Passivhaus: behaglich, effizient und bewährt

 

Grundsätzliche 
Überlegungen 
zum „Haus 
ohne Heizung“ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 öffnet eigenes Fenster

 

Die Kernidee des Passivhauses
Vorteile des Passivhauses
Passivhaus im Detail
Haustechnik im Passivhaus
Das Passivhaus, ein Gewinn für alle
Ausblick in die Zukunft

 

 

Die Kernidee des Passsivhauses

Im Passivhaus wird hoher Wohnkomfort, Behaglichkeit und angenehmes Raumklima bei einem minimalen Energieverbrauch erreicht. Die Wärmeverluste werden durch konsequente Dämmung derart stark verringert, dass nur noch kleinste Wärmemengen zur Aufrechterhaltung der Raumtemperatur nötig sind. Wände und Fenster haben aufgrund des exzellenten Wärmeschutzes auch bei kalten Außentemperaturen eine Oberflächentemperatur, welche nahe 20°C liegt und daher vom Menschen als behaglich empfunden wird.

Besonderer Wert wird auf die Luftdichtigkeit der Bauteile gelegt. Frische Luft wird über eine automatische Wohnraumkomfortlüftung zugeführt. Die Wärme aus der Abluft wird rückgewonnen und dient zur Erwärmung der Frischluft. Daher ist der Wärmebedarf eines Passivhauses um den Faktor 10 geringer als beim Durchschnitt des Gebäudebestands.

Ein kleiner Heizkörper reicht bereits zur Aufrechterhaltung der Raumtemperatur und könnte irgendwo im Raum stehen und ein angenehmes Strahlungsklima erzeugen. In vielen Fällen kann darauf überhaupt verzichtet werden. Die Wärme wird in diesem Fall der Zuluft des Lüftungssystems über ein Nachheizregister zugeführt. Meist reicht die Zuluftnachheizung als alleinige Wärmequelle aus. Das Ergebnis ist eine Frischluftheizung. Die eingesparten Kosten für Heizkörper, Thermostatventile, Leitungen etc. finanzieren zum Teil die Mehrkosten für den hohen Wärmeschutz. Wenn die Erwärmung der frischen Zuluft als alleinige Wärmequelle ausreicht, nennen wir ein Gebäude „Passivhaus“ – eben, weil es kein zusätzliches aktives Heizsystem (und auch keine Klimaanlage) braucht.

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Vorteile der Passivhausbauweise

Behaglichkeit

In einem Passivhaus sind die Temperaturen der Umschließungsflächen wie Wand, Fußboden, Fenster etc. auch bei sehr kalten Außentemperaturen noch angenehm. Die Außenwände und Fußböden zum Keller sind nur um 0,5 bis 1 Grad kühler als die Raumlufttemperatur. Passivhausfenster sind um 2 bis 3 Grad kühler als die Raumlufttemperatur. Diese hohe Behaglichkeit wird bei Häusern, die nicht mit dem Energiestandard eines Passivhauses errichtet sind, nur mit Heizkörpern unter dem Fenster, einer Wandheizung oder einer Fußbodenheizung erreicht.

Frische Luft

In einem Passivhaus garantiert eine automatische, zugfreie und staubfreie Frischluftzufuhr dafür, dass immer für ausreichend frische Luft gesorgt ist - auch bei längerer Abwesenheit und nachts. Die Frischluft kann zusätzlich durch spezielle Filter von Pollen und anderen Allergenen befreit werden. In verkehrsbelasteten Gebieten wird der Lärm ausgesperrt und dennoch staubfreie Fischluft ins Haus geführt. Die Fenster können natürlich trotzdem geöffnet werden.

Sparsamkeit

Erst eine automatische Frischluftzufuhr ermöglicht eine einfache und preiswerte Wärmerückgewinnung aus der Abluft, die bei der üblichen Fensterlüftung unwiederbringlich verloren geht. Die Technik selbst ist einfach bedienbar, kompakt und überschaubar und weist mit Geräten neuerer Bauart sehr geringe Betriebskosten auf.

Hitzetauglichkeit im Sommer

Passivhäuser verhalten sich im Sommer ähnlich wie herkömmliche Häuser. Auf Beschattung von ost- und westseitigen Fenstern ist zu achten. Große Südverglasungen brauchen zumindest einen konstruktiven Sonnenschutz, zum Beispiel durch einen ausreichenden Dachüberstand. Durch die Ausstattung mit energieeffizienter Haustechnik und stromsparenden Geräten wird weniger Abwärme im Gebäudeinneren frei, zusätzlich bietet der Erdreichwärmetauscher über die Lüftungsanlage einen sanften Kühleffekt, wodurch gut gebaute Passivhäuser auch im Sommer einen Vorteil gegenüber normalen Häusern bieten.

Krisensicherheit

Passivhäuser sind krisensicher. Ein Passivhaus kühlt nur sehr langsam aus und unterschreitet selbst bei Totalausfall der Heizung über einen Monat und tagelangem Nebel nicht die Schwelle von 13 bis 15°C. Jede kleinste Notheizung sorgt für ausreichend Wärme, so reichen beispielsweise für die Beheizung eines 15 m² großen Kinderzimmers während kalter und sonnenloser Tage 150 Watt Heizleistung. Zum Vergleich: Die Heizleistung eines Teelichtes beträgt 30 Watt. Die Wärme von nur 5 Teelichtern reicht also für die Beheizung eines Kinderzimmers aus!

Zukunftsfähig durch Nachhaltigkeit

Passivhäuser sind vor allem wegen der geringen Umweltbelastungen durch die sparsame Beheizung über ihre gesamte Lebensdauer ein wirkungsvoller Beitrag zum Umweltschutz. Der Mehraufwand an Material für ein Passivhaus ist gering. Untersuchungen des Ökologieinstituts in Wien haben gezeigt, dass eine umfassende Ökobilanz von gebauten Passivhäusern positiv ausfällt. Vor allem dann, wenn bei den einzelnen Baumaterialien, Bauteilen und Geräten das jeweilige Produkt mit der geringeren Umweltbelastung gewählt wird.

Architektonische Neutralität

Die Bauform der meisten Bauern-, Handwerker- und Bürgerhäuser war immer schon kompakt und einfach. Auch in der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts gab es viele kompakte und dennoch schöne Gebäude. Ein Passivhaus ist genauso kompakt und zusätzlich hervorragend wärmegedämmt. Außerdem muss es höchste Bauqualität aufweisen, damit es optimal funktioniert. Höchste Bauqualität erwartet ohnedies jeder Mensch, der einen großen Teil seines Lebenseinkommens für das Dach über dem Kopf ausgibt. Die zahlreichen, bereits errichteten Passivhäuser zeigen, dass alle Bauweisen möglich sind (massiv oder leicht, mit Satteldach, Walmdach oder Pultdach).

Exzellentes Kosten-Nutzen Verhältnis

Der Wohnwert wie auch der Gebäudewert eines Passivhauses ist durch die hochwertige Bauqualität deutlich höher als der konventioneller Häuser. Niedrigste Betriebskosten (100 bis 150 Euro Heiz- und Warmwasserkosten im Jahr), sowie ein attraktives Fördersystem machen Passivhausqualität auch finanziell interessant. Kann man auf ein konventionelles Heizsystem verzichten, so finanzieren diese Einsparungen einen großen Teil der Mehrkosten für die hocheffiziente Lüftung, die besseren Fenster und die Wärmedämmung.

Der derzeitige Mehraufwand von rund 5–15% für die Errichtung wird durch die niedrigen Betriebskosten über die Lebensdauer des Gebäudes mehr als wettgemacht. Somit wird der Passivhausstandard die Bauart mit den eindeutig niedrigsten Gesamtkosten sein. Die Unsicherheit über die zukünftigen Betriebskosten (aufgrund der Energiepreisentwicklung) fällt weg. Zusätzlich führt der Komfortgewinn zu einem exzellenten Kosten/Nutzenverhältnis.

Die Erfahrungen zeigen, dass Mehrkosten von Komponenten in Passivhausqualität (Fenster, Lüftungsanlagen, . . .) mit zunehmender Stückzahl sinken und durch eine wachsenden Zahl von Anbietern weiter sinken werden. Es gibt zahlreiche ausgeführte Beispiele, die sogar preisgleich mit Standardgebäuden errichtet werden konnten.

Luftdichte Gebäudehülle

Passivhäuser müssen luftdicht ausgeführt werden. Eine luftdichtende Hülle umgibt das gesamte Haus, wobei die Anschlüsse zwischen den Bauteilen sehr sorgfältig abgedichtet werden. Das vermeidet nicht nur Zugluft und ungewollte Luftströmungen, sondern verringert vor allem die Gefahr von Bauschäden durch eindringende Feuchte und in der Folge kondensierende Innenraumluft. Das gilt generell auch für alle konventionellen Gebäude, wird in der Praxis aber weniger beachtet.

So ist z. B. das übliche Ausschäumen der Fuge zwischen Fenster und Mauer nicht ausreichend. Ein dichter Anschluss mit einer Folie oder ein dichtes Einputzen mit plastoelastischer Verfugung ist notwendig. Die Baustoffindustrie bietet entsprechende Produkte an (um z. B. ein über Dach zu führendes Rohr mit einer vorkonfektionierten Manschette einfach und sicher an die luftdichte flächige Folie im Dachaufbau anzuschließen).
Je nach Bauweise werden unterschiedliche Dichtheitskonzepte umgesetzt. lm Massivbau stellt hauptsächlich die Putzschicht die luftdichte Ebene dar, im Holzleichtbau werden Plattenwerkstoffe oder Dampfbremsen miteinander verklebt. Besonderes Augenmerk ist auf den Einbau der Fenster und auf die Elektroverrohrung zu legen, um hier die geforderte Gebäudedichtheit zu erreichen.

Mit dem sogenannten n50 Drucktest (gemessen z. B. mit der Blowerdoor-Methode) werden Leckagen in der Gebäudehülle festgestellt. Hierzu wird im Gebäude ein Unterdruck von ca. 50 Pa erzeugt. Die bei der Messung verwendeten Prüfdrucke von 10 bis 60 Pascal entsprechen dem Staudruck auf der Luv-Seite des Hauses bei Windgeschwindigkeiten zwischen 4 und 10 m/s (bzw. 15 bis 35 km/h), also durchaus „normal“ starkem Wind.

Diese Druckdifferenz ist ausreichend, um relevante Leckagestellen in der luftdichten Ebene mit Messgeräten aufzuspüren. Dieselbe Luftmenge, die durch den Ventilator strömt, muss auch durch die Leckagen der Luftdichtheitsebene des Gebäudes strömen. Diese Luftmenge dient als Basis für die weiteren standisierten Kennzahlen.

Ein Passivhaus hat einen n50-Wert von höchstens 0,6/h. Das bedeutet: bei einem Prüfdruck von 50 Pascal maximal 60% des Raumluftvolumens in einer Stunde durch Leckagen entweichen.

Zur Durchführung der Messung wird ein elektrisch betriebenes Gebläse in den Rahmen einer geöffneten Außentür oder eines geöffneten Fensters eingespannt. Mit dem Gebläse wird Unterdruck- bzw. Überdruck im Gebäude erzeugt. Es wird die Luftmenge bestimmt, die bei verschiedenen Druckdifferenzen ZVI innen und außen durch die Leckagen der Gebäudehülle strömt.

Passivhausfenster

Bei den Verglasungen gab es in den letzten 30 Jahren eine gewaltige Entwicklung. Die noch bis 1980 eingebauten Einfachverglasungen besaßen Wärmedurchgangs-Koeffizienten U (früher: k-Wert) von über 5 W/(m².K). Mit modernen Dreifach-Wärmeschutzverglasungen, wie sie im Passivhaus eingesetzt werden, erreicht man typische U-Werte von 0,7 bis 0,8W/(m².K).

Diese Gläser besitzen zwei infrarot-reflektierende Beschichtungen und sind mit Argon bzw. Krypton gefüllt. Erst mit diesen Glasqualitäten liegen die inneren Oberflächentemperaturen der Scheibe in der Nähe der Raumlufttemperatur und der Heizkörper unter dem Fenster wird überflüssig.

In Mitteleuropa sind die Wärmegewinne dieser Verglasungen in Südorientierung mit wenig Verschattung selbst von Dezember bis Februar höher als die Wärmeverluste. Vorteilhaft für ein Passivhaus ist eine Südorientierung der Hauptbelichtungsflächen und Verschattungsfreiheit. Für eine ausreichende Sonnenenergienutzung reichen 30% bis 40% Glasanteil der Südfassade.

Je größer der Glasanteil wird, um so wichtiger werden Maßnahmen gegen sommerliche Überwärmung. Wenn größere Verglasungen erwünscht sind, muss auf außenliegende Verschattung und genügend Speicherfläche in den dahinter liegenden Räumen geachtet werden, damit der Komfort im Sommer gewährleistet ist. Je nach Gebäudeart kann der optimale Fensterflächenanteil daher unterschiedlich sein. Da herkömmliche Fenster meist über den U-Wert des Glases angeboten werden (U = 1,l W/(m².K)) soll hier die Bedeutung des Rahmens unterstrichen werden.
Gewöhnliche Fensterrahmen haben U-Werte zwischen 2,2W/(m².K). Der Wärmeverlust eines Quadratmeters Rahmen ist daher mehr als doppelt so hoch wie bei der gleichen einer Superverglasung.

Eine bedeutende Wärmebrücke stellen die Abstandshalter der Verglasung dar, die üblicherweise aus Aluminium gefertigt werden. Durch thermisch getrennte Abstandshalter (sogenannten Warm-Edge-Systeme)werden die Verluste am Glasrand verringert. Für das Passivhaus wurden besonders gut wärmedämmende Fensterrahmen entwickelt, die auch die Glasrandverluste durch einen tieferen Randeinstand verringern.

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Das Passivhaus im Detail

Außenwandkonstruktion: Prinzipiell sind alle üblichen Außenwandkonstruktionen für das Passivhaus geeignet. Sie wurden zum Teil weiterentwickelt:

Massivbauweise mit mindestens 25 cm Vollwärmeschutz (Mineralwolle, Kork, EPS, Hanf, Zellulosefaser etc.)

Holztafelbau-Elemente mit Doppel-T-Leichtbauträgern oder „Dämmständern“ und mehr als 30 cm Wärmedämmung.

Verlorene Schalungen aus EPS-Hartschaum, die auf der Baustelle mit Beton verfüllt werden. Es stellt kein besonderes Problem dar, die EPS-Außenschale um einige Zentimeter zu verstärken, um den Passivhausstandard zu erreichen.

Low-Tech-Version: Strohballenbauweise, die sich in Nordamerika einer wachsenden Beliebtheit erfreut und auch in Österreich bereits vereinzelt angewandt wird.

High- Tech-Version: Vakuum-Superdämmung, mit welcher die erforderlichen niedrigen U-Werte schon bei Dicken von 4 bis 6 cm erreicht werden können.

Die notwendigen Dämmstärken liegen je nach Wärmeleitfähigkeit des Baustoffes und Oberflächen-Volumsverhältnis des Gebäudes zwischen 25 und 40 cm. Häufig geäußerte Bedenken, ob die Primärenergiebilanz bei so viel Dämmstoff noch positiv sein kann, wurden durch Untersuchungen zerstreut. Das Ergebnis: der für die Erzeugung, Lieferung und den Einbau notwendige Mehraufwand an Primärenergie wird durch den geringeren Verbrauch an Primärenergie für Heizung innerhalb von wenigen Jahren kompensiert.

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Haustechnik im Passivhaus

Lüftung und Heizung

Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Ohne Luft können wir nur wenige Minuten leben.
Lüftung ist primär kein energetisches Problem, sondern eine hygienische Notwendigkeit. Die Raumlüftung hat dabei vor allem die folgenden Aufgaben zu erfüllen:

Begrenzung des CO2-Gehalts der Raumluft
Regulierung der relativen Luftfeuchte
Beseitigung von Gerüchen und Luftschadstoffen

Eine geeignete Indikatorgröße für die Raumluftqualität ist ihr CO2-Gehalt; der überwiegende Teil der Nutzer empfindet die Raumluftqualität als gut, wenn die CO2-Konzentration Werte von 0,1% nicht überschreitet. (1000 ppm)

Zur Begrenzung des CO2-Gehalts auf dieses hygienische Höchstmaß ist ein Luftvolumenstrom von 20–-30 (in Kinderzimmern eventuell bis 35) mJ Luft pro Person und Stunde ausreichend. Dies bedeutet – je nach „Bewohnerdichte“ – eine Luftwechselrate von 0,3 bis 0,8 LW/h.

Ein zuverlässiger Luftaustausch ist nur durch mechanische Lüftungsanlagen zu gewährleisten, da der Luftaustausch bei Fensterlüftung von Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Temperaturdifferenzen sowie vom Benutzerverhalten abhängig ist.

Auch wenn der Heizwärmebedarf von Passivhäusern um etwa 75% niedriger ist als in üblichen Neubauten, ist in der Regel während einer kurzen Periode, etwa von November bis März, ein kleines Heizsystem nötig.
Wie die Messwerte aus zahlreichen Passivhäusern belegen, muss dieses Heizsystem nur sehr geringe Heizleistungen von maximal 10 W/m² Wohnnutzfläche erbringen. Die sehr geringen Wärmemengen, die zur Beheizung von Passivhäusern nötig sind, können ohne separates Wärmeverteil- und -abgabesystem bereitgestellt werden: Heizungsrohre und Heizkörper sind nicht nötig. Statt dessen kann die benötigte Heizwärme über die ohnehin vorhandenen Lüftungsleitungen verteilt werden. Die Zuluft wird dazu an kalten Tagen auf maximal 50°C erwärmt. Ein Teil der Wärme wird von den Lüftungsrohren bzw. der durch Zuluft erwärmten Decke als Wärmestrahlung an die Räume abgegeben, der Rest als warme, frische Zuluft.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass zwei Randbedingungen unbedingt eingehalten werden müssen:

Die von der Luft berührten Wärmetauscherflächen im Zentralgerät dürfen nicht wärmer als 55°C sein, weil sonst der in der Luft vorhandene Staub verschwelt.
Die dem Raum zugeführte Luftmenge soll nicht mehr als notwendig sein (20–30 m³/Person und Stunde, in Kinderzimmern bis zu 35m²/Person und Stunde), um die relative Luftfeuchte im Winter nicht zu stark zu senken.

Eben wegen dieser Randbedingungen müssen die Wärmeverluste der Gebäudehülle so niedrig sein. Die Wärme für die Zuluftnachheizung kann z. B. aus dem Warmwasserbereitungssystem kommen. Die Verhältnisse werden hier gewissermaßen umgedreht - bisher hat man mit der Heizanlage die Warmwasserbereitung noch „nebenbei“ miterledigt; künftig wird man im Passivhaus die geringfügige Restheizung einfach mit der Warmwasserbereitung „nebenbei“ decken. Eine Möglichkeit hierfür ist eine Kleinstwärmepumpe – eine Kleinstwärmepumpe entnimmt Wärme aus der Fortluft hinter dem Luft/Luft-Wärmetauscher. Diese ist wärmer als die Außenluft und enthält auch die gesamte Latentwärme des im Haus freigesetzten Wasserdampfes. Wenn, wie es hierfür empfohlen wird, ein Erdreichwärmetauscher in der Frischluft vorgeschaltet ist, fällt die Fortlufttemperatur in der Regel nicht unter 5°C. Ein äußerst einfaches Kompaktsystem kann somit die gesamte Lüftung, Heizung und Warmwasserbereitung in einem Passivhaus übernehmen.

Mit einem solchen System ist es möglich, den gesamten Bedarf für Warmwasser und den Restbedarf der Raumheizung mit einem Stromeinsatz von 1.500 bis 2.200 kWh pro Jahr zu decken. Zum Vergleich – ein typischer Vier-Personenhaushalt verbraucht rund 3.500 bis 4.500 kWh Strom im Jahr. Die Wärmepumpenkompaktaggregate werden derzeit von mehreren mittelständischen Unternehmen hergestellt. Neben dem geringen Installationsaufwand auf der Baustelle wird dieses Prinzip auch dadurch interessant, dass außer Strom keine weiteren Energieträger ins Gebäude gebracht werden müssen. Wenn der Strom zudem aus ökologischer Erzeugung kommt, ist diese Variante besonders nachhaltig. Anschlusskosten für Gas oder Fernwärme entfallen, Lagermöglichkeiten für Heizöl werden nicht benötigt.

Selbstverständlich kann die Raumwärmezufuhr auch über die üblichen Heizflächen (Fußboden-, Wand-, Deckenheizung, Plattenheizkörper, Radiatoren) erfolgen. Die Lage der Heizflächen ist aufgrund der hohen thermischen Qualität des Gebäudes unabhängig von den Fenstern überall im Raum möglich (platzsparend, kurze Leitungen). Diese Variante ermöglicht individuelle Raumtemperaturen, erfordert jedoch zusätzliche Investitionskosten.

Eine umweltfreundliche Methode der Restwärmebereitstellung ist die Verwendung von Pellets-Zimmeröfen, welche über eine Raumluft unabhängige Verbrennungsluftzufuhr betrieben werden und daher im Wohnraum aufgestellt werden können.

Sie verfügen meist über einen integrierten Pellets-Vorratsbehälter, der die Nutzung von Biomasse noch komfortabler macht. Es gibt auch Kaminöfen für Stückholz mit raumluftunabhängiger Verbrennungsluftzufuhr, welche ebenso für den Betrieb in Passivhäusern geeignet sind, wenngleich die bedingte Regelbarkeit fallweise zu höhern Raumtemperaturen führen kann.


Warmwasser

Auch für das Warmwasser gilt der Grundsatz des Passivhaus-Konzeptes „doppelter“ Komfort bei einem Bruchteil des Energieverbrauches. Folgende, bedarfsreduzierende Maßnahmen sind zu empfehlen.

wassersparende Armaturen
wärmedämmender Badewannenträger
Duschkabine nach oben geschlossen, eventuell ergänzt um eine punktuelle Infrarot-Heizung, damit Unterbrechungen ohne Komforttemperaturunterschreitung möglich sind
Verlegung möglichst aller Warmwasserleitungen innerhalb des beheizten Gebäudeteils.
kurze Installationswege für das Warmwasserleitungsnetz
gute („doppelt so dick“) Dämmung aller Warmwasserleitungen
Aufstellung des Warmwasserspeichers im beheizten Bereich, sehr gute Dämmung des Warmwasserspeichers
Auswahl wassersparender Geräte (Waschmaschine, Spülmaschine), mit Warmwasseranschluss

Durch diese einfachen und relativ günstigen Maßnahmen kann der Bedarf deutlich reduziert werden. Der verbleibende Bedarf sollte im Sommerhalbjahr durch eine Solaranlage gedeckt werden, die in das Dach oder die Südfassade des Gebäudes integriert ist.

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Das Passivhaus,
ein Gewinn für alle

Passivhäuser führen nicht nur zu einer nachhaltigen Entlastung der Umwelt bei den atmosphärischen CO2 -Emissionen und den übrigen Emissionen aus der Energieumwandlung. Die Umsetzung des Passivhaus-Konzepts stellt eine „Win-Win“-Strategie für alle Beteiligten dar.

Für den Hausbesitzer als Investor: die Qualität des Gebäudes ist nachhaltig besser, durch das Fehlen von Wärmebrücken und Leckagen sinkt die Wahrscheinlichkeit von Bauschäden, der Wert steigt, die Vermietbarkeit verbessert sich.

Für den Bewohner: die Betriebskosten sind geringer, die Behaglichkeit wird verbessert, die Wohnqualität nimmt zu. Der geringere Energieverbrauch wird dabei nicht durch Einschränkungen, sondern im Gegenteil in Verbindung mit Komfortverbesserung erreicht.

Für das ausführende Handwerk: hohe Qualität ist gefragt, das Auftragsvolumen nimmt insgesamt zu.

Für die Industrie: es entsteht eine dauerhaft stabile Nachfrage nach hochwertigen Produkten und eine Motivation zur Innovation.

Für die Volkswirtschaft: die erhöhte Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern (um solche handelt es sich bei allen Maßnahmen an Gebäuden) führt zu einer stabilen, zusätzlichen Beschäftigung im Inland. Bei positiver Gesamtstimmung gegenüber der hier gestellten Aufgabe kann die Motivation spürbar verbessert werden. Die gestellten Aufgaben führen zu einer Nachfrage nach Arbeitskräften in allen Sektoren und auf allen Qualifikationsstufen. Die Qualifikation aller Beteiligten (Planung und Gewerbe) wird gefordert und allein dadurch spürbar erhöht.

Für die Umwelt: durch den extrem niedrigen Energieverbrauch eines Passivhauses wird die Umwelt über die gesamte Lebenszeit des Gebäudes spürbar entlastet.

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Ausblick in die Zukunft

Ein weiteres beachtliches Potenzial zur Einsparung von Umweltbelastungen liegt in der konsequenten Verwendung ökologischer Baustoffe. Durch eine ökologisch optimierte Bauweise könnten gegenüber einer ökologisch ungünstigen Bauweise 50–80% an Umweltbelastungen bei der Gebäudeerrichtung eingespart werden. Diese ergeben sich durch Treibhauspotenzial, Primärenergieinhalt, Schadstoffemissionen und durch Kriterien wie Trennbarkeit in Einzelbestandteile und folgende Wiederverwertungsmöglichkeit sowie Transportaufwand. Daraus ist ersichtlich, dass die weitere Entwicklung des Passivhauses konsequenterweise in Richtung des ökologischen Passivhauses gehen sollte.

Die Energieversorgung mit erneuerbarer Energie (Sonnenkollektoren, Photovoltaik, Biomasse) ist zu geringeren Kosten als im Niedrigenergiehaus möglich, da diese Anlagen aufgrund des geringeren Energiebedarfs eines Passivhauses im Vergleich kleiner dimensioniert werden können als bei konventionellen Gebäuden.

 

Dieser Text wurde aus der Broschüre
„Das Passivhaus in Niederösterreich“ entnommen.
Herausgeber: Amt der NÖ Landesregierung, Geschäftsstelle für Energiewirtschaft,
Landhausplatz 1, 3109 St. Pölten,

Bestellungen: Tel: 02742/9005–14790
post.bd1energie@noel.gv.at

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Aus der Bauform lässt sich nicht erkennen, ob es sich um ein Passivhaus handelt, wie diese beiden Beispiele zeigen

Passivhaus in Rappottenstein

Passivhaus in Rappottenstein
Passivhaus in Rappottenstein
(Bezirk Zwettl)

 

 

Passivhaus in Weistrach

Passivhaus in Weistrach
Passivhaus in Weistrach
(Bezirk Amstetten)