Zisterzienserstift Lilienfeld

Allgegenwärtig zeigt sich in Österreichs größter erhaltener mittelalterlicher Anlage die Präsenz einer Lilie, die sowohl in christlicher Symbolik vielschichtige Bedeutung trägt als auch besonderen heraldischen Wert besitzt.
Luftaufnahme eines historischen Klostergebäudes mit Uhrturm, umgeben von herbstlichen Wäldern und einem ruhigen Fluss in einer malerischen Hügellandschaft.
Historische Bibliothek mit kunstvoll verzierten Decken, antiken Holzregalen voller Bücher und großen Fenstern, die den Raum mit Tageslicht durchfluten.

Allgegenwärtig zeigt sich in Österreichs größter erhaltener mittelalterlicher Anlage die Präsenz einer Lilie, die sowohl in christlicher Symbolik vielschichtige Bedeutung trägt als auch besonderen heraldischen Wert besitzt.

Im Stift Lilienfeld verkörpert demgemäß eine Pilgerlilie das Andenken an den Ort, der eine der Hauptstationen auf der „Via Sacra“ am Weg von Wien über Heiligenkreuz nach Mariazell darstellt.

1202 vom Babenberger Herzog Leopold VI. (1176–1230) gegründet, steht Stift Lilienfeld für eine Architektur, die in ihrer Typologie beispielhaft die charakteristische Bauweise der Zisterzienser verkündet, wie Pius Maurer OCist in der Publikation „Campililiensia“ unter Bezugnahme auf Kurt Bleichers Studien zur Baugeschichte der Kirche von 2002 aufzählt, darunter „schlichte Formen, […] das Vermeiden von Malerei, das Verwenden von hellem Baumaterial […] sowie der Verzicht auf Außenputz“. Die gotische Abteikirche ist weithin sichtbar und über einen Kirchenhof zugänglich, der durch eine barocke Torhalle betreten wird. Das Miteinander der beiden in Niederösterreich dominanten Bauepochen erweist sich in Lilienfeld als spannende Fusion.

Dies stellt auch der 1709 vollendete Kirchenturm an der Westfassade der mittelalterlichen Kirche unter Beweis. Bei der Errichtung des Gotteshauses, das 1230 eingeweiht wurde, vollzog sich ein Wandel in der Konzeptionierung des Langhauses: vom ursprünglichen Hallenbau zur basilikalen Ausformung. In Architekturbeschreibungen der Lilienfelder Abteikirche wird der französische bzw. burgundische Einfluss namhaft gemacht. Unter dem gotischen Kreuzrippengewölbe entfaltet sich barocke Pracht, die bei der Umgestaltung der größten Kirche Niederösterreichs im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts integriert wurde. Bauforscher Adalbert Klaar beschrieb 1976 im Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, wie stark der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1740 in die gotische Raumkonzeption eingriff. 1976 wurde Lilienfeld von Paul VI. als päpstliche Basilika zur „Basilica minor“ ernannt und war Standort der Niederösterreichischen Landesausstellung.

Zu den weiteren architektonischen Besonderheiten des Ortes zählt der etwa 1210–1230 errichtete Kreuzgang, dessen ausgeprägte Gestaltung im „Dehio“ ausdrücklich erwähnt wird und dessen Errichtung laut Rainer Straub (2015) auf der Grundlage des Wissens um magische Zahlen beruht, interpretiert als ordnendes Prinzip göttlicher Vorsehung. Vom Kreuzgang mit seinen 300 Säulen erreicht man den quadratischen Kapitelsaal sowie das Brunnenhaus. Die ursprüngliche Brunnenbehausung fiel dem verheerenden Brand von 1810 zum Opfer, die heutige Fassung wurde im Zuge des Wirkens von Architekt Dominik Avanzo (1845–1910) in Lilienfeld als neugotischer Zentralbau 1886/87 realisiert.

Um sich der herausragenden „Geschichte, Kunst und Kultur des Zisterzienserstiftes Lilienfeld“ anzunähern, leistet die bereits zitierte Publikation „Campililiensia“ aus dem Jahr 2015 einen umfassenden Beitrag. Federführend bei der Barockisierung der Klosteranlage, zu der auch die Errichtung des neuen Konvents.

Autorin: Dr.in Theresia Hauenfels
Fotos:     Romana Fürnkranz