„Bauen mit Herz und Hirn"“

 

Serie:  
Statements 



DI Peter Obleser,
ehemaliger Leiter der NÖ Gestaltungsakademie

 
 

Neue Bauformen unter der Lupe:
Fragen des Baurechts und der Ortsbildgestaltung


Alle Bauherren haben das gleiche Ziel:
ein attraktives Haus im Grünen, das preisgünstig ist und trotzdem eine hohe Qualität aufweist. Der Weg dorthin ist allerdings beschwerlich – für den Bauherren genauso wie für die Gemeinde.


Niedrigenergiehaus, Passivhaus, solares Bauen - diese Schlagworte beherrschen heute die Medien, wenn es ums Bauen geht. Was ist darunter zu verstehen?

Das sind technische Begriffe, die uns nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen dürfen. Den Bauherren sollte es primär darum gehen, ein Haus zu schaffen, das einen möglichst hohen Wohnwert hat sowie das Qualität und Geborgenheit bietet.

Wie kommt man zu einem Haus mit Wohnqualität?

Die zwei wichtigsten Grundvoraussetzungen: Zum einen ein Grundstück, das so parzelliert ist, dass die Sonne auch im Winter ungehindert in das Haus scheinen kann. Das bedeutet, im Süden meines Hauses sollte sich nicht in ein paar Metern Abstand die Grundgrenze mit Garage oder gar dem Haus des Nachbarn befinden. Und zum zweiten ein guter Planer, der meine Wünsche und Vorstellungen optimal umsetzt.

Niedrigenergiehäuser haben bezüglich Energieverbrauch sicherlich ihre Vorteile. Aber müssen die immer so provokant aussehen?

Dieser Punkt ist sicherlich das größte Missverständnis im heutigen Baugeschehen. Ob ein Haus viel oder wenig Energie benötigt, ist aus der äußeren Form nicht unbedingt abzuleiten. Bei einem Auto kann man ja auch nicht erkennen, ob es viel oder wenig Treibstoff benötigt. Es gibt Häuser mit Pultdächern und Holzfassade, die die größten Energieschleudern sind, und es gibt Häuser mit herkömmlichem Satteldach, die als Passivhaus ohne jede herkömmliche Heizung auskommen, weil sie so gut gedämmt sind. Wir sollten daher von „Häusern zum Wohlfühlen“ reden, und den technischen Begriff „Niedrigenergiehaus“ oder „Passivhaus“ nicht so sehr in den Vordergrund stellen. Wichtig ist, dass Häuser mit Herz und Hirn gebaut werden. Wenn beides zusammen kommt, dann gibt es gute technische Lösungen in einer Gebäudehülle, die hohe Wohnqualität bietet.

Wie sollte denn eine gute Planung ablaufen?

An erster Stelle sollte man sich nicht fragen: wie soll mein Haus ausschauen, sondern: welche Wünsche an das optische Erscheinungsbild habe ich. Ich setz mich ja auch nicht hin und entwerfe das Schnittmuster für ein Kleidungsstück, sondern ich überlege mir, welches Kleidungsstück ich benötige. Wenn es ein warmer Wintermantel sein soll, dann gehe ich in verschiedene Geschäfte und suche mir den passenden aus. In die Vorbereitung sollte man gemeinsam mit dem Planer möglichst viel Zeit investieren. Es ist ja ein Witz, dass man für den Kauf eines Gebrauchtwagens um 7.000 Euro mehrere Verkäufer aufsucht und fünfmal mehr Zeit aufwendet als für die Planung eines Hauses um 200.000 Euro. Oder kennen Sie viele, die mit mehreren Planern Gespräche geführt haben und sich deren Häuser angeschaut haben?

Wo findet man eine Auswahl an guten Planern und deren Objekte?

Das ist nicht so einfach wie beim Autokauf. Um hier Aufklärungsarbeit zu leisten, stellen wir auf unserer Homepage unter gebaute beispiele zahlreiche Neubauten und Sanierungen vor. Außerdem findet man unter tipps für bauherren wertvolle Hinweise, worauf man beim Haus bauen acht geben muss und welche Fehler man leicht vermeiden kann. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hauptinformationsquelle für die Bauherren andere Bauherren sind. Und dummer Weise wird durch dieses System ein Fehler, der sich einmal eingebürgert hat, kontinuierlich weitergegeben. Es lassen sich Materialien nicht beliebig im Baukastensystem kombinieren. Besonders heikel sind die Wärmedämmung und die Dampfbremsen. Falsch angewendet oder verarbeitet, sind die Bauschäden vorprogrammiert.

Selber bauen oder bauen lassen – kann man durch Eigenleistung
am Bau viel Geld sparen?

Der Trend geht dahin, sich ein Haus bauen zu lassen. Das hat einerseits mit Zeitersparnis zu tun, andererseits aber ganz besonders mit der Tatsache, dass die heutige Bautechnik ein Wissen erfordert, das nur Profis haben können. Jedenfalls drohen beim Rohbau die größten Fallen und Probleme. Wer handwerklich geschickt ist, kann im Innenausbau etwas sparen, allerdings in weit geringerem Maße, als allgemein angenommen wird. Denn die meisten vergessen, dass sich durch Eigenleistung die Bauzeit deutlich verlängert. Und es macht schon einen Unterschied, ob man ein Jahr lang die Miete für die bisherige Wohnung bezahlt oder zehn Jahre lang. Schon allein dadurch zahlt sich ein übertrieben hoher Anteil an Eigenleistung nicht aus.

Gestaltungsfragen sind für viele ein schwieriges Thema.
In welche Richtung gehen die Beratungen von „NÖ gestalten“?

Zuerst muss geklärt werden, ob es für das betreffende Grundstück einen Bebauungsplan gibt. Wenn nicht, definieren spezielle Bestimmungen der NÖ Bauordnung, was zulässig ist und was nicht. Wir glauben, dass ein Haus einerseits die vorher erwähnte Wohnqualität gewähren muss. Andererseits muss sich das Bauwerk in einem ausgewogenen Verhältnis zu seiner Umgebung befinden. Und noch ein Punkt ist ganz entscheidend. Nicht nur die Außenansicht einer Fassade ist wichtig, sondern auch die Beziehung des Hauses zum Garten und die Ausblicke, die es von innen nach außen zulässt. Daher raten wir, den Garten gemeinsam mit dem Haus zu planen und vor allem nicht nur Außenansichten eines Hauses zu überlegen, sondern auch die Fassade einmal von innen zu betrachten: was sehe ich aus welchem Fenster, welchen Ausblick möchte ich haben, und was will ich lieber nicht sehen.

 

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