlichen tagen Erfrischung sucht, sitzt in Bad Vöslau im wahrsten Sinn des Wortes an der Quelle. Die heilende Wirkung des Wassers, erstmals 1136 schrilich unter dem Namen „Feselover“ erfasst, wurde schon im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts in wissenschalichen Studien bestätigt, wie man auf der website der 1936 begründeten Heilquellenverwertung – heute Vöslauer Mineralwasser AG – nachlesen kann. Gesundheitskultur in Niederösterreich Sukzessive entwickelte sich ab 1822 mit der Schaffung durch den vor Ort ansässigen Bankier Moritz von Fries (1777–1826) und 1873 mit dem Ausbau einer öffentlichen Badeanstalt durch den Ringstraßen- architekten eophil Hansen eine historisch gewachsene Institution zur Gesundheitskultur in Niederösterreich. Mit der Südbahn kamen die Sommerfrischegäste, darunter der bedeutende Schristeller Arthur Schnitzler, der im Vöslauer ermalbad schwimmen lernte. Und auch Frauen betätigten sich beim Wassersport. „Von durchaus gesellschalicher Bedeutung ist, dass in Bad Vöslau die ersten Frauen Österreichs schwimmen gelernt haben“, heißt es im Online- Auftritt des thermalbads. Bereits die Schwestern des Begründers der „Fries´schen Badeanstalt“ erhielten Schwimmunterricht. Im 19. Jahrhundert galten jedoch strenge Bekleidungsvorschrien. Flair der Sommerfrische Das heutige Erscheinungsbild der Anlage geht auf die Architekten Peter Paul Brang und Wilhelm Luksch zurück. Das ursprüngliche, historistische Gebäude war 1924 abgetragen und die neue Badeanstalt 1926 eröffnet worden. Peter Paul Brang zeichnete auch für das 1917 eröffnete alte Dianabad in Wien verantwortlich und Wilhelm Luksch hinterließ mit dem Beethoventempel in Baden 1927 weitere Spuren in der ermalregion. Die beiden Architekten schufen unterschiedliche Zonen im weitläufigen Areal: Im Mittelpunkt steht dabei stets das kostbare Gut Wasser. Eine zentrale Rolle übernimmt das große „Grüne Becken“, dessen Boden von feinem Kiesel bedeckt ist und in dem der Flair der Sommerfrische des Fin-de-Siècle vielleicht am deutlichsten zu spüren ist. Die Badekabinen sind arenaartig angeordnet. Im Lauf der Jahrzehnte kamen neue Bassins wie etwa das „Blaue Becken“ hinzu. Als Quartier für Übernachtungsgäste repräsentieren die Mini-Apartments im Kurhotel eine charmante Möglichkeit, den Aufenthalt im Bad zeitlich auszudehnen. Diese Kabanen erhielten, ebenso wie das Restaurant, im Rahmen einer 2011 vollendeten Renovierung von der Designerin Eva Beresin eine stilvolle Generalüberholung im Retro-Stil. In einem Interview mit der tageszeitung Kurier vom 4.9.2011 erklärt die Gestalterin: „Für die Kabanen habe ich Requisiten aus dem Vöslauer Werbefilm verwendet. Vieles entdeckt man auch auf Flohmärkten oder bei Altwarentandlern.“ Huldigung des Freikörperkults Empfangen werden die Erholungsuchenden von einem Eingangsge- bäude, dessen mittiger Zugang von einem Dreiecksgiebel bekrönt ist, der in einem massiven turm mit Uhr und Glockendach überführt. Nackte Figuren – die Frau auf der einen, der Mann auf der anderen Seite – verweisen darauf, dass an diesem Ort einem (Frei-)Körperkult gehuldigt wird. Aus dem klassischen Repertoire in einer freien Anleh- nung an antike Vorbilder stammt auch der leicht konkave Säulengang, der zum Wandeln einlädt und Schatten spendet. In einem satten Schönbrunner Gelb gehalten, das bis heute als Markenzeichen an die k.k. Monarchie erinnert, kontrastieren die Wandflächen mit dem Kupfergrün der Dachlandscha. Geschichtsträchtiger Ort Der Ort, der für Entspannung, Sport und Sommerfreude steht, nimmt in der Nachkriegschronik einen eigenständigen Platz ein. Nachdem Julius Raab im April 1955 am Flugplatz von Bad Vöslau gelandet war, als er von den Verhandlungen aus Moskau zurückkehrte, wählte er den Vorplatz zum ermalbad, um die Botscha vom Staatsvertrag zu verkünden. Theresia Hauenfels Nachruf – Das Redaktionsteam bedankt sich postum bei Uwe Hauenfels, der stets mit seinem Bildmaterial die Baujuwelbeiträge zum optischen Erlebnis gemacht hat und im Mai dieses Jahres nach schwerem Ringen mit seiner übermächtigen Krankheit verstorben ist. W

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