Kristyna ist gebürtige Tschechin, Peter kommt aus Ungarn. Sie spricht nicht Ungarisch, er nicht Tschechisch, die sie verbindende Sprache ist Deutsch und nicht nur deshalb ist auch Österreich das Land, in dem sie gemeinsam bleiben wollten. Beide lebten und arbeiteten bereits lange Zeit in Wien, bis sie der Wunsch, selbstständig zu sein und sich etwas Eigenes zu schaffen, schließlich nach Retz verschlug. Der Ort selbst war nicht relevant, auch war nicht klar, dass man im Gastgewerbe Fuß fassen würde. „Es war alles offen, wir wollten nur ´mal hierherziehen und dann schauen, was sich daraus ergibt. Es sollte jedenfalls ein Haus zum Wohnen sein, das die Möglichkeit bietet, ein Zimmer zur Vermietung abzutrennen und mit diesen Mieteinnahmen die Finanzierungen abdecken zu können“, erzählt Kristyna Sebök. „Dieses Gebäude hier am Znaimertor war dann „Liebe auf den ersten Blick“. Es war eine komplette Ruine, aber es hat Potenzial gezeigt!“, ergänzt ihr Mann lachend.
Für die Entscheidung, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, war auch der Umstand förderlich, dass die alten Stadtmauern von Retz – eine Hauptmauer (innere Stadtmauer) und eine Zwingermauer (äußere Stadtmauer) – in diesem Bereich des Znaimertores komplett erhalten sind und sich das Areal dazwischen, der Zwinger, ideal für einen Gastgarten eignen würde. Die Überlegung, neben dem Gästehaus auch ein Café zu betreiben, war naheliegend.
Kurswechsel gefragt
Bald war auch klar, dass das Ensemble in seiner U-Form auch Platz für mehr als ein Gästezimmer bieten würde. Die Herausforderung nahmen die beiden entschlossen an. Beim Umbau legten sie hauptsächlich selbst Hand an, gecoacht und unterstützt von Fachleuten innerhalb der Familie und mit sehr viel „Learning by Doing“ wie sie betonen. Entstanden ist ein außergewöhnliches Wohn- und Gästehaus mit drei unterschiedlich gestalteten Gästezimmern, die liebevoll und zeitaufwendig renoviert und restauriert wurden.
Das Gebäude hat eine lange Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, und wurde hauptsächlich als Bäckerei betrieben.
Jedes Zimmer hat seinen eigenen Charme und es wurde bei der Einrichtung sensibel darauf Rücksicht genommen, bei der Gestaltung nicht von der spannenden Geschichte des Hauses abzulenken.
Man wollte einen Bogen zum ursprünglich Zweck der Gebäudeabschnitte spannen. So ist beispielsweise das Zimmer Backstube in den Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei, das Zimmer Barock bekam seinen Namen wegen der entdeckten und in mühsamer Kleinarbeit freigelegten Stuckdecke mit großartigen Deckengemälden und das Zimmer Flintstones verfügt über keine einzige gerade Wand.
Das Dreamteam
Das Gäste- und Kaffeehaus am Znaimertor ist eine „Two Man/Woman Show“. Das Paar jongliert Unterkunft und Café als Team, jeder hilft, wo es nötig ist. Die Kuchen im Kaffeehaus sind handmade by Kristyna Sebök, die in Wien im Traditionshaus Demel gearbeitet hat, zugekauft werden nur besondere Spezialitäten wie zum Beispiel die einzigartigen Schaumrollen von einem Bäcker im nahen Znaim.
Peter Sebök ist studierter Komponist von klassischer Musik, zum Glück aber auch talentierter Heimwerker. Er serviert und repariert oder organisiert Kulturprogramme für das Café. Ab und an findet man ihn dort selbst am Klavier spielend: „Aber nur wenn nicht zu viel los ist, denn sonst kriegen die Gäste nichts zu trinken“, erklärt er schmunzelnd.
Lebensaufgabe
Derzeit gibt es Platz für 10 Gäste, doch die beiden haben immer noch große Zukunftspläne: Das Areal soll um drei Gästezimmer erweitert und der Gastgarten im „Zwinger“ als Platz für unterschiedliche Kunst- und Kulturevents nutzbar gemacht werden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir das innerhalb der nächsten 8 bis 10 Jahren schaffen“, erklärt das Paar. Müßiggang ist offensichtlich keine Option.