Kindergarten in Rossatz-Arnsdorf

Eingebettet in die Hügel der Wachau liegt der 2024 neu eröffnete Kindergarten. Man spürt bereits beim Ankommen, dass die Architektur sich von der Umgebung inspirieren hat lassen.
Modernes Gebäude mit Solarpaneelen auf dem Dach, umgeben von einem gepflegten Spielplatz und grüner Landschaft, im Hintergrund bewaldete Hügel und blauer Himmel.
Moderne Architektur mit überdachtem Gehweg, reflektierenden Glasfassaden, Kinderspielzeug, grüner Wiese, Spielplatz, und ländlicher Umgebung mit bewaldeten Hügeln und Häusern im Hintergrund.

WO DIE MARILLEN WACHSEN | und sich Kinder entfalten

Eingebettet in die Hügel der Wachau liegt der 2024 neu eröffnete Kindergarten der Marktgemeinde Rossatz-Arnsdorf. Man spürt bereits beim Ankommen, dass die Architektur sich von der Umgebung inspirieren hat lassen, die Entwurfsentscheidungen sind geleitet vom Weiterbauen am Weltkulturerbe der Kulturlandschaft Wachau. So ist ein unaufdringlicher, fast selbstverständlicher Neubau entstanden, der mit der Umgebung in Bezug tritt, und gleichzeitig zeitgemäße Pädagogik fördert.

Der Kindergarten zieht um Die Kinder, die den Kindergarten besuchen, kommen aus neun Ortschaften, die recht weitläufig das rechte Donauufer säumen und damit die Marktgemeinde Rossatz-Arnsdorf bilden. Zuvor war der Kindergarten direkt in Rossatz, in einem denkmalgeschützten Haus im Ortskern, untergebracht. Mit sich wandelnden pädagogischen Bedürfnissen, wie sie auch im Kindergartengesetz abgebildet sind, konnte der Standort nicht mithalten. Die Räumlichkeiten wurden zu klein und ein Garten zum Spielen fehlte. Durch die räumlich beengte Lage im Ortskern war ein Ausbau ausgeschlossen und nach diversen Abwägungen wurde ein Architekturwettbewerb für einen neuen Standort im benachbarten Ort Rührsdorf ausgeschrieben. Gekürt wurde das Projekt von Mang Architekten aus dem benachbarten Furth.

Der Kindergarten in Verbindung mit der Natur
Der Kindergarten hat Platz für drei Gruppenräume sowie die notwendigen zusätzlichen Räume, wie einen Bewegungsraum, und die Büro- und Aufenthaltsbereiche des pädagogischen Personals.

Die Gruppenräume bestehen aus einem großen zusammenhängenden Raum in Verbindung mit einer kleineren Rückzugsnische, wie aktuell üblich im Kindergartenbau. Diese sind mit dem Eingangsbereich durch breite Gänge, die auch als Garderobe fungieren, verbunden. Der Gang sticht durch bis in den Freibereich und wird so zum Verteilerraum zwischen innen und außen.

Auch vom Gruppenraum aus ist der Garten durch die großen Fenster immer wahrnehmbar. Durch bewusst platzierte Geländemodellierungen im Freiraum, die im Sommer zum Hinunterkugeln und im Winter zum Rodeln einladen, verschwindet die angrenzende Straße und der Blick richtet sich auf die historischen Kellerhäuschen und die dahinterliegenden Hügel des Donautals.

Ein Highlight ist jedenfalls der Bewegungsraum. Das große Panoramafenster rahmt die Wachau. Der Bereich ist zudem durch einen separaten Zugang von außen zugänglich, was eine Vermietung an Externe ermöglicht. So finden beispielsweise Yoga- oder Pilatesstunden statt und der neue Kindergarten wird damit zu einem Mehrwert für die Gemeinde.

Bauen im Weltkulturerbe
Was die Kulturlandschaft Wachau ausmacht, ist ein komplexes Zusammenspiel aus natürlicher Landschaft und den ergänzten Baulichkeiten – wie sie gestaltet sind in Form und Materialität, wie sie zueinander in der Landschaft stehen, und Blickachsen zu Kultur- und Naturdenkmälern öffnen.

Seit 2000 ist die Wachau UNESCO-Weltkulturerbe. Um der Auszeichnung bei Neubauten gerecht zu werden, wurden Bauempfehlungen in Form eines Leitbilds entwickelt. Bauvorhaben werden von einem Beirat dahingehend geprüft. Architekt Mang spricht die Architektursprache der Region und hat die Anforderungen in einen stimmigen, ortssensiblen Bau gegossen. Das beginnt bei den kleinen Details – wie einem für die benachbarten Weingärten typischen Steinmäuerchen, das den Parkplatz von der Straße trennt – bis hin zu den großen Aspekten, wie der Grundform des Gebäudes. Der neue Kindergarten besteht in seiner Kubatur aus zwei länglichen Baukörpern, einem Zitat auf das Häuserpaar aus Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude – eines verputzt, das andere in Holzfassade.

Hinsichtlich der Farbwahl wurde außen auf gedeckte und naturnahe Farben gesetzt, die in ihrer Materialität hochwertig verarbeitet sind. Ein Beispiel ist der Filzputz der Fassade, der in der Sonne samtig anmutet. Innen wird es bunter – ein grüner Boden, Holzfenster und sichtbarer Beton schlagen eine Brücke in die Gegenwart.

Vernetzt mit der Gemeinde
Geheizt wird der Kindergarten durch eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Über ein System unter der abgehängten Decke kann auch gekühlt werden. So wurde der erste Sommer bereits behaglich überbrückt. Der Strom kommt von der eigenen PV-Anlage am Dach, wobei der Überschuss über eine Energiegemeinschaft innerhalb der Wachaugemeinden geteilt wird.

Qualität durch Zusammenarbeit
Bei einem Besuch des Kindergartens mit Architekt Mang und dem Amtsleiter der Marktgemeinde, Herrn Wölfl, betonen beide die gute Zusammenarbeit im Planungs- und Bauprozess. Die Marktgemeinde habe die Vision geteilt, und so habe man gemeinsam an einem Strang gezogen, um den neuen Kindergarten zu dem Ort zu machen, der er jetzt ist. Die Einfügung in die Landschaft und die Umsetzung der das Weltkulturerbe betreffenden Details erfreuen beide, und darüber hinaus komme auch von den Pädagoginnen und Betreuerinnen positive Rückmeldungen zu Nutzbarkeit und Atmosphäre.

Eigentümer: Marktgemeinde Rossatz-Arnsdorf
Planung: Architekt DI Christian Mang
Autorin: Sophie Höller, BSc
Fotos: Romana Fürnkranz