(Siedlung, Teil 2)
Lob und Tadel

 

DI Peter Obleser ist Leiter der NÖ Gestaltungsakademie.
Info unter 02742/9005-15656.
peter.obleser@noel.gv.at

 

„Die Siedlung der Zukunft wird sich gravierend von der heutigen unterscheiden. Es wird sich um "Ortserweiterungen" im besten Sinn handeln, nicht um jene Rastersiedlungen, die noch bis vor kurzem entstanden sind und nicht gerade ein Maximum an Lebensqualität bieten. Wir wollen Siedlungen, in denen Häuser nicht mehr kosten als herkömmlich, sondern mehr können.
Die wesentlichen Punkte dazu sind:

Die Grundstücke sind optimal nach Süden ausgerichtet.
Jeder Haustyp ist in dieser Siedlung mit Zukunft möglich.
Durch die Schließung des Straßenraumes entsteht ein definierter Privatbereich, der nicht nur Vorteile bezüglich Wind und Lärm hat, sondern auch eine Gestaltungsqualität bietet, in der wir uns wohl fühlen.
Wir sollten bereit sein uns anzusehen, wie unsere Vorfahren gebaut haben: wer jemals die Qualität eines (Innen-)Hofes genossen hat, wird sie nicht mehr missen wollen.“

 

Lob, Tadel und Anregungen für unser neues Konzept halten sich die Waage. Gleichzeitig bedanken wir uns für zahlreiche Tipps und Anregungen, die uns erreichten. Lesen Sie links Gedanken vom „Vordenker“ Peter Obleser, dem Leiter von „NÖ gestalten“, und einige der Zuschriften.

 

Es ist sehr erfreulich, dass sich die Behörde über die Parzellierung Gedanken macht.
Aber es hat sich wohl noch nicht herum gesprochen, dass ein Garten im Norden für die Bewohner praktisch wertlos ist. Weiters haben Sie übersehen, dass die Wohnräume straßenseitig angeordnet werden müssen, was die Wohnqualität ein weiteres Mal mindert.

Ich hoffe, Sie haben Ihre Vorschläge auch dem Wind zukommen lassen, dass er sich im „öffentlichen“ Bereich aufhalten muss (von selbst macht er das nicht).
Wenn alte Konzepte aufgewärmt werden, dann sollte man zumindest die Nachteile minimieren, und nicht als Vorteile verkaufen.

Ing. K. J. Martin,
3354 Wolfsbach


Anm. d. Red.: Der Garten im Norden ist keineswegs ein Nachteil, da im Sommer die Sonne so hoch steht, dass gerade ein Platz in der Größe einer Terrasse vom Haus beschattet wird - also ein Vorteil. Beschattungsdiagramme zeigen diese eindeutig (wir präsentieren dies im Rahmen unserer „NÖ Gestaltungsakademie“). Was den Wind betrifft: jeder kann selbst feststellen, dass in einem Innenhof (oder in einer ähnlichen Situation) der Wind wesentlich schwächer ist - und genau darum geht es uns bei diesem Konzept: alte, erprobte Formen aufzugreifen und mit heutigen Mitteln umzusetzen. Denn nach dem von uns vorgeschlagenen Modell wird nicht nur der Wind im Gartenbereich minimiert, sondern auch der Lärm. Noch kurz zum Thema Grundriss: freilich wird ein Haus mit Garten im Norden einen anderen Grundriss haben als eines mit Garten im Süden. Ein guter Planer hat mit diesen als „durchgestreckte Grundrisse“ bezeichneten Lösungen allerdings kein Problem.

 


Sehr geehrter Kollege Obleser,
wie meistens gefallen mir Ihre Vorschläge prinzipiell und in der Art der Darstellung. Ich akzeptiere Ihren Vorschlag auch diesmal, mit der Einschränkung, dass er nur für Verkehrsstraßen gelten sollte. An ruhigeren Straßen scheint mir die Möglichkeit eines besonnten Gartens vor einem zurückgerückten Haus an der nördlichen Straßenseite Vorrang vor dem geschlossenen Straßenbild zu verdienen. Also dort keine Anbauverpflichtung an der Baulinie. Übrigens könnte ein geschlossener Eindruck auch durch Einfriedungsmauern erreicht werden, die bei den österreichischen Baubehörden und den von ihnen beratenen Gesetzgebern leider unbeliebt sind.

Hugo Potyka
per mail


Anm. d. Red.: Wenn wir eine vernünftige Wohnqualität wollen, wird kein Weg um Maßnahmen herumführen, die den Eindruck einer „geschlossenen Straßenzeile“ erwecken. Und da gehören Mauern maßgeblich dazu. Auch die Behörde wird hier umdenken müssen. Damit dieser Eindruck der „Geschlossenheit“ entsteht, müssen allerdings auch die Häuser im Norden entlang der Straße errichtet werden. Was den Nordgarten anbelangt: bitte beachten Sie unsere Antwort zum obenstehenden Leserbrief.

 


Es ist zu hoffen, dass die meisten Siedlungen in Zukunft eine geschlossene Straßenfront aufweisen werden. Wäre es nicht denkbar, bei bereits bestehenden Siedlungen die Zwischenräume durch Nebengebäude zu schließen, wenn es die Situation (Baufluchtlinien etc.) erlaubt? Sicher wäre auch ein Seminar hilfreich, welches die Möglichkeiten aufzeigt und Ideen liefert.
Margarete Unfried,
3411 Weidling

 


Die Planung einer Siedlung mit der
Schräg-Parzellierung ist optimal:
a) vom Sonnenlicht,
b) vom Autoparkplatz.
Die Gestaltung der Gebäude muss aber dem Rechnung tragen, z. B. auf welcher Straßenseite das Gebäude zu stehen kommt.

Friedrich Gillitschka,
1230 Wien

 


Leider fehlen in den Zwischenräumen Garagen,
die heute sehr wichtig sind! Sonst ist die Idee gut.

Jutta Fux,
2542 Baden


Anm. d. Red.: Zum einen sind Garagen in den Zwischenräumen durchaus möglich, wie in unseren Skizzen auch zu sehen. Zum anderen wird sich schon in ein paar Jahren der derzeitige Trend zur Garage relativieren, weil immer mehr Leute kostengünstig bauen wollen und merken, dass diese (ähnlich wie der Keller) ein verzichtbares Relikt aus vergangenen Zeiten ist.