Man kann sagen, das Ehepaar Breitfellner hat in Sachen Kapellen bereits Erfahrung. Jene in Zöbern ist nämlich bereits die zweite, die sie auf ihrem Privatgrund errichten ließen, dennoch besticht gerade diese durch ihr extravagantes Design. Geplant hat die Kapelle, die nach dem hl. Antonius benannt ist, Roland Stemmer, ein Vorarlberger Architekt und seines Zeichens Schwiegersohn der Besitzer. Nicht von ungefähr kommt daher auch die besondere Art ihrer Ausführung: in Holzbauweise, ganz nach Vorarlberger Tradition.
Begonnen hat die Geschichte der Kapelle mit dem Erwerb eines Stücks Wald aus dem Besitz des Schlosses Ziegersberg in Zöbern. Ein Traum, den sich Leopold Breitfellner kurz nach seiner Pensionierung erfüllte: „Ich war mein ganzes Berufsleben als Manager im Bankwesen beschäftigt. Da ist man hauptsächlich auf Zahlen und Fakten fokussiert. Nach meiner Pensionierung wollte ich mich anders orientieren, mich der Natur zuwenden und entschleunigen. Wie schafft man das besser, als in einem Wald spazieren zu gehen, noch dazu in seinem eigenen?“ Affinität zu Kapellen und zur Kirche im Allgemeinen war gegeben und bald wurde klar, dass sich gerade dieses Waldstück ideal dafür eignete, eine Kapelle zu errichten. Es misst an der höchsten Stelle exakt 800 m und genau dort befindet sich eine Lichtung, von der man einen herrlichen Ausblick genießt. Die Größe des Bauwerks war mit 3 x 3 m Grundfläche limitiert, jene Fläche, die laut Bauvorschrift im Grünland oder Waldgebiet zulässig ist.
Lichtdurchflutete Geborgenheit
Da der hl. Antonius dem Franziskanerorden angehörte, wollte sich Roland Stemmer („Franziskaner der ersten Stunde“ – wie er über sich selbst sagt) auch an den Gebetsstätten der Franziskaner orientieren, die ihre Kapellen oder Rückzugsplätze meist in Höhlen oder geschützten Räumen errichteten. „Ich wollte die Kapelle als einen Raum entwerfen, der geschlossen wirkt und in dem man sich geborgen fühlt. Da die Kapelle nicht öffentlich zugänglich ist, war mir wichtig, dieses Gefühl auch dann zu vermitteln, wenn man von außen durch die Eingangstüre hineinblickt.“ Damit lässt sich auch die spezielle Gestaltung des Portals, das sich nach innen verjüngt, erklären. Die Ost-West-Lage ist an die traditionelle Ausrichtung von Kirchenbauwerken angelehnt. Der Innenraum ist einheitlich mit Tannenholz getäfelt, die Oberfläche sollte besonders homogen und gleichmäßig sein. Die klaren Linien, das helle Holz und die äußerst reduzierte Ausstattung bestimmen die Atmosphäre im Raum.
Augenblick, verweile doch
Dass man die Sitzbänke rechts und links der Heiligenstatue des hl. Antonius positioniert hat, ist eine weitere Besonderheit dieser Kapelle: Die Besucherinnen und Besucher sitzen nicht hintereinander, sondern einander gegenüber und haben dadurch immer den ganzen Innenbereich im Blick. Ein Niederknien ist nicht vorgesehen, wer betet, betet im Sitzen. So wird auch der hl. Antonius, der ja die Hauptperson darstellt, nie verdeckt und man bietet ihm viel Raum. Die Figur steht auf einem einfachen Holzkubus und bildet mit ihrer naturalistischen Gestaltung einen stimmigen Kontrast zur Klarheit der Formen in der Kapelle.
Die Lichtachsen und die exponierte Lage auf einer großen Waldlichtung unterstreichen den symbolischen Sinn der traditionellen Ost-West-Ausrichtung der Kirchen. Vom Kapellen-Eingang im Westen blickt man in die aufgehen-de Sonne, die im Osten hinter der Heiligenfigur durch das große Dachfenster scheint, abends tauchen die Strahlen der untergehenden Sonne die Skulptur durch die im Westen gelegene Glaseingangstüre in ein warmes Licht.
Antonius, hilf!
Die Gründe, warum das Ehepaar Breitfellner Kapellen errichtet, sind beseelt und nachvollziehbar. Die Kapelle an sich steht für sie als Danksagung. „Als Dank für ein bislang glückliches Leben“, so Leopold Breitfellner, und seine Frau ergänzt: „Es könnte alles viel schlimmer sein!“. Warum die Kapelle dem hl. Antonius von Padua gewidmet wurde, stellt sich nuancierter dar. Einerseits gibt es in der Familie, einen Enkel mit schwerer Behinderung, dessen Name Anton ist und den der hl. Antonius, Beschützer der Kinder, unbedingt weiterbeschützen soll. Weiters ist Anton der Name des Vaters von Anna Breitfellner, und, glaubt man dem Schwiegersohn, wird Antonius auch verehrt, weil sein Schwiegervater Leopold Breitfellner immer wieder Sachen verliert, aber dann doch wiederfindet. Alles in allem hat dieser Antonius in Zöbern viele schwierige Aufgaben zu erfüllen, aber dafür hat er eine wunderbare Bleibe bekommen.