Schloss Stetteldorf

Auf der höchsten Stelle des Wagrams erhebt sich wehrhaft Schloss Stetteldorf. Unter Bauherr Julius II. Graf von Hardegg (1547–1593) wurde das Schloss ab den 1580er-Jahren entlang einer dominanten Nord-Süd-Achse L-förmig mit Ehrenhof „auf offenen Wasen errichtet“ (Rudolf Büttner/Renate Madritsch, 1987), was bedeutet: ohne direkten Vorgängerbau.
Eleganter historischer Schlossinnenhof mit symmetrisch angeordneten Gebäuden, großen Fenstern, verziertem Portal, dekorativen Pflanzen sowie blauem Himmel mit verstreuten Wolken.
Prunkvoller Barocksaal mit verzierten Wänden und Decke, Kronleuchter, antiken Möbeln, großen Fenstern, Holzparkett und eleganten Stühlen in gelbem Stoffbezug.

Wenigen Schlössern in Niederösterreich ist es vorbehalten, schon von weithin sichtbar Unentwegtheit auszustrahlen. Auf der höchsten Stelle des Wagrams erhebt sich wehrhaft Schloss Stetteldorf.

Unter Bauherr Julius II. Graf von Hardegg (1547–1593) wurde das Schloss ab den 1580er-Jahren entlang einer dominanten Nord-Süd-Achse L-förmig mit Ehrenhof „auf offenen Wasen errichtet“ (Rudolf Büttner/Renate Madritsch, 1987), was bedeutet: ohne direkten Vorgängerbau. Die Pläne stammten von Andreas Piazoll, der in einer verarmten Schweizer Auswanderungsregion aufwuchs, deren Baukünstler ihre umfassenden Kenntnisse in Europa verbreiteten. „Im 15. und 16. Jahrhundert wurden in Österreich, Ungarn, Polen, Böhmen und im Balkan Festungsbaumeister benötigt, um Burgen, Stadtmauern usw. gegen die Invasion der Türken zu bauen“, schreibt die Schweizerische Kirchenzeitung auf ihrer Website über diese Tessiner Künstler.

Dem Autorentrio Gerhard Reichhalter, Karin und Thomas Kühtreiber (Burgen im Weinviertel, 2005) zufolge basiert der Bau auf dem Typus eines „Corps de Logis“, also einem Wohntrakt, jedoch sei es in der Systematik auch einem „Festen Schloss“ nahe. Die Funktion einer Fluchtburg war oft Teil der Verpflichtungen der Grundherrschaft. Inmitten des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde um 1630 auf drei Seiten des Schlosses ein Verteidigungswall angelegt und an der Südseite der Abhang des Wagrams einbezogen. An allen vier Ecken wurden Basteien errichtet, auf denen Kanonen aufgestellt wurden. Entlang der Nord- und Ostseite entstand ein Wehrgang mit Schießscharten. Durch diese Verteidigungsmaßnahme wurden bei der Belagerung durch versprengte schwedische Truppen zwar massive Schäden angerichtet, jedoch Schloss Stetteldorf nicht eingenommen.

Während der „Zweiten Türkenbelagerung“ von Wien fand am 4. September 1683 und nur wenige Tage vor der Schlacht am Kahlenberg unter Führung des polnischen Königs Jan III. Sobieski (1629–1696) ein Kriegsrat mit Herzog Karl V. Leopold von Lothringen (1643–1690), deutschen Fürsten und dem jungen Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) statt, wie Georg Stadiot berichtet. Nach dem legendären Heerführer ist der zweigeschoßigen „Sobieski-Trakt“ an der West-Seite benannt, dessen Renaissance-Anmutung bis heute erhalten ist. Die geometrische Ornamentik des Stucks am Gewölbe ist sichtbares Zeichen einer kunstgeschichtlichen Epoche, die in den übrigen Gebäudeteilen Stetteldorfs barock überformt wurde. Leider sorgte 1749 ein Erdbeben dafür, dass der maßgebende Renaissance-Turm einstürzte.

Das dreigeschoßige Hauptgebäude mit Schopfwalmdach wurde 1699–1703 mit einem zentralen Portal und einem neuen Stiegenhaus ausgestattet, aber auch die Fassade wurde umgestaltet: in der künstlerischen Handschrift des ebenfalls aus dem Tessin stammenden Johann Jakob Castelli, gemeinsam mit Domenico Martinelli, auf den der Fassadenschmuck zurückgehen könnte. Als Freund und Trauzeuge eines Hardegg „verlieh“ Prinz Eugen seinem Architekten Johann Lucas von Hildebrandt anlässlich einer Doppelhochzeit in der Familie die Gestaltung der zu diesem Anlass errichteten – und auf 1731 datierten – freistehenden Toranlage, so der Schlossherr.

Georg Stradiot, Enkel einer Stetteldorfer Hardegg, erwarb Schloss und Gutsverwaltung des zuvor in fremde Hände gekommenen Besitzes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der übermalte Freskensaal von 1770 im ersten Stock mit den Darstellungen der Grundherrschaft Stetteldorf freigelegt. Der beeindruckende Festsaal im zweiten Stock mit Wandbespannungen (Tempera auf Leinwand) aus dem Jahr 1774 mit exotischen Darstellungen des Bergl-Schülers Andreas Jäger wartet nach seiner Zerstörung in der Besatzungszeit noch auf seine Restaurierung. Als Herzstück bildet der Festsaal einen Angelpunkt entlang der Nord-Süd-Achse: Die nordseitigen Fenster führen den Blick auf die Doppelallee oberhalb des Wagrams, entlang derer die Portale aufgefädelt sind; die südseitigen Fenster orientieren sich zur Allee unterhalb des Wagrams, an dem der schlosseigene Weingarten und der historische Garten liegen.

Schloss Stetteldorf ist bei Veranstaltungen unter der künstlerischen Leitung von Hausherrin und Musikexpertin Brigitte Stradiot zugänglich. Besichtigungen können via office@gvs-holding.at angefragt werden.

Autorin: Dr.in Theresia Hauenfels
Fotos:     Romana Fürnkranz