STADTTHEATER BADEN

Der künstlerische Leiter Andreas Gergen positioniert das Haus vorwärtsweisend: „Die Bühne Baden steht für Musiktheater mit Strahlkraft – weit über die Grenzen Badens und Niederösterreichs hinaus. Die Bühne Baden soll ein Ort bleiben, an dem Qualität, Emotion und künstlerischer Anspruch Hand in Hand gehen, mit exklusiven Produktionen, mutigen Erstaufführungen und einem klaren internationalen Blick.“
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Beim Theaterbesuch zeigen sich gesellschaftliche Rangunterschiede mitunter in der architektonischen Gestaltung der Ränge im Zuschauerraum.

So auch in der Staffelung der Sitzplatzreihen, deren Hierarchie Einfluss auf die freie Sicht auf das Bühnengeschehen zu nehmen vermag. Als in Baden das Jubiläums-Stadttheater der Architekten Ferdinand Fellner (1847–1916) und Hermann Helmer (1849–1919) mit seiner Eröffnung 1909 den historischen Vorgängerbau von Joseph Kornhäusel (1782–1860) ablöste, wurden dem Publikum zwei Ränge entlang einer eleganten Brüstungskurve offeriert, und nicht – wie mancherorts – das weniger zahlungskräftige Klientel im Juchee eines dritten oder vierten Ranges platziert. Ein wichtiges Anliegen war dem berühmten Theaterbau-Duo Fellner & Helmer, das vom Volkstheater Budapest (1875) über das Nationaltheater Zagreb (1895) bis zum Wiener Konzerthaus (1913) mit über vierzig Schauspielhäusern seine Spuren in der Donaumonarchie und weit darüber hinaus sogar bis Zürich oder Berlin hinterließ, die Einheitlichkeit der Raumwirkung.

Im „Dehio Niederösterreich“ wird das Innere des Stadttheaters Baden als „neoklassizistisch, in Anlehnung an das örtliche Biedermeier, unter secessionistischem Einfluss […] reich dekoriert“ beschrieben. Die Übersichtlichkeit der Wege im Zuschauerraum war infolge des verheerenden Ringtheaterbrandes im Jahr 1881 und seinem Einfluss auf die neuen Feuerschutzbestimmungen von 1882 obligatorisch. So resümierte Fellner in seinem 1909 publizierten Vortrag „Die Entwicklung des Theaterbaues in den letzten fünfzig Jahren“ zur Beschäftigung mit der Thematik: „Ich konnte keine Nacht mehr verbringen, ohne von Notausgängen, Notlampen und dergleichen zu träumen.“ Weniger Ränge bedeuteten auch: schnellere Fluchtwege. Dass diese Änderung gesetzlicher Voraussetzungen detto in der Jetztzeit erforderliche Maßnahmen verlangen, zeigte die 2017 realisierte Schaffung zusätzlicher Rollstuhlplätze im Zuge der notwendig gewordenen Erneuerung der Bestuhlung.

Zu den Revitalisierungen und Renovierungen der vergangenen Jahrzehnte zählt weiters die 2015 erfolgte Adaptierung durch AHP, der sich der Denkmalbroschüre des Landes Niederösterreich Nr. 52 ebenso widmet wie der Theatergeschichte Badens im Allgemeinen. Erwähnt seien weiters die Instandsetzungsarbeiten 1977 bis 1979 sowie die Generalsanierung im Jahr 1959. Immer wieder galt es, die Technik zu modernisieren, ein Anliegen, das auch bei der Eingliederung des Hauses in die NÖKU-Bühne Baden-Struktur im Jahr 2009 stark forciert wurde. Im Zuge der Hausgeschichte wurden im Anlassfall sowohl Akustik als auch Beleuchtung sowie die Maschinerie der Bühneneinrichtung Erneuerungen unterzogen. Diese betrafen weiters die Belüftung und die Beheizung. Letztlich hatten ursprünglich auch technische Erfordernisse zur Entscheidung beigetragen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein neues Theater in der florierenden Kurstadt Baden zu errichten. Die Baukosten von einer Million Kronen wurde durch Spenden, insbesondere des Trabrennvereins, und einer großzügigen Finanzierung durch die Sparkasse Baden sowie die Beteiligung der Stadtgemeinde unter Bürgermeister Dr. Franz Trenner getragen, wie bei Alfred Kolbl (1928) oder Victor Wallner (1989) nachzulesen ist. In knapp einem Jahr entstand unter der Bauleitung von Alois Bohn während der Amtszeit des Badener Baudirektors Thomas Hofer der prächtige Kulturbau, dessen neoklassizistische Fassade bis heute am Theaterplatz den Ton angibt. Der künstlerische Leiter Andreas Gergen positioniert das Haus vorwärtsweisend: „Die Bühne Baden steht für Musiktheater mit Strahlkraft – weit über die Grenzen Badens und Niederösterreichs hinaus. Und wir wollen auch in Zukunft weiterhin berühren und verzaubern. Die Bühne Baden soll ein Ort bleiben, an dem Qualität, Emotion und künstlerischer Anspruch Hand in Hand gehen, mit exklusiven Produktionen, mutigen Erstaufführungen und einem klaren internationalen Blick.“

Im ebenfalls von Fellner & Helmer konzipierten „Batzenhäusl“, einem direkt anschließenden Wohngebäude, befand sich ursprünglich im ersten Stock ein Theaterrestaurant. Dass dieses unter dem historischen Namen bis heute – wenn auch nunmehr zu ebener Erde – als gastronomische Institution weiterbesteht, mag als Zeichen des Badener Savoir-vivre gelesen werden. Genießen, so scheint es, lässt es sich in der Kurstadt auf allen Etagen.

Autorin: Dr.in Theresia Hauenfels
Fotos:    Romana Fürnkranz