ORTSBILDKIDS BETON: NICHT ALLES GRAU IN GRAU ERWEITERE DEIN WISSEN Das römische Aquädukt „Pont du Garde“ errichtet vor rund 1.950 Jahren ton in Zeiten des Klimawandels zu den problematischsten Baustoffen. Das größte Problem ist die Herstellung von Zement, einem wichtigen Bestandteil von Beton. Dabei wird Kalkstein in großen Öfen auf sehr hohe Temperaturen erhitzt. Das verbraucht viel Energie und setzt hohe Mengen an CO₂ frei. In der Zementproduktion werden weltweit etwa sieben bis acht Prozent der menschengemachten CO₂-Emissionen ver- ursacht. Die gute Nachricht ist: Die Beton- und Zementindustrie arbei- tet intensiv daran, den Baustoff klimafreundlicher zu machen. Schon heute werden neue Zementsorten entwickelt, die deutlich weniger CO₂ verursachen. Außerdem wird immer mehr alter Beton recycelt und für neue Bauprojekte wiederverwendet. Auch neue Technologien machen Hoffnung. Forschende entwickeln Verfahren, mit denen das bei der Ze- mentherstellung entstehende CO₂ aufgefangen und gespeichert oder sogar weiterverwendet werden kann. Gleichzeitig setzen viele Unter- nehmen zunehmend auf erneuerbare Energien und energieeffizientere Produktionsanlagen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist, Beton sparsamer einzusetzen. Gebäude können heute oft so geplant werden, dass sie mit weniger Material (z. B. Leicht- und Porenbeton) auskommen, ohne in statischer oder bauphysikalischer Hinsicht im Nachteil zu sein. Außer- dem werden Beton, Holz und Stahl immer häufiger miteinander kombi- niert. So nutzt man die Vorteile jedes einzelnen Baustoffs. Forschende und Unternehmen arbeiten an klimafreundlicheren Betonen, die recycel- te Materialien enthalten oder weniger Zement benötigen. So entwickelt sich Beton ständig weiter. Entscheidend ist, ihn möglichst nachhaltig herzustellen und verantwortungsvoll einzusetzen. Neue Technologien, Recycling und bessere Bauweisen zeigen, dass sich viel verändert. Wenn das Material in Architektur „gegossen“ wird, kann Beton mit den richtigen Lösungen sogar ein Teil der Antwort auf die Klimakrise sein. Mag.a Dr.in Gabriele Kaiser 16 GESTALTE(N) Material mit langer GeschichteDer Baustoff Beton gilt als Errungenschaft der Moderne, dabei reicht seine Geschichte mehr als 2.000 Jahre zurück. Bereits im antiken Rom gab es eine Art Beton – ein Gemisch aus Kalk, vulkanischer Asche und Gestein. Dieser sogenannte „römische Beton“ war außergewöhnlich solide und wurde für Bauwerke wie das Pantheon oder für Aquädukte verwendet. Viele dieser Bauwerke stehen bis heute. Nach dem Unter-gang des Römischen Reiches geriet das Wissen über die Herstellung von Beton lange Zeit in Vergessenheit, erst im 18. und 19. Jahrhundert begann man erneut, mit ähnlichen Bestandteilen zu experimentieren. Einen Durchbruch brachte 1824 die Entwicklung des Portlandzements durch den englischen Maurer Joseph Aspdin. Portlandzement ist ein hydraulisches Bindemittel aus Kalk, Ton und Gips, das aufgrund chemi-scher Reaktion mit Wasser sowohl an der Luft als auch unter Wasser erhärtet. Der Portlandzement bildet bis heute die Grundlage für moder-nen Beton. Am Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierte der soge-nannte Eisenbeton (heute Stahlbeton) das Bauwesen. Durch die Kom-bination von Beton und Stahl (Bewehrungseisen) konnte die Zug- und Druckfestigkeit der Konstruktionen erheblich verbessert werden, Beton wurde zum Symbol des technischen Fortschritts und ermöglichte völlig neue Formen der Architektur. Dieser Formenreichtum, aber auch eine aus heutiger Sicht sorglose Bauwut spiegelt sich in den Megastrukturen und Sichtbetonbauten der 1960er- und 1970er-Jahre, die als Ikonen des Industriezeitalters gefeiert werden.Heute spielt Beton eine wichtige, wenn auch zwiespältige Rolle im Bauwesen. Stahlbeton ist in unserer verbauten Welt allgegenwärtig: Für Brücken, Straßen, Wohnsiedlungen und Hochhäuser ist es der Werkstoff der Wahl, wird aber zunehmend auch kritisch hinterfragt.Beton im Wandel Weil Beton robust, frei formbar und wirtschaftlich ist, kommt er welt-weit in nahezu überall zum Einsatz. Da aber seine Herstellung viel Koh-lendioxid (CO₂) freisetzt und große Mengen an Sand benötigt, zählt Be-Fotos: Adobe Stock, François Houssin