Bäume als wichtiges Gestaltungselement

 

Siedlung und Siedlungshäuser:

Gedanken zur
Verbesserung der Situation

4. Teil einer Serie über die Steigerung der Wohnqualität

Ein massives Problem kommt auf NÖ zu: die Sanierung der Siedlungs-Häuser aus den 60er- bis 90er Jahren. Wärmetechnisch und bauphysikalisch gibt es grobe Mängel; die Energiekennzahl liegt bei 200 bis 400; auch Grundrisse, Gestaltung und Wohnqualität lassen zu wünschen übrig. In unserer neuen Serie präsentieren wir Gedanken zu einem Ausweg aus diesem Dilemma.

 

Es ist paradox, dass in unseren herkömmlichen Siedlungen die Bedeutung des Gartens stark vernachlässigt wurde und teilweise auch noch wird. Man sollte meinen, dass man ein Haus baut, weil man in und mit einem Garten wohnen will, weil man den Garten als grünes Wohnzimmer sieht und ihn mit der selben Sorgfalt plant und gestaltet wie das Innere des Hauses.

Das Resultat unserer Gartengestaltung ist manchmal wenig beeindruckend: Ein brettlebener Rasen spannt sich zwischen Terrasse und Thujenhecke, und das war’s dann auch schon.
Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die gestalterische Situation unserer Siedlungen zu verbessern. Eine sehr einfache, die ohne großen Aufwand relativ rasch Ergebnisse bringt, ist das Pflanzen von großen Laubbäumen. Diese haben nämlich den unschätzbaren Vorteil, einerseits die starren Strukturen der Siedlung zu brechen und die monotone Aufreihung der Häuser entlang einer geraden Linie aufzulockern, und andererseits raumbildend zu wirken. Sie gliedern Garten und Straßenraum und sie schließen die Lücken zwischen den freistehenden Einfamilienhäusern mit ihren mächtigen Kronen.

Um hier rasch eine Verbesserung der optischen Qualität der modernen Ortserweiterungen zu erreichen, bedarf es eines gemeinsamen Vorgehens. Die Gemeinden könnten zu Beratungs-Abenden einladen, aber auch die Siedler selbst könnten sich zusammensetzen und Gestaltungs-Konzepte für einen größeren Bereich erarbeiten. Das Land Niederösterreich stellt für diesen Zweck Berater zur Verfügung, die den notwendigen fachlichen Input geben können.

Neben der Steigerung der optischen Qualität der gesamten Siedlung erreicht man damit auch eine wesentliche Verbesserung der persönlichen Lebensqualität im eigenen Garten. Ein Sitzplatz im Schatten und in der Geborgenheit eines Baumes ist nicht nur billiger und attraktiver, sondern auch effektiver als jeder künstliche Sonnenschutz.

von DI Peter Obleser,
ehemaliger Leiter der NÖ Gestaltungsakademie