Wienerwald Cottage in Laaben

Ein Haus mit Geschichte, das ganz bewusst nicht perfekt sein will. Liebe zum Unfertigen macht dieses Projekt zu einem Plädoyer für eine Architektur mit Haltung
Moderner gelber Wohnhauskomplex mit spitzem Dach, großer Terrasse, Gartenmöbeln und gepflegtem Garten im Sonnenschein, umgeben von Bäumen und Natur, freundliche Atmosphäre.
Modernes Haus mit großen Glasfronten, Holzrahmen und begrüntem Garten, kombiniert mit gepflegten Sträuchern und natürlicher Umgebung im Hintergrund.

PURISTISCHE GEMÜTLICHKEIT | Wienerwald Cottage in Laaben

Ein Haus mit Geschichte, das ganz bewusst nicht perfekt sein will. Aus einem unscheinbaren Bungalow der 1970er-Jahre entstand ein vielschichtiges Ensemble aus Wohnen, Arbeiten und Leben. Mit Mauern, Höfen und einem feinen Gespür für natürliche Materialien entwickelte sich ein Ort, der Intimität schafft und gleichzeitig großzügig bleibt. Recycelte Baustoffe und die Liebe zum Unfertigen machen dieses Projekt zu einem Plädoyer für eine Architektur mit Haltung.

Begonnen hatte alles eher zufällig, als nämlich ein typisches Wienerwaldhäuschen in Laaben zum Verkauf stand und Michael Karasek sein Architekturbüro hierher verlegte. Heute ist auf dem Areal ein kleines Dörflein entstanden, mittlerweile ergeben zwei Bürogebäude und das Wohnhaus in ihrer hofbildenden Anordnung ein stimmiges Ensemble.
Bei der Planung des Außenbereiches waren Höfe für Karasek ein entscheidendes Wohlfühl-Element. Dieses Hof-Feeling schuf er sich in seinem Garten mittels Mauern, Treppen, kleinen Nebengebäuden, wie dem Saunahaus oder einem offenen gemauerten Kamin. Der „Jackpot“, wie es Michael Karasek nennt, war der ehrwürdige uralte Apfelbaum, der beim Kauf einer Nachbarwiese quasi „mitgeliefert“ wurde. Darunter steht heute eine Gartengarnitur der besonderen Art: ein riesiger Eichenpfosten als Tisch, rundherum Hocker aus alten Kastanienstämmen.

Im Garten findet man ein Vogelhaus, das aus zwei alten Feuerschalen konstruiert ist, einem Abfallprodukt der Stahlindustrie. In eine Gartenmauer wurde als Auflockerung und gleichzeitig auch als Sichtfenster ein Betonring eingebaut, der beim Kanalbau verwendet wird. Und: Hölzerner Gartenzaun war gestern, hier gibt es Zäune aus Betonstahlmatten.

Jedoch nicht nur im Außenbereich, sondern auch in den Innenräumen spielen Natur, natürliche oder recycelte Materialien die zentrale Rolle, jedoch bewusst fernab von Perfektion. Verwendet wurde auch hier, was da war oder sich finden ließ: alte Holzbalken, wiederverwendete Bretter oder auch 100 Jahre alte Eichenholzdielen, neu verlegt.

Es gibt im Innenbereich keine Lacke, keine Öle, dafür rohe Oberflächen, die altern dürfen. Materialien, die leben, sich verändern, Gebrauchsspuren zeigen. Michael Karasek macht dabei gleichzeitig aus der Not eine Tugend: „Bevor ich bei Luxusmaterialien oder Dingen aus hochwertigem Werkstoff eine Psychose kriege, wenn ein Kratzer entsteht, verwende ich lieber gleich alte, schöne und gleichzeitig natürliche Materialien.“

Kunst als verbindendes Element
Das puristische, aber warme Zuhause, das hier entstand, wirkt auch aufgrund der sorgfältig ausgesuchten und überlegt platzierten Kunstwerke. Es gibt im Haus klare Sichtachsen, bei denen die Kunstwerke eine große Rolle spielen, sie fokussieren und leiten den Weg. Die Kunst ist hier also nicht nur Dekoration, sondern Teil des Raumkonzepts. Die Räume geben den Werken einen Rahmen, und die Werke beeinflussen, wie man die Räume wahrnimmt.

Karasek selbst sieht sich nicht als Kunstsammler, er liebt schöne Dinge und hat Affinität zu Kunst, die zumindest in übertragenem Sinn mit Architektur zu tun hat. So gibt es auch bereits Überlegungen für die nächste Investition in ein Nachbarhaus, in dem eine Galerie, ein Kunstatelier und ein Bioladen geplant sind. Er möchte dort nur schöne Dinge verkaufen: „Wenn man kreativ ist, kann man eine Menge Sachen recyclen und etwas neues Schönes d´raus machen“, freut er sich auf das Projekt.

Ab Frühling übernehmen jedenfalls einmal drei bretonische Zwergschafe das Mähen der äußeren Teile der Wiesen, die zwischen den Gebäuden liegen, wie er erzählt, und man bekommt den Eindruck, Michael Karasek hält es wie Pippi Langstrumpf: Er macht sich seine Welt, genau so, wie sie ihm gefällt!

Eigentümer: Katrin und Michael Karasek
Planung: Baukooperative GmbH | DI Michael Karasek
Autorin: Susanne Haslinger
Fotos: Wolfgang Spekner