liche grundrissliche Lösungen auf ihre Funk- tionalität und Kompaktheit, auf Orientierung, Materialität und Konstruktion fachlich geprüft haben. Unterbleibt diese Prüfung, weil keine Entwurfsvarianten, sondern nur Angebote ver- glichen werden, schlägt das bei den Errich- tungs-, Betriebs- und Erhaltungskosten massiv negativ durch. Die Studie weist nach, dass die mit ersten Preisen prämierten Projekte in Architektur- wettbewerben in der Regel zu den jeweils kompaktesten Entwurfskonzepten zählen. Die Kompaktheit resultiert aus klug konzipierten Grundrissen und effizienten Erschließungs- systemen. Betrachten wir hingegen Entwürfe, die mit sehr hohen BGF-Werten auffallen, so sehen wir, dass die Umsetzung des Raum- und Funktionsprogramms nicht gelingt und ent- sprechend mehr an Erschließungs- und Kons- truktionsfläche benötigt wird. Anhand einer repräsentativen Palette an Bauaufgaben und Größenordnungen, von der Feuerwehrstation bis zum Krankenhaus, von Bildungsbauten bis zu unterschiedlich dimensionierten Wohnpro- jekten, zeigt die Studie, dass das Kostenrisiko alleine bei den Baukosten 18,3 % der Bausum- me des jeweiligen Siegerprojekts ausmacht. Dabei beanspruchen Architekturwettbewer- be, die dieses Kostenrisiko des Bauherrn bei sorgfältiger Durchführung minimieren können, durchschnittlich nur 0,7 % der kalkulierten Bau- kosten. Sie amortisieren sich daher durch- schnittlich um den Faktor von 18,8, bei den si- gnifikantesten BGF-Unterschieden sogar bis zu einem Faktor von 32. Architekturwettbewerbe geben somit über qualitativ hochwertige Ent- wurfslösungen und entsprechend niedrigere Baukosten ein Vielfaches der Verfahrenskos- ten an den Auslober zurück. Der Vergleich macht Sie sicher Eine neue Studie zeigt anhand von 40 Pro- jekten, dass alleine bei den Baukosten durch- schnittlich 18,3 % eingespart werden können, wenn das beste Konzept aus einer Reihe alter- nativer Lösungsvorschläge ausgewählt und umgesetzt wird. Verzichtet man im Vergabe- prozess jedoch auf den sorgfältigen Vergleich alternativer Planungskonzepte und vergibt die Leistungen nach Honorarangeboten, entsteht ein enormes und unbeherrschbares wirtschaft- liches Risiko. 39 der 40 untersuchten Projekte weisen Kostenrisiken aus, die den Bauherrn mit höheren Baukosten von bis zu 40 % belas- ten können. Der Wettbewerb ist darauf ausgerichtet, die beste Lösung für eine Planungsaufgabe zu finden. Der Zuschlag für den Planungsauftrag wird erst in nachfolgenden Verhandlungen mit dem siegreichen Planungsteam erteilt, wofür aber der Wettbewerb die inhaltlichen Grundla- gen mit einer Fülle an möglichen Entwurfskon- zepten liefert. Durch Konkurrenz und Vielfalt aller nur denkbaren Lösungsvarianten werden Qualitäten sichtbar, die hinsichtlich funktionel- ler Anforderungen, Architektur, Ökologie und nicht zuletzt Wirtschaftlichkeit geprüft und bewertet werden. Die Qualitäten des besten Projekts werden in der Analyse durch Vorprü- fung und Preisgericht objektiviert und im Ver- gleich mit allen anderen Entwurfsvorschlägen anschaulich vermittelt. Dieser Prozess sichert alle weiteren Entscheidungen ab – inhaltliche, wie etwa hochwertige Räume für unsere Kin- der im neuen Kindergarten, aber auch ökono- mische. Nicht „die Katze im Sack kaufen“ Wer ohne geprüftes Entwurfskonzept in Ver- handlungen um die Vergabe einer Planungs- dienstleistung eintritt, kann auch die denkbar schlechteste wirtschaftliche Lösung erhalten, gerade dann, wenn er ein „günstiges“ Pla- nungshonorar ausgehandelt hat. Wenn wir also davon ausgehen, dass ein Wettbewerb die Bandbreite möglicher Lösungen auf allen rele- vanten Ebenen aufzeigt, dann macht in Bezug auf wirtschaftliche Entscheidungsgrundlagen der Vergleich des besten mit dem schlechtes- ten Projekt das Kostenrisiko des Bauherrn in exakt kalkulierbaren Zahlen sichtbar. Eine seriöse Beurteilung der Wirtschaftlich- keit eines Bauprojekts setzt voraus, dass wir vor der Erteilung eines Zuschlags unterschied- 1 Diese und weitere Zahlen stammen oder sind hergeleitet aus Nikolaus Hellmayr: Data on the Economic Efficiency of Architectural Design Competitions; siehe Arch-E White Paper - Recommendations for Quality-based Procurement Processes by Using Architectural Design Competitions, 2025 (https://www.arch-e.eu/white-paper), und The Architects’ Council of Europe/Mirza & Nacey Research Ltd: The Architectural Profession in Europe – 2024 Sector Study, Brussels 2025 (https://ace-cae.eu/de/databank/#ace-sector-study/). Siehe auch CNAPPC (Hg.): After the Project. More Efficient Procurement for High-Quality Public Works. Rom, 2025. (https://ace-cae.eu/news/after-the-project-what-happens-after-a-public-works-tender/) 16 GESTALTE(N) Dr. Nikolaus Hellmayr Konsulent der Bundeskammer der Ziviltechnikerinnen und Zivil-techniker sowie der ZT-Kammer für Wien, Niederösterreich und Burgenland für Wettbewerbsfragen und Grundsätze der Verfah-rensbetreuung. Selbstständig als Wettbewerbsorganisator seit 1995 mit Büros in Wien und Graz.http://www.wettbewerbsorganisation.at/ Mobil: 0676 5669080Foto: Dr. Nikolaus Hellmayr