Wo sollen wir wohnen?

 

Siedlung und Siedlungshäuser:

Gedanken zur
Verbesserung der Situation

1. Teil einer Serie über die Steigerung der Wohnqualität

Ein massives Problem kommt auf NÖ zu: die Sanierung der Siedlungs-Häuser aus den 60er- bis 90er Jahren. Wärmetechnisch und bauphysikalisch gibt es grobe Mängel; die Energiekennzahl liegt bei 200 bis 400; auch Grundrisse, Gestaltung und Wohnqualität lassen zu wünschen übrig. In unserer neuen Serie präsentieren wir Gedanken zu einem Ausweg aus diesem Dilemma.

 

 

 

Ein Siedlungshaus umbauen –
aber wo sollen wir wohnen?

Das Haus ist zu klein, wir müssen anbauen – oder doch aufstocken? . . . man könnte ja auch gleich den Altbau sanieren, da gibt’s eine gute Förderung! Aber wo wohnen wir in der Zwischenzeit? Beim Onkel ist leider kein Platz! So oder so ähnlich enden oft Diskussionen, wenn es um Zu- oder Umbauten oder auch um Sanierung bestehender Einfamilienhäuser geht.

Nun, man muss sicher nicht gleich einen Umzug in ein Hotel in Erwägung ziehen. Wichtig ist lediglich, bei der Planung solcher Baumaßnahmen größtmögliche Rücksicht auf die Bewohnbarkeit des bestehenden Hauses zu nehmen.

An Hand des folgenden (nicht nur in der Theorie, sondern auch in Wirklichkeit) realisierten Beispiels soll eine (von mehreren) Möglichkeit aufgezeigt werden.

Es galt bei diesem konkreten Bauvorhaben, einen eingeschoßigen Altbestand aus den späten 50er Jahren zu erweitern bzw. aufzustocken, da Wohnraum für die Tochter samt Familie notwendig wurde.

Nach Überprüfung der baurechtlichen Belange und einer statischen Überprüfung des Altbaus konnte mit der Planung begonnen werden.
Die ursprüngliche Variante, den vorgegebenen Umriss einfach in die Höhe zu ziehen (also im Obergeschoß fortzusetzen), wurde relativ bald wieder verworfen, da das geforderte Raumprogramm diesen Rahmen sprengte.

Weil auch die Bewohnbarkeit des Altbestandes gewährleistet bleiben musste, entschied man sich für eine Überbebauung in Holzleichtbauweise aus vorgefertigten Bauelementen mit Lärchenholz-Sichtschalung.

Dadurch konnten gleich
mehrere Bauherrenwünsche erfüllt werden:

• Eine möglichst kurze Bauzeit, somit wenig Beeinträchtigung der Umwelt.
• Verwendung ökologischer Baustoffe.
• Schnellere Bewohnbarkeit aufgrund geringer Austrocknungszeiten.

Nur der getrennte Wohnungszugang wurde in Form eines Stiegenhauses samt Nebenräumen (wie Wirtschaftsraum, Lager, etc.) als Massivbau an den Bestand angebaut.
Auch die notwendigen Arbeiten bei den Außenanlagen, wie haustechnische Ver- und Entsorgungsleitungen, galt es rechtzeitig durchzuführen.

Danach wurde die eigentliche Überbauung terminlich so angesetzt, dass aufgrund der Wettervorhersage mit stabilem, trockenem Wetter zu rechnen war.

Nun ging alles sehr schnell.
Innerhalb einer Woche war der Rohbau fertig – und somit die Hauptbelästigung der im Altbestand wohnenden Eltern zu Ende. Noch einmal zum Nachlesen: Nach nur einer Woche Bauzeit war die Hauptbelästigung vorbei!

Der weitere Ausbau konnte dann ebenso wie die thermische Sanierung des Altbestandes – Anbringen eines Vollwärmeschutzes – in der üblichen Art und Weise ohne nennenswerte Beeinträchtigung der Bewohner durchgeführt werden.

Wesentlich bei Umbauten, bei denen der Altbestand weiter bewohnbar bleiben soll, sind daher die darauf abgestimmte Optimierung der Planung und die entsprechende Koordinierung des Bauablaufes.

Auch bei der Wahl der Bauweise und des Materials gilt es, die dafür am besten geeigneten auszuwählen. Professionelle Hilfe bei der Bewältigung dieser Aufgaben erhält man durch einen erfahrenen Planer.

DI Friedrich Mühling
Der Autor ist Architekt,
freiberuflicher Berater von
„NÖ gestalten“ und Referent der
NÖ Gestaltungsakademie