(Siedlung, Teil 3)
Der Charme des Innenhofs

 

DI Peter Obleser ist Leiter der NÖ Gestaltungsakademie.
Info unter 02742/9005-15656.
peter.obleser@noel.gv.at

 

„Wahrscheinlich sind Sie schon einmal im Garten eines Gasthauses oder Heurigen gesessen. Haben Sie sich auch die Zeit genommen, um festzustellen, warum Sie sich dort wohl fühlen? Es wird nicht nur am Essen und Trinken gelegen sein; ich vermute vielmehr, dass Sie in einer Art Innenhof gesessen sind: vorne das Gebäude, zum einen Nachbar vielleicht ein Nebengebäude, zum anderen Nachbargrundstück ebenfalls ein Nebengebäude oder eine Mauer. Durch die umgebenden Bauwerke oder Mauern wurde eine räumliche Struktur geschaffen, in der wir uns wohl fühlen. Daher gibt es eigentlich keinen Grund, warum wir unsere privaten Wohnhäuser nicht so bauen sollten, dass wir intime Gartenräume schaffen. Es ist nicht notwendig, Einfamilienhäuser in einer Weise zu errichten, dass der Nachbar stets darüber informiert ist, wie viel Stück Zucker wir in den Kaffee geben, wenn wir auf der Terrasse sitzen. Wir sollten keinesfalls auf einen privaten Rückzugsbereich in unserem Garten verzichten.“

 


Der Charme des Innenhofs oder:
ein Stück Privatsphäre.

 

Der Charme des Innenhofes oder: Ein Stück Privatsphäre. Wie man auch in einer „Siedlung“ Häuser errichten kann, die einen privaten Rückzugsbereich im Garten und somit echte Lebensqualität bieten . . .

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen auf der Terrasse, grillen mit Freunden und haben einen netten Abend. Für Sie vielleicht schön, für den Nachbarn, der auf seiner Terrasse einfach die Stille der Nacht genießen will, weniger. Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in Ihrem Gemüse- oder Kräutergarten oder liegen in der Sonne. Und nebenan sitzt der Nachbar auf der Terrasse und sieht Ihnen bei Ihrer Freizeitbeschäftigung zu.
Angenehme Situationen? Nein. Aber leider Realität in unseren Rastersiedlungen.

Das Problem ist, dass wir in der herkömmlichen Siedlung mit ihren frei stehenden Einfamilienhäusern (trotz aller Bemühungen mit Hecken rund um den Garten) meist keinen sinnvollen privaten und intimen Bereich schaffen können.

Mehr Qualität trotz kleiner Grundstücke
Dabei wäre es so einfach, auch mit sehr kleinen Grundstücken ein Optimum für alle Beteiligten zu erreichen: für Sie selbst, weil Sie geringere Kosten für ein (kleineres) Grundstück haben, das Ihnen dennoch mehr Qualität als ein größeres in einer Rastersiedlung bietet; und für die Gemeinde, weil durch eine vernünftige Parzellierung die Aufschließungskosten wesentlich geringer wären.

Wie das geht? Um wirkliche Wohnqualität im Garten zu erleben, brauchen wir uns nur die Strukturen alter Siedlungen anzusehen. Da steht ein Haus neben dem anderen. Der Abstand zum Nachbarhaus ist auf einer Seite sehr oft durch eine Einfahrt in den Hof gegeben. Zur Straßenseite hin reiht sich somit Haus an Haus, nach hinten sind die einzelnen Höfe oder Gärten durch Nebengebäude (die den in Siedlungen scheinbar „obligaten“ Keller ersetzen und obendrein billiger und bequemer zu nutzen sind) oder Mauern getrennt.

Wer jemals die Gelegenheit hatte, in einem derartigen Hof zu sitzen, wird nie und nimmer auf die Idee kommen, ein freistehendes Haus zu bauen, das diese Qualitäten nicht bieten kann. Der Innenhof versprüht seinen Charme schon ab etwa 200, 300 m².

Warum werden dann noch immer Grundstücke mit einer Größe von 600 oder 800 m² parzelliert, die durch einen Bebauungsplan zu einer offenen Bebauung (=freistehendes Einfamilienhaus) gezwungen werden, wo doch selbst kleinere Grundstücke bei entsprechender Bebauung mehr Lebensqualität zulassen oder große Grundstücke bei dieser Bebauungsweise noch unendlich mehr Gartenvergnügen und Naturerleben bieten würden?