Bodenständig, aber mit moderner Wohnstruktur

Im ehemaligen Hintaus der Ortschaft Jettsdorf, wo die schlichten, gleichförmigen Stadeln stehen, wurde ein Wohntraum verwirklicht, der zitiert, aber nicht nachahmt – und der dabei deutlich macht, dass sich die Bauherren bei ihren Planungen sehr viel gedacht haben.

Satteldach wie ein Stadel
Bodenständig, natürlich, schlicht, aber trotzdem modern sollte das zukünftige Eigenheim sein. Durch das Gestaltungsvorbild des Stadels kam man zu ähnlichen Proportionen, einem um 42° geneigten Satteldach, reduzierte Bauform und viel Holz. Im Inneren versuchte man, mit möglichst wenigen verschiedenen Materialien zu arbeiten. Alle Gestaltungselemente wie Treppe, Fenster und Türen wurden schlicht und zweckmäßig gehalten. Die so erreichte Geradlinigkeit setzt sich in der Gartengestaltung fort. Dort fallen besonders drei lange Blumenhochbeete auf, die einen Gegensatz zur weitläufigen Streuobst- und Blumenwiese bilden. Um das Haus führt ein geschützter Weg, der vom traditionellen Bauernhaus übernommen wurde („Gredn“) und die verschiedenen Nutzungsbereiche miteinander verbindet.

Bauen nach der Mustersprache
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Planungen ist das architektonische Regelwerk „Die Mustersprache“ des aus Österreich stammenden und in England lebenden Architekten und Philosophen Christopher Alexander. Es erklärt leicht verständliche Regeln, deren Berücksichtigung die Qualität und Lebendigkeit von Gebäuden und Konstruktionen verbessert. Etwa 45 davon wurden hier angewendet, so etwa „Zimmer im Freien“, das Christopher Alexander wie folgt beschreibt: „Bau einen Platz im Freien, der so umschlossen ist, dass man sich wie in einem Zimmer fühlt, obwohl er nach oben hin offen ist. Begrenz ihn zu diesem Zweck an den Ecken mit Pfeilern, überdacht ihn vielleicht teilweise mit einer Pergola oder einer einziehbaren Markise, und schafft „Wände” rundherum, aus Zäunen, Sitzmauern, Gittern, Hecken oder den Außenwänden des Gebäudes selbst.” Dieser Teil der Terrasse, mit direktem Zugang zur Küche, wird nun aufgrund seiner hohen Wohnqualität von Frühjahr bis Herbst intensiv genutzt.

Umweltschutz verwirklicht
Die dritte Planungsleitlinie ist die Nachhaltigkeit: Eine kompakte Bauweise mit einer effizienten Raumaufteilung und -erschließung hält verschiedene Kostenfaktoren niedrig. Durch sinnvolle Gestaltung und gute Dämmung kommt man hier mit einer Niedertemperatur-Fußbodenheizung in Kombination mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe aus. Der Strom dafür kommt aus einer Photovoltaikanlage. Große südseitige Fenster halten den Energieverbrauch gering und liegen im Sommer im Schatten. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für eine angenehme Raumluft und im Wohn-Ess-Bereich steht zusätzlich ein als Raumteiler gestalteter Kamin.

Klare Formen
Diese inneren Werte treten optisch erst auf den zweiten Blick in Erscheinung. Auffälliger ist die geradlinige Geometrie aller sichtbaren Elemente. Das Haus ist ein Loblied auf kubische und dreieckige Formen, was auch durch die verschachtelte Struktur aus Hauptgebäude und angebauten hölzernen Bereichen sichtbar wird. Auf diese Weise zeigt das Gebäude unmittelbar, dass es eben doch weit über den reinen Stadel hinausgewachsen ist und dass sehr viel Planung in ihm steckt. Ein solcher angebauter Bereich ist etwa der Technikraum, der von den Bauherren im Vergleich zu einem Keller als viel sinnvoller empfunden wird. In diesem Bereich ist auch die Haustechnik untergebracht.

Das Einfamilienhaus fügt sich aufgrund der durchdachten Planungsleitlinien hervorragend in die Umgebung ein, ohne dass man dafür irgendwelche Abstriche an Wohnkultur oder Umweltschutz in Kauf nehmen musste. Durch gute Architektur wurde der moderne Baukörper zum örtlichen Umfeld in die richtige Beziehung gesetzt.

Eigentümer: Martina Scherz und Thomas Heindl

Entwurf / Planung: Architekt Claus Ullrich, Bauhandwerk Schnabl