ZIEGEL AUF ZIEGEL – Denkmalworkshop zur fachgerechten Sanierung von Sichtziegelmauerwerk

Falsche Reinigungsmethoden, ungeeignete Ersatzmaterialien und nachteilige Veränderungen des Fugenbildes führen im Umgang mit historischem Sichtziegelmauerwerk zu immer größeren Problemen. Die Praxis zeigt, dass unsachgemäße Sanierungen mehr Schaden als Nutzen erzeugen und mehr zum Verlust als zur Erhaltung von wertvollen Altobjekten führen können.

Anlass für das Informations- und Weiterbildungszentrum Kartause Mauerbach des Bundesdenkmalamtes diesem Thema einen mehrtägigen Fachworkshop zu  widmen und Maurer und Restauratoren, sowie Mitarbeiter des Bundesdenkmalamtes, der Wiener Stadtverwaltung und sogar der Festung Hohensalzburg fachgerecht zu schulen. Als Seminarort und Übungsobjekt wurde das spektakuläre Fabriksgebäude der Hammerbrotwerke in Schwechat ausgewählt, ein Jugendstiljuwel von besonderem künstlerischem und historischem Wert. Herausfordernd schien auch das Zusammenspiel der verschiedenen Materialien – Sichtziegel, Beton- und Keramikfliesen, sowie unterschiedlich strukturierte Putzflächen. „Und das alles noch mit einem harmonisch gealterten Erscheinungsbild mit homogener Patina – einfach ideal für einen Workshop in dem verschiedene Sanierungsmaßnahmen erprobt werden soll“, erzählt Mag. Astrid Huber vom Bundesdenkmalamt, die diese Initiative ins Leben gerufen hat. Der Workshop widmete sich vier pressierenden Hauptproblemen:

Nicht fachgerechte Reinigung der Ziegeloberflächen
Viel zu oft wird der Ziegel durch aggressive Reinigungsmethoden irreversibel geschädigt. So führt massives Sandstrahlen der Oberfläche nicht nur zum Verlust der Patina, sondern auch zu einer mikroskopisch vielfachen Vergrößerung der äußeren Oberfläche, die damit mehr Angriffsfläche für Wasser und Schmutz bietet und den Ziegel gravierend schwächt. Dabei wäre der Erhalt der homogenen Patina schon aus ästhetischen Gründen unerlässlich. Die einzig gangbare Methode ist lediglich das Abspritzen mit Wasser bzw. die Heißdampfreinigung.
Bei gröberen Beeinträchtigungen der Oberflächen, wie z.B. Graffiti oder Lackanstriche helfen nur chemische Lösungsmittel oder sanfte Strahlverfahren.

Verwendung ungeeigneter Ersatzmaterialien
Anstatt optisch und bauphysikalisch passender Mauerziegel werden für Ergänzungen von zerstörten Ziegelflächen vielfach Klinkersteine verwendet. Klinker, ein bis 1300 °C gebrannter höchst widerstandsfähiger Ziegelstein, weist jedoch keine kapillare Leitfähigkeit auf, und kann daher weder Wasser aufnehmen, noch abgeben. Damit verhindert der Klinker, dass Mauerfeuchte weder austreten, noch ausdiffundieren kann. „Leider findet bei der Sanierung von manchen Objekten sogar ein kompletter Austausch des historischen Sichtziegelmauerwerks statt. Geschuldet ist dies dem Denken einer vermeintlichen Wartungsfreiheit durch den Einsatz des als unverwüstlich geltenden Klinkers.

Die denkmalpflegerisch richtige Methode wäre jedoch die Verwendung des dem jeweiligen Bestandsziegel entsprechenden Mauerziegelmaterials“, erklärt Astrid Huber. Oft wäre der Austausch einzelner Ziegelsteine jedoch gar nicht notwendig, denn abgesprengte Ziegelteile ohne statischer Bewandtnis könnten auch aus einem Materialmix von Romanzement, Ziegelmehl und passendem Farbpigment wie z.B. Siena oder Umbra gebrannt, plastisch ergänzt werden. Für den Erfolg unerlässlich ist die Verwendung von Romanzement, ein natürlicher Zement aus Mergelstein (Tonkalkstein) der kapillar leitfähig ist und dadurch die Ziegelmauer
„atmen lässt“.

Die Veränderung des Fugenbilds
Auch bei der Verfugung von Ziegelsteinen werden leider Viel zu oft Fehler gemacht. Aus Gründen der Arbeitsersparnis wird der Fugenmörtel, wie bei der Verfugung von Fliesen, über die gesamte Wand flächig geschlossen verteilt und anschließend von der Ziegeloberfläche wieder abgewaschen. Das verhindert die für Ziegelwände so typische Reliefstruktur mit vertieftem Fugenbild und entsprechendem Licht-Schattenspiel. Fachlich richtig wäre es, den Mörtel ausschließlich in die Fuge einzubringen. Auch hier ist bei der Materialwahl auf Kalk- oder Romanzementmörtel zu achten, denn ein handelsüblicher
Portlandzement würde aufgrund seiner nicht gegebenen kapillaren Leitfähigkeit weder Wasser aufnehmen noch abgeben können und würde diesen notwendigen Wasserdampfdiffussionskreislauf ausschließlich in den Ziegelstein verlagern, der durch diese überhöhte Beanspruchung langfristig zerstört würde.

Ergänzungen von Putzoberflächen mit ungeeignetem Zementmörtel 
Credo in der Altbausanierung ist die Verwendung von Kalkmörtel, denn nur dieser zeigt die gleichen bauphysikalischen Eigenschaften wie das alte Ziegelmauerwerk. Geübt wurde beim Workshop die Herstellung von Reib- und Rieselputzoberflächen. Beim Rieselputz, der mit körnigem Material angeworfen wird, müssen die nicht zu verputzenden Stellen abgedeckt werden – eine nicht unaufwändige Vorgehensweise. Als Resümee zum Workshop meint Astrid
Huber. „Es bleibt zu hoffen, dass Schulungen wie diese nachhaltig dazu beitragen werden, durch Vermeidung von Sanierungsfehlern, alten Baubestand in Niederösterreich zu erhalten und in seinem Erscheinungsbild zu bewahren“.