HWS-Lagerhallen in Mitterarnsdorf

Zwei denkmalgeschützte Pfarrstadeln - der ältere westliche Stadel stammt aus 1614, der östliche aus dem 1. Viertel des 19. Jh. - in Mitterarnsdorf erwiesen sich als überlebenswichtig. Mit mehr als 400 m2 nutzbarer Lagerfläche fanden die mobilen Hochwasserschutzelemente in unmittelbarer Ufernähe Platz, sodass die Errichtung eines Neubaus nicht notwendig war.
Zuschnitt DJI 0957©Christoph Bertos
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ZWEI STADELN FÜR DEN HOCHWASSERSCHUTZ | Umbau der Pfarrstadel

Hochwasserschutz ist essenziell, kann aber leicht zur Bedrohung von Landschafts- und Ortsbild werden. Deswegen begleiteten Architekt Karl Langer und Landschaftsarchitekt Georg Schumacher die Planung des Hochwasserschutzes in Rossatz-Arnsdorf. Sogar zwei denkmalgeschützte Pfarrstadel in Mitterarnsdorf erwiesen sich als überlebenswichtig.

Unter dem Schock des hundertjährlichen Hochwassers 2002 investierten Bund, Land und Gemeinden in Schutzmaßnahmen. Betroffenes Siedlungsgebiet muss mit einem sogenannten Polder, der die Wassermassen abhalten kann, gleichermaßen umfriedet werden. Die kostengünstigste Maßnahme ist ein Damm, gefolgt von einer Betonmauer.
Bis zu 4 m stand das Wasser im Jahr 2002 über dem Gelände von Rossatz-Arnsdorf. Vier Meter hoch müsste auch der Polder sein. „Das Thema ist nicht der Hochwasserschutz, das Thema ist die Veränderung von Ortsbild und Landschaft“, sagt Architekt Karl Langer. „Statisch betrachtet tritt ein 100-jährliches Hochwasser alle 100 Jahre auf, es kann nicht sein, dass deshalb 99 Jahre lang die Kulturlandschaft der Wachau, die zum UNESCO Welterbe zählt, von Hochwasserschutzmaßnahmen verunstaltet wird.“

Teamwork
Glücklicherweise überzeugte dieses Argument auch die Gemeinde. Sie beauftragte Architekt Karl Langer und Landschaftsplaner Georg Schumacher mit der architektonischen und freiraumplanerischen Gestaltung der Hochwasserschutzmaßnahmen im Ort. Die Vertrauensbasis zu Hydroingenieur Jörg Handhofer und allen anderen beteiligten Fachplanern war gut.
Für Flussläufe gibt es kein Lineal“, sagt der Architekt. „Wasser fließt nicht gerade, auch Grundstücksgrenzen verlaufen nicht linear. Wir haben uns den Gegebenheiten angepasst. Dabei geht es nicht nur um den Hochwasserschutz, es geht auch um das davor und das dahinter.“ Langer bettete das hochtechnische Infrastrukturbauwerk möglichst sensibel in das gewachsene Ortsgefüge und eine Landschaft, die über Jahrhunderte entstanden ist.
Damm und/oder Mauer können auch durch mobile Elemente ersetzt werden, die nur im Fall eines Hochwassers zum Einsatz kommen. Diese Dammbalken aus hohlen Alustrangpressprofilen sind leicht und rasch zu montieren. Allerdings sind sie teuer – und müssen gut erreichbar gelagert werden. Keiner gab ein Grundstück für ein Lager her, schließlich wurde man in Mitterarnsdorf fündig. Dort besaß die Pfarre zwei alte, denkmalgeschützte Stadel, die in erbarmungswürdigem Zustand waren. Sie fassen beide im Westen und Osten den hofartigen Pfarrgarten ein, der im Süden vom Pfarrhaus abgeschlossen wird. Im Norden grenzt er direkt an den Treppelweg an der Donau.

Denkmalgerecht lagern
Der Stadel im Osten stammt aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, ist etwa zehn Meter breit, 25 Meter lang, hat ein flaches Krüppelwalmdach und Bogenfenster mit Faschen. Hier finden nun viele Dammbalken Platz – und auch die Anlage, die sie mit Hochdruck vom Schlamm reinigt. Der westliche Stadel mit dem Baujahr 1614, hat massive Mauern, winzige Fenster, unterschiedliche Gewölbe und einen Holzdachstuhl. Das 40 Meter lange, sieben Meter schmale Gebäude ist in vier Räume unterteilt, die miteinander nicht verbunden sind. Dem Pfarrhaus am nächsten gibt es hofinnenseitig ein großes, zweiflügeliges Tor, daran schließen zwei viel kleinere Räume mit Kreuzgratgewölben an, zum Treppelweg hin verbreitert sich der Wirtschaftstrakt um einen kleinen Zubau, wo Langer ein höchst gepflegtes öffentliches WC einplante.
Daneben wurde – mit Zustimmung des Bundesdenkmalamtes – ein neues, zweiflügeliges Holztor eingebaut. Es unterscheidet sich vom bestehenden nur durch seinen bogenförmigen Abschluss.

Dieser ist dem dahinterliegenden Gewölbe geschuldet. „Der Bau war die Vorgabe“, sagt Langer, das Tor aber unabdingbar: Schließlich muss man mit dem Gabelstapler einfahren können. Deshalb ist auch der Boden aus Beton. Eine umlaufende Drainageschicht aus Kies lässt die alte, kalkverputzte Wand weiteratmen und schützt vor Feuchtigkeit. Selbst für die Scheinwerfer fand sich eine denkmalgerechte Lösung: Die Kabel sind nicht unter Putz geführt, sie baumeln als Spiralkabel lässig vor der Wand, ohne sie anzugreifen. „Der Abstand zum denkmalgeschützten Bestand war wichtig“, so der Architekt. Deshalb sind auch die Bakelitschalter für das Licht in eine Art Stele integriert.
Am Treppelweg vor dem Pfarrhof stehen Bänke, Tische und Fahrradständer. Wüssten sie davon, könnten Passierende auch das WC im Stadel nutzen. Eine Treppe führt zum Flussufer, das mit Steinen bis zum Weg aufgeböscht wurde. Der Hochwasserschutz ist auf eine Mauer reduziert, die man auch als Bank nutzen kann: Der störende hohe Rest liegt jederzeit einsatzbereit im Stadel. Hier passt wirklich alles.

Eigentümer: Pfarre Arnsdorf
Bauherr: Marktgemeinde Rossatz-Arnsdorf
Planung: Architekt DI Dr. Karl Langer
Landschaftsplanung: DI Georg Schumacher
Autorin: DI Isabella Marboe
Fotos: Romana Fürnkranz  |  Hertha Hurnaus
Veranstaltungsfotos: Ian Ehm_friendship.is
Drohne: Christoph Bertos