SCHIFFFAHRTSMUSEUM IN SPITZ AN DER DONAU

Bis in die 1960er-Jahre beherbergte das herrschaftliche, jedoch desolate Gebäude Familien in mehreren Mietwohnungen. Nach der 1962 bis 1969 erfolgten Renovierung entstand in kongenialer Zusammenarbeit von Sammler Otto Meißinger und Dr. Kurt Schaefer – seines Zeichens Architekt und Modellbauer – auf Vereinsinitiative 1970 das bis heute mustergültig geführte Schifffahrtsmuseum Spitz.
Historisches Gebäude mit Turm und vielen Fenstern, gepflegter Vorplatz, mehrere parkende Autos, sonniger Tag mit blauem Himmel, grüne Bäume im Hintergrund.
Ausstellungsraum mit historischen Schiffsmodellen und Figuren in Vitrinen, Holzfußboden, weißen Wänden und Fenstern im Hintergrund; Kopfhörer am Tisch befestigt.

Wer Kontemplation sucht, begibt sich vorzugsweise in ein klösterliches Umfeld. In der Tradition des Benediktinerordens aber ist das tätige Schaffen einer frommen Übung ebenbürtig.

Und wo Wein gedeiht, lässt körperliche Arbeit nicht lange auf sich warten, so auch in Spitz an der Donau. Einst Ansitz des Benediktinerstiftes Niederaltaich steht als eindrucksvolles Beispiel eines Lesehofs eingangs zum Spitzer Graben der Erlahof. Dieser bildet „vor allem aufgrund seines außergewöhnlich guten Erhaltungszustands und des Umstands, dass sich hier repräsentative bauliche Ausgestaltungen sowohl für das Spätmittelalter als auch im Spätbarock – also in den Anfangs- und Endphasen der klösterlichen Nutzung, gut greifen lassen, eines der wichtigsten bauhistorischen Objekte für das Verständnis des Phänomens der Wachauer Klosterhöfe“, wie Alarich Langendorf und Andreas Steininger festhalten.

Seit 2020 dokumentiert hier ein hochkarätiges Team des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit IMAREAL der Universität Salzburg mit Sitz in Krems dieses besondere bauliche Spezifikum der Region.

Das kastenförmige Haupthaus des Erlahofs zeigt sich beim Betreten des Areals über eine Brücke von seiner Längsseite. Das zweigeschoßige Gebäude mit schlichter symmetrischer Fassadengliederung wird von einem zwiebelhelmbekrönten Fassadenturm überragt. Der Einlass liegt in diesem direkt unter einem Balkon; der ursprüngliche Zugang erfolgte von jener Schmalseite, die der früheren Mühle zugewandt ist. Diese östliche Giebelfront des schlossartigen Bauwerks ist signifikant prunkvoller gestaltet. Unter dem geschweiften Giebel wechseln kreisrunde Putz-Tondo-Verzierungen einander mit Nischen ab, die mit Putti ausgestattet sind, welche jedoch nicht der Original-Bestückung entsprechen. Bei der geplanten Sanierung der Fassade wird die Rückführung in die historische Farbgebung erfolgen: im Fall der Nischen ein ziegelfarbenes Altrosa. Auf der Höhe des Dachbodens bilden zwei queroval geformte Luken eine horizontale Unterbrechung. Ebenfalls zum Einsatz kommt das Gestaltungselement des Pilasterkapitells. In analoger Bauweise tritt die westliche Schmalseite mit weniger Schmuck, jedoch erhaltenen Seitenelementen auf. Mit dem verbliebenen nordwestlichen eingeschoßigen Seitentrakt bildet das Bauwerk eine L-Form. Die Betreuung der gewissenhaften Instandhaltung wird vom Bundesdenkmalamt – maßgeblich unter Beratung von Dr. Gerold Eßer – begleitet, so wurde u. a. im Mai 2024 das Schindeldach mit Tiroler Lärche erneuert und im November 2023 der Dachstuhl generalüberholt.

Der Name des Lesehofs leitet sich von der Freibauern-Familie Erla ab, von der Niederaltaich im 13. Jahrhundert das Anwesen erworben hatte. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Präsenz des bayerischen Stiftes als Weinproduzent in der Wachau belegt. Unter Abt Joscio Hamberger (1667–1739) wurde der Erlahof im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts in seiner Blütezeit barockisiert. Doch selbst Niederaltaich entging in der Zeit der Napoleonischen Kriege nicht einer Säkularisierung, und so folgten ab 1803 knapp 150 Jahre, in der private Besitzer die Geschicke des Hauses bestimmten, bis 1940 nach einer Zwangsversteigerung die Marktgemeinde Spitz auf den Plan trat. Bis in die 1960er-Jahre beherbergte das herrschaftliche, jedoch desolate Gebäude Familien in mehreren Mietwohnungen. Nach der 1962 bis 1969 erfolgten Renovierung entstand in kongenialer Zusammenarbeit von Sammler Otto Meißinger und Dr. Kurt Schaefer – seines Zeichens Architekt und Modellbauer – auf Vereinsinitiative 1970 das bis heute mustergültig geführte Schifffahrtsmuseum Spitz.

Seit 2006 führt die museale Inszenierung von Susanne Hawlik und Franz Pötscher (Büro für Museumskonzepte und -beratung) „Stromaufwärts. Stromabwärts“, wie die gleichnamige Publikation von Christa Wöginger anschaulich dokumentiert. „Das Schifffahrtsmuseum Spitz versteht sich als Bewahrer eines kulturellen Erbes“, unterstreicht Museumsleiterin Susanne Zanzinger und verleiht dieser Haltung durch unermüdliches Engagement tatkräftig Ausdruck.

Um die reich ausgestatteten Innenräume in ihrer vollen Pracht zu erfassen, sei die Beschreibung der IMAREAL-Experten unter https://www.wachauer-klosterhoefe.at/klosterhof/27-erlahof-1/ empfohlen. Der barrierefreie Rundgang durch das – laut Industriearchäologen Andreas Krainz – „schönste Flussschifffahrtsmuseum Europas“ beginnt im Erdgeschoß in einer Pfeilerhalle mit Stichkappengewölbe und führt über ein Vestibül mit einer Biblia-Pauperum-Wandmalerei aus dem 14. Jahrhundert im Obergeschoß, in dem Rocaille und Bandelwerk allgegenwärtig sind, durch sechs hochbarocke Räume, von denen der Prälatensaal besondere Erwähnung finden soll. Dessen reiche Ausgestaltung umfasst ein Deckengemälde mit Marienmotiv und bildliche Darstellungen aus dem Leben des hl. Benedikt in Form von Eckmedaillons sowie Gemälden. Sowohl das südliche als auch das nördliche Portal sind in ihrer Gestaltung mit Insignien und Löwen Ausdruck von herrschaftlichem Selbstverständnis, denn als Verwaltungssitz repräsentierte der Erlahof den bayerischen Einfluss überregional und lädt im Heute als Museum seine Gäste zu erquickender Einkehr.

Autorin: Dr.in Theresia Hauenfels
Fotos:     Romana Fürnkranz