Umbau eines ehemaligen Winzerhauses in ein Bürogebäude

Wie sich der Spannungsbogen zwischen der Bewahrung eines Kulturdenkmals und die Anpassung des Objekts an aktuelle Bedürfnisse schließen lässt, zeigt der Firmensitz eines Markt und Meinungsforschungsinstituts in Baden bei Wien. Hier hat der Geschäftsführer und Eigentümer Thomas Schwabl, seine akkuraten Vorstellungen von einem zeitgemäßen Bürogebäude verwirklicht. Da es sich beim Bestandsobjekt um ein Biedermeierhaus handelte, galt es auf dem Weg dort hin so manche technische und bürokratische Hürde zu überwinden.Das Ergebnis der Bemühungen überzeugt, denn die Symbiose aus Alt und Neu ist hervorragend gelungen.

Solide Basis mit Potential

Als Standort für die geplante neue Unternehmenszentrale konnte 2012 ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in verkehrstechnisch gut erschlossener Lage erworben werden. Das teilunterkellerte Haus wies einen U-förmigen Grundriß auf, der nach dem Umbau prinzipiell beibehalten, aber in seinen Größenverhältnissen an den zukünftigen Raumbedarf angepasst wurde. So wurde etwa die linke Gebäudeflanke um drei Meter verkürzt, um genügend Platz für die erforderlichen Fahrzeugstellplätze zu erhalten. Während die Gebäudelängsachse parallel zur Straßenzeile verläuft, begrenzen die beiden Seitentrakte die Einfahrt sowie einen schmalen Hof, der sich nach Norden hin in den Gartenbereich öffnet und im Zentrum die Aussicht auf einen beeindruckenden Nußbaum freigibt.

Bei einer Nutzung als Einfamilienhaus hätte es sich durchaus gelohnt, einen Gutteil der ursprünglichen Bausubstanz zu erhalten, zumal auch wesentliche Details wie die zeitgenössischen Kastenfenster und der Wandverputz in einem ordentlichen Zustand waren. Aufgrund der unterschiedlichen funktionellen Ansprüche von Wohn- und Bürogebäuden, musste beim Umbau dennoch vieles verändert werden.

Verschränkung von Alt und Neu

Zunächst galt es die kleinteilige Struktur aufzulösen und anschließend den Bestand behutsam mit neuen Bauteilen zu erweitern. Im Bereich der Gründung mussten die bestehenden Fundamente teilweise verstärkt und ergänzt werden. Die historische Fassade an der Straßenfront wurde nicht verändert und nur die dem Grundstück vorgelagerte Mauer und der Metallzaun saniert, so dass sich das Gebäude nach der Umgestaltung weiterhin perfekt in das gewachsene Ensemble einfügt. Hofseitige wurde die Außenhaut im Erdgeschoß wieder als Putzfassade ausgeführt und das Obergeschoß mit einer hinterlüftete Metallfassade ausgestattet. Das in klassischer Zimmererarbeit ausgeführte Dach wurde komplett durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt, die nun das Obergeschoß beherbergt, wobei die ursprüngliche Dachschräge erhalten blieb. Die neue Dachdeckung besteht straßenseitig aus kleinteiligen dunkelgrauen Platten und Rhomben, die an Schiefer erinnern.

Die bündig mit der Dachhaut eingebauten Dachflächenfenster nehmen die Fassadenteilung auf und wirken im Innenraum als großzügige Atelierverglasungen. Farbig sind sie mit der Dachhaut abgestimmt und fügen sich somit harmonisch in das Gesamtbild ein.

Viel Sorgfalt wurde auch bei der Deckenkonstruktion aufgewandt: Wo es möglich war, wurde die alte Dippelbaumdecke über dem Erdgeschoß erhalten, ergänzend kamen Stahlbetondecken zum Einsatz. Die Stiegenläufe zum Obergeschoss sind mit massiven Stahl ausgeführt.

Selbstverständlich wurde auch die Infrastruktur des Hauses mit Sanitär- und Elektrotechnik auf den Stand der Zeit gebracht. So erhielt die gesamte Nutzfläche eine Fußbodenheizung, die an das regionale Fernwärmenetz angeschlossen ist.

Wie aus einem Guß

Insgesamt entstand durch die räumliche Erweiterung eine flexible, großzügige Bürolandschaft, die sich über zwei Ebenen erstreckt. In einer dritten Ebene, dem ehemaligen Weinkeller, sind heute die Sanitär- und Lagerräume untergebracht.

Sichtbetondecken, versiegelte Estrichböden, gewachste Stahlelemente kombiniert mit weißem Kalkputz schaffen eine räumliche Grundstimmung von gelassener Eleganz, die durch ein fein abgestimmtes Farbkonzept in Schwarz-, Grau- und Weißtönen ergänzt wird. Ein Eindruck, der mit gezielt platzierten Blickfängen und Zitaten aus historischem Industriedesign noch verstärkt wird: Hier eine riesenhafte Neonletter, die den Raum in farbiges Licht hüllt, da eine Bahnhofsuhr, die beim Betrachter spontan sentimentale Gefühle hochkommen lässt oder große Fabrikleuchten, die den Eingangsbereich überlagern.

Die großzugig dimensionierten Fassadenöffnungen ermöglichen die Verbindung zischen Innen- und Außenraum und schaffen ein breites Blickspektrum, das die vielfältigen sich ständig veränderten Farb- und Lichtstimmungen der Natur erlebbar macht und ein kreatives und konzentriertes Arbeiten fördert – ganz wie es der Bauherr im Sinn hatte.

Bauherr: Marketagent, Mag. Thomas Schwabl

Planung: junger & beer architektur zt-gmbh