Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

GESTALTE(N) Ausgabe 153

Ziegel. Wenn man ein toniges zähflüssiges Wasser-Mineralgemisch (Schlicker) auf den noch ungebrannten Ziegel aufrägt und anschlie- ßend mit den Ziegelrohlingen zu einer untrennbaren Einheit auf die Ziegeloberfläche brennt, entstehen glasierte Ziegel, die z.B. als Dachsteine eingesetzt werden. Von den Römern bis heute Überall im Abendland wurde die Ziegelherstellung von den Römern verbreitet. Wo immer ihre Feldzüge hinführten: den Ziegel brachten sie mit. Der praktische Sinn der Römer begriff sofort die Vorzüge des Ziegels für den Gewölbebau, wie zahlreiche, noch heute erhaltene Beispiele, beweisen. Im Mittelalter bildeten sich seit dem zwölen Jahrhundert Italien, Frankreich und Deutschland als Zentren des Ziegelbaues aus. In Österreich lag die Herstellung gebrannter Ziegel bis vor 200 Jahren omals in den Händen umherziehender italienischer Familien, die an Ort und Stelle Tonvorkommen suchten, die Ziegel herstellten und o auch bei der Errichtung der Gebäude beteiligt waren. Ziegelöfen wurden meist direkt bei den einzelnen Bauvorhaben errichtet und dienten nur für diese. Später hielten sich Grafschaen und Klöster ihre eigenen Ziegelwerke nur für den Eigenbedarf. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf Veranlassung von Kaiserin Maria eresia der erste k.u.k. Ziegelofen am Wienerberg errichtet. Bereits 1849 wurden in den umliegenden Produktionsstätten 30 Millionen Mauerziegel hergestellt. 1865 waren die Wienerberger Ziegeleien die größte Ziegelei der Welt, die damals etwa 10.000 Arbeiter beschäigte. Heute ist die Ziegelherstellung ein hochtechnisierter Industriezweig. Vorteile gegenüber anderen Baustoffen Gegenüber Wänden aus ungeformtem Lehm haben Wände aus Ziegel viele Vorteile: sie sind besser zu transportieren und die daraus errich- teten Mauern sind stabiler. Außerdem benötigt man bei der Errichtung von Ziegelmauern keine Schalung. Aufgrund der vielen kleinen Lu- kammern kann der Ziegel Lufeuchte aufnehmen, speichern und wie- der abgeben. Und weil der Ziegel neben Feuchtigkeit auch Wärme gut speichern kann, kühlen Räume nicht so schnell aus, auch wenn man sie nicht jeden Tag beheizt. Während der heißen Jahreszeit speichert der Ziegel, die sich im Raum aufstauende Hitze und gibt sie erst wieder ab, wenn es draußen kühler ist. Heute werden Ziegel auch mit eingebauten Dämmstoffen (z.B. aus Mineralwolle) hergestellt, wodurch sich die Wärmespeicherung noch weiter verbessern lässt. Ausflugstipps: Ziegelmuseen findest du in Eggenburg, Wullersdorf oder in Wien Penzing Der Ziegel ist seit Jahrtausenden weit verbreitet und hierzulande bis heute der am häufigsten verwendete Mauerwerksstein. Ziegelarten und ihre Besonderheiten Auch hierzulande waren ungebrannte Lehmziegel bis vor rund 150 Jahren weit verbreitet. Weil man sie an vielen Orten direkt an der Bau- stelle herstellen konnte, war das Bauen damit vergleichsweise billig. Der zum Bauen verwendete Lehm ist eine Mischung aus Ton, Schluff (Feinstsand) und Sand, die feucht in Form gebracht und dann luge- trocknet wird. O wurden dem Lehm Stroh oder andere Pflanzenfasern zugesetzt, wodurch er weniger anfällig auf Rissbildung wurde. Lu- getrocknete Ziegel sind leider nur solange formbeständig und haltbar, solange sie nicht nass werden. Nicht gebrannte Tonwaren können daher jederzeitwiederdurchEinweichenmitWasserplastischgemachtwerden. Beim Brennen wird das enthaltene Kristallwasser ausgetrieben. Dieser Vorgang ist unumkehrbar, weshalb man einen Ziegelstein nicht mehr „einweichen” kann. Die in die Formen gebrachten Rohlinge müssen vor dem Brennen zunächst trocknen. Dann werden sie in einem Tunnel- ofen in ein bis drei Tagen bei etwa 1000 C zu gebrannten Ziegeln ge- brannt. Brennt man die Ziegel bei höherer Temperatur, ab etwa 1100 C, dann beginnt die Oberfläche zu schmelzen, zu sintern – wie man sagt. Dabei entstehen Klinker. Diese haben eine noch höhere Festigkeit und sind auch frostbeständig. Das Wort Klinker leitet sich übrigens von dem Wort Klang ab. Schlägt man nämlich mit einem Hammer gegen einen Klinker, dann klingt er deutlich heller als ein normal gebrannter BAUSTOFF MIT LANGER TRADITION UND GLÄNZENDER ZUKUNFT Erweitere dein Wissen! Photos: Bruno Klomfar, Heimo Cerny, tdx/Mein Ziegelhaus, Verband Österreichischer Ziegelwerke, Alfred Wolf ORTSBILDKIDS! Erweitere dein Wissen! 12 GESTALTE(N) * ( Ziegel aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie )

Seitenübersicht