Chalet HAUSER in Poysdorf

Ein ehemaliger Weinkeller mit Presshaus in der Poysdorfer Kellergasse ist heute Verkostungsraum und touristischer Wohnort zugleich.
Die Aufnahme zeigt ein traditionelles österreichisches Gasthaus mit Weinkeller, Außensitzplätzen und einer gepflasterten Treppe, umgeben von Bäumen unter bewölktem Himmel.
Moderne Küche mit grünen Schränken, Esstisch mit Stühlen, Bank, Wandbild, Fenster, und aufgeräumtem, hellem Innenraum, Holzboden und stilvoller Dekoration.

HINTER FLASCHENGRÜNEN KELLERTÜREN | Chalet Hauser in Poysdorf

Ein ehemaliger Weinkeller mit Presshaus in der Poysdorfer Kellergasse ist heute Verkostungsraum und touristischer Wohnort zugleich. Der von Martina Fürnkranz gestaltete Umbau für die Familie Hauser führt die Geschichte des Ortes fort und erprobt, wie es sich in dem historischen Gefüge Wohnen lässt.

 

Zurückziehen im Weinkeller
Anstelle des alten Eisentors führt heute wieder eine traditionelle flaschengrüne Holztür in die Kellerstube. Hinter dieser Tür liegen für die Bauherrin Waltraud Hauser viele Kindheitserinnerungen. Denn ihr Vater war Kellermeister, und sie verbrachte viel Zeit mit ihm in dem mehrgeschoßigen Weinkeller. Der Keller war für ihren Vater ein Ort des Rückzugs und zugleich auch einer der Gastfreundschaft. Neugierige Besucherinnen und Besucher aus verschiedensten Ländern klopften an die Kellertür und wurden von ihm auf ein Glas Wein eingeladen.

Mit dem Umbau wird einerseits diese traditionelle Nutzung als Kellerstube in flexibler und zeitgemäßer Form fortgesetzt: Im unteren Geschoß befinden sich heute ein Weinautomat und eine Selbstbedienungs-Raststation. Der Raum steht damit weiterhin für Verkostungen und als Ort des Zusammenkommens offen, ohne dass er dauerhaft betreut werden muss. Darüber liegt eine Ferienapartment mit Schlafmöglichkeiten für bis zu vier Personen.

Bei der ersten gemeinsamen Besichtigung erkannte die Innenraumgestalterin Martina Fürnkranz das Potenzial des Weinkellers für eine neue Nutzung. „Als Waltraud das Heu-lager öffnete, wurde mir klar, dass sich Dachraum und Obergeschoß räumlich verbinden lassen“, erinnert sie sich.

Wie früher verbindet das Kellergassenhaus damit Rückzug und Gastfreundschaft. Heute sind es Urlaubsgäste, die sich für einige Tage dorthin zurückziehen.

Kompaktes Nächtigen am Land
Das Apartment befindet sich im Obergeschoß und wird über die seitlich am Gebäude verlaufende Stiege betreten, die weiter zur Kirche hinaufführt. Das frühere Obergeschoß und das darüberliegende Heulager im Dachboden sind nun zu einem hohen Raum zusammengefasst. Auf der kleinen Grundfläche sind die Funktionen der Wohnung übereinander angeordnet: Wohnen, Kochen und Essen finden auf der unteren Ebene statt. Ein kompakter Einbau nimmt das Badezimmer auf und trägt darüber die Galerie mit dem Schlafbereich. So wird der Raum gegliedert, ohne sein durchgehendes Volumen zu unterteilen. Vom Podest der Treppe ist ein kleiner Garten zugänglich. Die Idee für einen eigenen Außenraum entstand im Laufe der Planung. Dafür kaufte die Bauherrin ein Stück der angrenzenden Böschung des Hügels zur Kirche dazu.

Drei zusätzliche Dachflächenfenster auf der zur Kirche orientierten Seite des Satteldachs bringen mehr Tageslicht in den Wohnraum. Auch die Öffnung der früheren Heustadltür wurde mit einem Fenster versehen. Die neue Wohnung zeigt, dass kompakte Grundrisse nicht nur ein urbanes Phänomen sind. Auch beim Weiterbauen ländlicher Bestandsstrukturen stellt sich die Frage, wie auf begrenzter Fläche zeitgemäßer Wohnraum entstehen kann. Bei dem Weinkellergebäude in Poysdorf geben die vorhandene Grundfläche, die tragenden Wände und das Satteldach den kompakten Rahmen dafür vor. Das Rückbesinnen auf traditionelle Elemente des Weinbaus und auf regionale Handwerkstechniken wird beim Umbau deutlich. Dazu gehören die flaschengrüne Holztür, die Kalkglätte an den Innenwänden und die Verwendung von Eichenholz. Sie stellen im neu gestalteten Innenraum einen Bezug zum baulichen Kontext der Kellergasse her.

Die neue Nutzung des Gebäudes erforderte einen langwierigen Umwidmungsprozess. Zuvor war es als Presshaus für den Weinbau vorgesehen. Um das Gebäude im Rahmen der Widmungskategorie „Bauland Sondergebiet Weintourismus“ für Touristinnen und Touristen temporär bewohnbar zu machen, musste diese neue Nutzung zunächst behördlich ermöglicht werden. Das erwies sich als fordernd: „Der bürokratische Weg war zermürbend. Aber weil es der Keller meines Vaters ist, wollte ich ihn umbauen und in seinem Erscheinungsbild erhalten. Für mich ist das ein Herzensprojekt.“, erzählt Waltraud Hauser über ihre Motivation. Das Einholen der behördlichen Genehmigungen ließ die Planungsphase länger dauern als die eigentliche Bauzeit.

Schließlich entstand hier ein Beispiel dafür, wie die Weinviertler Kellerkultur in der Gegenwart fortgesetzt werden kann. Die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes wurde nicht vollständig aufgegeben, sondern zeitgemäß interpretiert und um eine touristische Nächtigungsmöglichkeit ergänzt. Der Wein bleibt im Erdgeschoß präsent, die darüberliegenden Räume dienen dem gemütlichen Verweilen.

Eigentümerin: Mag.a (FH) Waltraud Hauser
Planung: plan.loos!
Autorin: DIin Alexandra Ullmann
Fotos: Romana Fürnkranz