Erweiterung des Mauritiushofs

Der Mauritiushof blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Das Gebäude, ursprünglich ein zur Kirche gehörendes Kloster, entstand im 13. Jahrhundert. Der Architekt stand vor der Aufgabe, einen Baukörper zu schaffen, der sich respektvoll in die historisch gewachsene Umgebung einfügt und gleichzeitig eine eigenständige architektonische Sprache spricht.
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ÜBERNACHTEN IM WEINGUT | Erweiterung des Mauritiushofs in Spitz

Die Erweiterung des Mauritiushofs ist ein gelungenes Beispiel für eine Ortskernverstärkung. Hier verbindet sich historische Bausubstanz mit zeitgemäßer Architektur. Franz-Josef Gritsch führt in siebter Generation die Leidenschaft für den Weinbau weiter – eingebettet in einen Ort im UNESCO-Weltkulturerbe Wachau.

An der Donau, wo sich der Fluss durch die Wachau schlängelt und steile Weinterrassen die Hänge hinaufklettern, liegt Spitz – ein Weinbauort, dessen Wurzeln bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. „Es gibt Plätze, welchen ein besonderer Zauber innewohnt – die Wachau ist genau so ein Ort“, beschreibt der Winzer seine Heimat. Mitten im gewachsenen Ortskern steht der Mauritiushof. Seit Mai 2025 unterliegt der Ort einem Ensembleschutz, der die historische Bausubstanz und das charakteristische Ortsbild bewahren soll.

Schichten an Geschichte
Der Mauritiushof blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Das Gebäude, ursprünglich ein zur Kirche gehörendes Kloster, entstand im 13. Jahrhundert. Der gotische Kern wurde im 16. Jahrhundert erweitert. Seit mehr als 200 Jahren, mittlerweile in siebter Generation, ist das Anwesen im Besitz der Familie Gritsch und dient seither als Weingut. Stets wurde der Betrieb weiterentwickelt. Heute dient der vordere, zur Straße gelegene Teil des historischen Gebäudes als privater Wohnsitz der Familie. Im hinteren Bereich finden sich vier Gästezimmer.

Zum historischen Gebäudeensemble gehörte ursprünglich auch ein alter Holzstadl, der straßenseitig neben dem Mauritiushof stand. Was die wenigsten von außen vermuten: Unter dem ehemaligen Stadl erstreckt sich eine historische Kellerröhre aus dem 16. Jahrhundert – jener unterirdische Gewölbekeller, der dem gesamten Areal seinen Denkmalschutzstatus verleiht. Betreten wird dieser vom Mauritiushof aus. Von dort führt ein Kellerabgang hinunter zur Vinothek, wo noch heute die alte Baumpresse aus dem Jahr 1805 steht – bis 1992 wurden mit ihr Trauben gepresst. Steigt man weitere Stufen hinab, erreicht man die denkmalgeschützte Kellerröhre. Ziegelboden und Ziegelgewölbe prägen den Raum. Hier wurde einst der Wein in Holzfässern gelagert. Im Zuge der Umbauarbeiten wurde ein umlaufendes Fundament angelegt, um die Kellerröhre zu schützen, sodass keine zusätzliche Last auf dem Gewölbe liegt.

Alt und Neu
Die Planung stand von Beginn an unter besonderer Beobachtung: Das Bundesdenkmalamt und der UNESCO-Welterbebeirat begleiteten das Projekt eng. „Behutsam und sensibel um- und weiterbauen“, so lautete das Ziel. Der Architekt stand vor der Aufgabe, einen Baukörper zu schaffen, der sich respektvoll in die historisch gewachsene Umgebung einfügt und gleichzeitig eine eigenständige architektonische Sprache spricht. Zu Beginn der Umbauarbeiten kam eine besondere Entdeckung zum Vorschein: Beim Abtragen des alten Stadls fand sich ein Fragment der historischen Stadtmauer von Spitz – sogar mit erhaltener Schießscharte. Dieses unerwartete Zeugnis der Vergangenheit wurde sorgsam saniert und geschickt ins neue Konzept integriert. Die freigelegte Mauer aus Naturstein wurde zum verbindenden Element von Alt und Neu.
Bei der Formensprache des Neubaus war es wichtig, ins Ortsbild zu passen. Ein verglaster Zwischentrakt teilt die Baukörper und erzeugt die charakteristische Kleinteiligkeit des Ensembles. Auch bei der Dachlandschaft orientierte man sich am historischen Bestand: Zur Straße hin entstanden Walmdächer, zum Hof hin Satteldächer. Natursteinmauerwerk im Sockelbereich und verputzte Fassadenflächen schaffen eine harmonische Verbindung zwischen den Jahrhunderten.

Ortskernstärkung mit Weitblick
Heute präsentiert sich der Mauritiushof als gelungenes Ensemble, in dem Vergangenheit und Gegenwart eine spannungsvolle Einheit bilden. Im historischen Gebäudeteil finden sich vier Ferienwohnungen. Arkadengang, Kreuzgewölbe, Stuckdecken und historische Kastenfenster bewahren den Charakter der alten Gemäuer. Der Zubau beherbergt weitere vier Einheiten, darunter das großzügige Loft im Dachgeschoß. Insgesamt acht Ferienwohnungen stehen Gästen zur Verfügung, die inmitten der Wachauer Weinberge wohnen möchten. Von allen Zimmern aus eröffnet sich der Blick auf die umliegenden Weinhänge, manche gewähren auch den Ausblick auf die Donau.
Im Erdgeschoß des Neubaus ist der Verkostungsraum untergebracht – ein Ort, an dem Gäste die Weine des Hauses kennenlernen können. Im ersten Obergeschoß befinden sich die dazugehörigen Büroräumlichkeiten. Hochwertige Materialien in handwerklich perfekter Verarbeitung prägen die Innenräume und schaffen eine Atmosphäre, die der Qualität der hier produzierten Weine gerecht wird.

Eigentümer: Franz-Josef Gritsch
Planung: Ritzinger Architektur ZT GmbH
Autorin: DI Barbara Calas-Reiberger
Fotos: Romana Fürnkranz