Aufbruch zum Bauen in Harmonie

 

Serie:  
Statements 


DI Peter Kunerth
war von 1995 bis zu
seiner Pensionierung
2004 Landesbaudirektor von NÖ

 
 

Während wir uns Gedanken machen, was uns auf dem Sektor der Baugestaltung in Zukunft alles erwartet und über die neuesten Trends in der Architektur noch diskutieren, steht eigentlich eines schon fest: Neue Bauformen haben längst Einzug gehalten in unserem Bundesland.

Es ist verständlich, dass das da und dort zu Irritationen und zu einer gewissen Unsicherheit führt, wie man mit diesen neuen Gestaltungsformen umgehen soll.
Es ist aber unbestritten, dass jene Häuser, die von manchen als "zu modern" und unpassend für unser Ortsbild abgetan werden, die Zukunft unseres Bauens sind; es sind das erste zaghafte Schritte in eine Richtung, von der ich glaube, dass sie die richtige ist. Denn verglaste Südfassaden, eine Orientierung zur Sonne oder die Wahl biologischer Baustoffe wie Holz oder Lehmputz werden schon bald selbstverständlich sein.

Wir stehen am Beginn einer Entwicklung in unseren Dörfern und Siedlungen, wie sie spannender nicht sein kann: Einerseits haben viele Gemeindeverantwortliche erkannt, dass die herkömmlichen Siedlungen zu wenig Lebensqualität bieten. Andererseits fordern die gut informierten Bauherrn von heute eine optimale Wohn- und Lebensqualität bei gleichzeitig vernünftigen Preisen und geringen Energie- und Erhaltungskosten.
Aus diesen Vorgaben entwickeln sich zwangsläufig jene neue Bauformen, die frei sind von einer formalen Behübschung; diese neuen Bauformen orientieren sich vielmehr an ihrem Inhalt, sie ergeben sich aus bauphysikalischen oder konzeptionellen Notwendigkeiten.
Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wir lernen, diese neuen Bauformen nicht von Haus aus abzulehnen, sondern versuchen, dieser Entwicklung positiv gegenüber zu stehen. Selbstverständlich müssen wir aber trotzdem kritisch bleiben und verlangen, dass auch diese zeitgemäße Architektur sich einfügt und Rücksicht auf die Umgebung nimmt, dass sich Alt und Neu harmonisch verbinden.

Gute Baugestaltung bezieht sich nicht nur auf einzelne Objekte, sie muss genauso Bezug auf ihre Umgebung nehmen. Und genau so, wie ein Bauwerk aus dem Barock durchaus harmonisch neben einem der Renaissance stehen kann, so muss es uns gelingen, qualitätsvolle heutige Architektur neben die qualitätsvolle Architektur unserer Vorfahren zu stellen.

Wenn Qualität und Harmonie vorherrschen, dann sind Fragen, ob es sich um Sattel- oder Pultdächer handelt (oder handeln muss), hinfällig.
Wir werden versuchen, diesen Aspekt noch stärker in den Vordergrund zu stellen. Gleichzeitig lade ich alle Interessierten zu einer Diskussion zu diesem Thema ein.


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