Um- und Zubau Haus Z in Zlabern

Ein kleiner Bauernhof aus den 1920er Jahren. Die Architekten Julia und Stephan Klammer-Zeleny wussten um den spezifischen Reiz des Ortes und setzten den Zubau sehr sensibel an den westlichen Bestandstrakt. Seine Proportionen passen gut ins gewachsene Gefüge: Er ist gerade ein Geschoß hoch, knapp vierzehn Meter lang und an seinem Ende sechs Meter breit, besonders gelungen ist der Übergang.
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DIE HOHE KUNST DER FUGE | Gemeinsam stark

Einen kleinen Bauernhof aus den 1920er-Jahren erweiterten die Architekten Klammer*Zeleny sehr gekonnt um einen zusätzlichen Trakt mit einer offenen Wohnküche und zwei sehr lauschigen Gästezimmern. Er bietet alles, was der Altbau nicht hat.

Im Herbstlicht zeigt sich die flache Feldlandschaft des Weinviertels mit den rotgelben Laubbäumen von ihrer besten Seite. Der Bauherrin fiel mit ihren zwei kleinen Mädchen in Wien die Decke auf den Kopf, die Suche nach ländlichem Grün führte eine knappe Dreiviertelstunde nördlich der Bundeshauptstadt nach Zlabern und endete genau am letzten Grundstück der winzigen Ortschaft.

Nah an der Landschaft
Dort stand ein altes Bauernhaus aus den 1920er-Jahren. Der nördliche Trakt des L-förmigen Gebäudes liegt direkt an der Bundesstraße, der westliche grenzt an Feldlandschaft. Im Schutz dieser beiden Gebäudeflügel liegt inmitten einer alten Mauer ein Garten mit einem uralten Nussbaum. Außerhalb der Mauer ändert er seinen Charakter. Dort stehen hinter dem westlichen Trakt einige Obstbäume, im Osten hat das ungehemmte Wachstum der Pflanzen so etwas wie Wildnis entstehen lassen.

Die Garage hinter dem großen, grünen Tor am Ende des Nordtrakts ist heute Lager. Zwischen Zimmern und Garten verläuft ein Umgang, der eine feine, differenzierte Raumschicht zwischen innen und außen bildet. Vor dem Nordflügel schaffen zart eingefasste, einfach verglaste Fenster, die sich bis um das Eck ziehen, eine Art Veranda, dahinter wird der ungeheizte Pufferraum zum offenen Arkadengang mit weißen, viereckigen Pfeilern unter den alten Stichkappen.

Die Bauherrin, die inzwischen eine dritte Tochter hatte, bat Architektin Julia Klammer-Zeleny das Haus zu begutachten. Es war ziemlich heruntergekommen, aber substanziell in Ordnung: das Dach dicht, das Mauerwerk trocken. „An der Fassade haben wir nicht viel gemacht“, sagt Klammer-Zeleny. „Aber am Boden lag nur gestampfter Lehm. Wir verlegten im ganzen Haus einen Schiffboden.“

Der Stall am Ende des Westtraktes wurde abgerissen und durch ein neues Badezimmer ersetzt, zwei Durchbrüche in der Wand verwandelten die Küche und ein Zimmer zur großzügigen Wohnküche. Damit war das Haus um ein extrem moderates Budget zum Wochenenddomizil geworden. Seither tauschte man die Fenster, ansonsten bewährte sich der erste kleine Eingriff fast zehn Jahre bestens.

Organisch eingefügt
Die ganze Großfamilie ist gern da, die Töchter sind erwachsen, eine weitere große Wohnküche, ein neues Bad und zwei Gästezimmer waren überfällig. Julia und Stephan Klammer-Zeleny wussten um den spezifischen Reiz des Ortes und setzten den Zubau sehr sensibel an den westlichen Bestandstrakt. Seine Proportionen passen gut ins gewachsene Gefüge: Er ist gerade ein Geschoß hoch, knapp vierzehn Meter lang und an seinem Ende sechs Meter breit, besonders gelungen ist der Übergang. Die neue Sanitäreinheit fungiert gleichermaßen als Einschnürung und Gelenk. Sie ist schmäler als Alt- und Neubau. Dadurch kann sie sehr elegant die breitere, schiefe Rückwand des unmerklich konisch zulaufenden Wohnraums und den Richtungswechsel des Zubaus aufnehmen. Dieser fasst so den Hof sehr sacht und stimmig ein: Seine Terrasse setzt die Arkade organisch fort und integriert sich gut in den Garten. Sie verläuft nämlich genau parallel zur gegenüberliegenden Mauer. „Das alte Bauernhaus ist sehr introvertiert, wir wollten unbedingt mehr Gartenbezug schaffen“, sagen die Architekten. Ebenso wichtig war es, sich in den Gästezimmern wirklich zurückziehen und das großfamiliäre Treiben hinter sich lassen zu können. Die Wohnküche öffnet sich also mit einer raumhohen Glasfassade und zwei Doppelglastüren zur Terrasse am Garten. Sie liegt drei Stufen über Rasenniveau. Das gibt ihr etwas Schwebend-Leichtes und geht auf einer Ebene zur angrenzenden Arkade über. Das ist wichtig: Denn der Übergang von Alt zu Neu erfolgt draußen.

Die Verglasung der offenen, neuen Wohnküche zieht sich bis zur eingeschnürten Sanitäreinheit ums Eck, in diesem gläsernen Stück Fassade betritt man auch den Raum bewusst von der Arkade aus: Das zelebriert den Übergang und die unterschiedlichen Qualitäten von Alt und Neu. Die Kälte und lauschige Geborgenheit des Altbaus im Winter, seine Kühle im Sommer, die Wärme, Weite und Offenheit der Wohnküche des neuen Zubaus. Das Architektenpaar hat ihn mit einer Sitzbank aus Eiche am neuen, gemauerten Kamin und einer integrierten Bibliothek an der eigens entworfenen, vom Tischler umgesetzten, hölzernen Stirnwand am Ende des Raumes geschmackvoll gestaltet. Dahinter liegen die beiden Zimmer. Auch sie sind möbliert und öffnen sich mit einer raumhohen Verglasung und Tür zu einer kleinen Terrasse am Hintergarten.

Hier befindet man sich schon jenseits der Gartenmauer, wo man sich Obstbäumen gegenübersieht und vielleicht im Erdkeller ein paar Köstlichkeiten findet.

Eigentümer: privat
Planung: Architekten Klammer*Zeleny
Autorin: DI Isabella Marboe
Fotos: Romana Fürnkranz