Voraussetzungen für eine Verbesserung

 

Siedlung und Siedlungshäuser:

Gedanken zur
Verbesserung der Situation

3. Teil einer Serie über die Steigerung der Wohnqualität

Ein massives Problem kommt auf NÖ zu: die Sanierung der Siedlungs-Häuser aus den 60er- bis 90er Jahren. Wärmetechnisch und bauphysikalisch gibt es grobe Mängel; die Energiekennzahl liegt bei 200 bis 400; auch Grundrisse, Gestaltung und Wohnqualität lassen zu wünschen übrig. In unserer neuen Serie präsentieren wir Gedanken zu einem Ausweg aus diesem Dilemma.

 

 

 

Wenn es darum geht, eine herkömmliche Siedlung in einen Bereich mit Lebensqualität zu verwandeln, müssten sich einige Dinge ändern. Diese notwendigen Anforderungen widersprechen jedoch in vielfacher Hinsicht den heutigen Anschauungen, weshalb sie wahrscheinlich nicht leicht durchzusetzen sein werden. Aber diskutieren sollte man sie zumindest.

Anforderung Nr. 1: Sprechen wir nicht mehr
vom „schützenswerten Ortsbild“ einer Siedlung.

Die herkömmliche Siedlung hat kein wie immer geartetes schützenswertes Ortsbild. Wie Kraut und Rüben stehen dort Häuser durcheinander, die weder mit Bautradition noch mit Niederösterreich besonders viel zu tun haben. Das Satteldach in der Ausführung und Proportion der 80er Jahre ist eher eine Verhöhnung historischer Vorbilder denn eine Anpassung an die Tradition. Von Gebäudeproportionen ganz zu schweigen.
Daraus folgern wir: Auch andersartige Gestaltung, beispielsweise mit Pultdächern, müsste möglich sein. Und natürlich auch ein Umgestalten des Vorhandenen.

Anforderung Nr. 2: Überarbeiten wir
die vorhandenen Bebauungspläne.

Aus Anforderung Nr. 1 ergibt sich die logische Folge, dass die Bebauungspläne für die Siedlungen überarbeitet werden sollten. Denn wie man erkennt, kann man Schönheit nicht verordnen.
Wenn wir nun daran gehen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, dann sind wir schon am richtigen Weg zu einer besseren Gestaltungsqualität für „umgebaute“ Siedlungen.

Anforderung Nr. 3: Machen wir uns
das Innenhof-Prinzip zu Eigen.

Unbestritten ist, dass die meisten Siedlungshäuser der 60er bis 90er Jahre technisch und hinsichtlich Wohnqualität völlig veraltet sind und großzügig umgebaut werden müssen.
Bei einer derartigen Generalsanierung kann auch gleich die Raumgestaltung für den Gartenbereich so erfolgen, dass Nebengebäude und Mauern einen geschützten Innenhof ergeben.
Das wäre die wahrscheinlich wichtigste Änderung gegenüber der heutigen Siedlung: statt 700 Quadratmeter Garten, der von allen Seiten einsehbar ist und in dem man kein Stückchen Privatsphäre hat, gibt es auf einmal einen (vielleicht nur 400 Quadratmeter großen) Innenhof mit all seinen Vorteilen.

Anforderung Nr. 4: Fürchten wir uns nicht vor Laubbäumen.

Einige Siedlungen gibt es ja in Niederösterreich, die mittlerweile über einen beachtlichen Bestand an mächtigen Bäumen verfügen. Doch generell ist die Angst der Siedlungsbewohner vor dem Herbstlaub dermaßen groß, dass dies Einzelfälle bleiben werden. Dabei helfen gerade Laubhecken, Sträucher und große Bäume, die Optik der Siedlungsstrukturen zu kaschieren. Und ein Sitzplatz im lauschigen Schatten ist auch nicht zu verachten.
Resümee: Änderungen funktionieren nur gemeinsam.
Damit Siedlungshäuser auch noch im nächsten Jahrzehnt eine attraktive Wohnmöglichkeit darstellen, müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten: die Gemeinde und die Bewohner. Änderungen müssen zugelassen, Lösungen müssen gesucht werden. Denn im derzeitigen Umfeld werden Siedlungshäuser schon in wenigen Jahren nur mehr schwer oder vielleicht gar nicht verkäuflich sein.

Harald Böckl