Krimiliebhaber kennen die romantische Kellertrift in Haugsdorf als Drehort der Serie „Polt“. Sie liegt in einem mit Akazien bewachsenen Hohlweg, der zum schon von Weitem sichtbaren Hutberg hinaufführt. Am Fuße dieser Erhebung, in nächster Nähe zur stillgelegten Bahnlinie, befindet sich das Haus Kellerstraße 26, das vermutlich aus dem späten 18. Jh. stammt, und seine heutige Ausformung im Zeitalter des Historismus etwa um 1850 erhielt.
Komplett, aber sehr sanierungsbedürftig
Das zuletzt vom örtlichen Jagdleiter bewohnte Bauernhaus, sollte nach dessen Tod eigentlich am Immobilienmarkt angeboten werden, war aber in einem abgewohnten und wenig reizvollen Zustand, sodass im Ort meist von einem Fall für eine klassische „Baggersanierung“ gesprochen wurde.
Das kam dem jetzigen Eigentümer, der als erfahrener Immobilienfachmann kaum Berührungsängste zu in die Jahre gekommenen Häusern hat, zu Ohren und er erwarb das Objekt auf 1.400 m2 Grund im Jahre 2015, um es nach der Sanierung und Restaurierung als Nebenwohnsitz, Entspannungsoase und Veranstaltungsort zu nutzen.
Der lang gehegte Wunsch des Haugsdorfers war es, ein altes Haus, das lebendig ist und Charakter hat, zu erwerben. Deshalb nahm er auch den Mehraufwand für die umfangreiche Sanierung, mit der bereits im Dezember desselben Jahres begonnen wurde, gerne in Kauf. Diese aufwendigen Bauarbeiten im authentischen Stil und mit zeittypischen Materialien wurden von erfahrenen Facharbeitern sehr ambitioniert umgesetzt und sind, wie die Bilder zeigen, auch gut gelungen.
Traditionelle regionale Bauform
Beim ehemaligen Hof einer kleinen Winzerfamilie handelt es sich um ein Streckgehöft, aus eng hintereinander gebauten Wohn- und Wirtschaftstrakten, die im rechten Winkel mit der Giebelseite des Wohnhauses zur Kellerstraße hin, platziert sind. Diese Bauform ist im niederösterreichischen Weinviertel, aber auch z. B. im Burgenland, sehr verbreitet und kann im Dorfmuseum Niedersulz eingehend betrachtet und studiert werden.
Bei unserem Objekt grenzt die in den Garten auslaufende und von einem Stadl abgeschlossene Längsseite mit samt dem sogenannten Hintaus an eine Nebenstraße. An der anderen Seite wird der schmale Hof durch die Wand des Nachbarhofes und einen heute wieder von Schweinen bevölkerten Stalltrakt begrenzt. Die beiden getrennt erreichbaren Wohnräume umfassen jeweils 40 und 90 m2. Für den aktuellen Ausbau wurde zusätzlich ein ehemaliger und lange Zeit nicht mehr genutzter Kuh- und Ziegenstall erschlossen.
Es gab viel zu tun
Aufgrund des heruntergekommenen Zustandes blieb bei der Sanierung der Gebäude in manchen Bereichen tatsächlich „kein Stein auf dem anderen“. So wurde etwa der Dachstuhl komplett abgedeckt, beschädigte Träger, Latten und Sparren wenn nötig ausgetauscht bzw. verstärkt und anschließend wieder mit den originalen Dachpfannen versehen. Für zeitgemäßen Wärmeschutz sorgt nun eine Innendämmung aus diffusionsoffenen Hanfplatten und -granulat.
Der historische Innenhof wurde bis maximal 75 cm Tiefe ausgekoffert, um die darin verborgenen Leitungen und das Schüttmaterial zu erneuern. Anschließend wurde das neu entstandene Planum wieder mit dem ursprünglichen Kleinpflaster überdeckt. Es mussten auch alle Innenräume saniert werden. Im an die Gründung anschließenden Bereich waren die Mauern teilweise sehr feucht und es gab Vertiefungen und Fugen im Mauerwerk bis zu 30 cm. Zur Abdichtung gegen die aufsteigende Feuchte gelangten daher verschiedene Technologien wie z. B. die Injektion und der Spaltverguss mit Epoxydharz zum Einsatz. Eine Zeit lang wurde auch trockengeheizt. Die Energie dazu stammte aus dem Solarstrom der im Garten angebrachten Photovoltaikzellen. Beratungen zum Thema Denkmalschutz waren in einigen Bauphasen sehr hilfreich und stellten auch sicher, dass die richtigen und für die damalige Zeit korrekten Materialien wie Trassitputze, Kalkfarben etc. verwendet wurden.
Um mehr Raum beim Betreten des Hauses zu erhalten, wurde der tatsächlich nutzbare Hauseingang verbreitert, indem die Bodentreppe klappbar ausgeführt wurde. Böden aus Lärchenholz, Ziegel- und historische Fliesen wurden neu verlegt und die Wände neu ausgemalt. Zur Erneuerung der Elektroinstallationen gehören auch Schalter und Steckdosen in Bakelitoptik, wie sie in den frühen Jahren dieser Technologie üblich waren. Auf der Straßenfassade wurden die alten Kastenfenster restauriert und weiterverwendet, an der Längsseite wurden neue Kastenfenster verbaut.
Ein feines Platzl zum Genießen
Der Bauherr und seine Familie betrachten ihr historisches Juwel als einen Ruhepol mit Platz für die Haltung der bereits erwähnten Schweine, sowie einer kleinen Gänseschar, die alle Passanten und Besucher lautstark ankündigt. Im zum Hof gehörenden Gemüse- und Kräutergarten wird ein wenig Eigenversorgung betrieben und neben dem Schweinestall gibt es sogar einen Raum mit einer Brennbirne zur Herstellung von hauseigenem Schnaps. Genau wie es früher hier allgemein üblich war.
Zur Zukunft seines wiedererstandenen Winzerhauses befragt, erklärt der Bauherr: „Schön wäre, wenn unser Haus einmal als Drehort für einen Film genutzt werden würde. Bisher haben wir schon kleinere Veranstaltungen hier gehabt, hauptsächlich im privaten Kreis, wie z. B. eine Hochzeit oder gesellige Zusammenkünfte. Solche Dinge wollen wir in Zukunft öfter machen. Was mich aber besonders freut, ist, wenn die Kinder aus dem Dorf mit ihrer Lehrerin herüberkommen und ganz begeistert unsere Tiere füttern und beobachten. Da geht einem die Seele auf und man weiß, dass man einiges richtig gemacht hat.“